Emden - In Emden sind rund 2000 Kinder gemeinsam mit ihren Eltern auf staatliche Unterstützung angewiesen und leben vom Bürgergeld (früher „Hartz IV“). Die Zahl der in Armut lebenden Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ist damit hier in den vergangenen acht Jahren um zwölf Prozent angestiegen – entgegen dem Bundestrend. 2015 lag die Zahl der registrierten Kinder, die in Emden in der sozialstaatlichen Grundsicherung aufwachsen, noch bei 1773. Diese Daten beruhen auf Angaben des Emder Jobcenters und geben den Stand im Dezember 2022 wieder.
Ein Grund für die Steigerung: der Zuzug von Flüchtlingsfamilien. „In Emden haben die beiden Flüchtlingswellen in 2015/2016 und 2022/2023 allgemein zu einer Steigerung der ausländischen Leistungsberechtigten mit einer durchschnittlich größeren Anzahl von Kindern geführt“, sagte der für den Sozialbereich zuständige Stadtrat Volker Grendel gegenüber unserer Redaktion. Kleinere Städte seien gerade für Familien attraktiv, während es Alleinreisende eher in die größeren Städte ziehe, so Grendel. Zudem habe sich Emden bewusst für die Aufnahme von geflüchteten Familien entschieden, weil entsprechender Wohnraum angeboten werden konnte.
Bundesweit sind nach jüngsten Angaben fast zwei Millionen Kinder auf Bürgergeld angewiesen. Das ist in etwa der Stand von 2015. Allerdings ist die Zahl der betroffenen deutschen Kinder gesunken, die der ausländischen dagegen gestiegen. Knapp 48 Prozent der Kinder im Bürgergeld-Bezug haben eine ausländische Staatsangehörigkeit. Für Emden ist diese Differenzierung derzeit nicht möglich, die Experten gehen aber von einem ähnlichen Trend aus.
In Emden sind nach Angaben des stellvertretenden Geschäftsführers des Jobcenters, Karl-Ingo Meyer, derzeit 2770 sogenannte Bedarfsgemeinschaften gemeldet. Das sind entsprechende Gruppen von Familienangehörigen, die das neue Bürgergeld beziehen. Dahinter verbergen sich in der Regel vier oder mehr Personen, darunter auch Kinder. „Im Verlauf des vergangenen Jahres ist die Zahl der Bedarfsgemeinschaften bei uns um etwa 350 angestiegen“, sagte Meyer. Dies waren vor allem Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet Ukraine. Ukrainische Flüchtlinge sind in den ersten Wochen nach ihrer Ankunft in Emden für das Bürgergeld registriert worden, damit sie ihren Lebensunterhalt bestreiten können.
Ob der Bezug von Bürgergeld automatisch mit Armut gleichzusetzen ist, ist umstritten. „Es stellt sich aber die Frage, ob Kinder, die mit finanzieller Hilfe des Staates aufwachsen, die gleichen Chancen haben“, sagte Karl-Ingo Meyer vom Jobcenter.
