- - Die Ernüchterung war im vergangenen September groß. Ein Jahr später als FIFA, NBA und Madden kam auch die Eishockey-Simulation NHL aus dem Hause EA Sports als Next-Gen-Version auf den Markt. Alles sollte besser sein als im Jahr zuvor - doch in den allermeisten Fällen war das Gegenteil der Fall.
Für eingefleischte Fans des Sports und des Spiels wie mich war es eine herbe Enttäuschung. Während ich die Vorgänger nur selten aus der Konsole holte um ein neues Spiel einzulegen, verstaubte NHL 15 quasi in seiner Verpackung. Meine Erwartungen nach diesem Desaster waren damit an NHL 16 automatisch höher.
Es hat sich einiges getan, das wird auf dem ersten Blick ins Spiel klar: Das freie Training ist zurück, ebenso der Shootout-Modus (On- und Offline). Der Managermodus, dem in NHL 15 wohl eine Magerkur verordnet wurde, ist umfangreich wie schon lange nicht mehr. Auch die EA Sports Hockey League ist zurück. Hier können bis zu sechs Spieler in einem Team gemeinsam spielen.
Nur Instrumentale Musik
Was auch auffällt - und zwar negativ - ist, dass erneut auf einen Menüsoundtrack, wie in früheren Jahren, verzichtet wurde. Stattdessen ist pseudo-dramatische Instrumentalmusik zu hören, die bereits nach einer Stunde einen ungemeinen Nerv-Faktor erreicht. Langjährige Freunde der Reihe können hier nur in Erinnerungen schwelgen, als noch Billy Talent, Queens of the Stone Age, Green Day und Co. beim Spielen zu hören waren.
Damit wären wir auch beim Hauptthema: das Spielerlebnis. Die Intelligenz der computergesteuerten Mitspieler war im vergangenen Jahr zum Vergessen. Manndeckung: Fehlanzeige. So hatte der Gegner es beim Toreschießen leicht und das Spiel zwangsläufig einen Frustfaktor.
Auch daran wurde geschraubt. Die Mitspieler fangen auffällig viele Pässe ab. Den Gegenspieler lassen sie trotzdem noch zu oft aus den Augen. Ein Querpass vors Tor ist häufig ein Erfolgsgarant. 'Früher', als alles noch besser war, musste der Spieler sich die Tore herausspielen und erarbeiten. Das ist zu einfach geworden.
Komplexe Steuerung
Ein Pluspunkt ist und bleibt aber die Steuerung von NHL 16. Für Einsteiger ist sie unheimlich komplex und es dauert eine Weile bis alle Funktionen in Fleisch und Blut übergehen. Doch ist das erst geschehen, ist das Spielerlebnis größer als bei allen anderen Sportsimulationen. Hier reicht es nicht, ein oder zwei Knöpfe zu drücken. Dafür fühlt es sich aber auch umso realistischer an.
Bei NHL 15 wurden viele Probleme durch ein großes nachträgliches Update behoben. Das sollte bei NHL 16 kleiner ausfallen, wird aber auf jeden Fall benötigt, denn im Torwartmodus ist der Spieler oftmals wie festgefroren und bewegt sich nicht mehr. Im Training schafft es der Computer zudem oftmals nicht, den Puck hinter dem Tor aufzunehmen und einen Angriff aufzubauen, weil er ständig gegen das Tor fährt.
Deutliche Steigerung
Unter dem Strich ist EA mit NHL 16 insgesamt eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahrestitel gelungen. Dennoch ist das Spiel weit weg von der Perfektion. Doch auch Titel wie FIFA, die ein deutlich größeres Produktionsbudget haben, sind immer wieder für einen richtig dicken Bock gut. Für EA bleibt für das nächste Jahr noch Luft nach oben. Vielleicht ist dann auch wieder Geld für einen vernünftigen Soundtrack übrig.
NHL 16 ist für Playstation 4 und Xbox One für etwa 70 Euro erhältlich. Für die Xbox 360 und die PS 3 gibt es eine sogenannte 'Legacy Edition' (circa 50 Euro), die faktisch nur ein Kader-Update gegenüber dem Vorjahr darstellt.
