Oldenburg/Bremen - Zehn Kinderkliniken im Weser-Ems-Gebiet und Bremen wollen ihre Ärzte und Pflegekräfte schulen, damit sie Misshandlungen ihrer jungen Patienten sicherer und besser erkennen können. Die niederländische Stiftung Augeo präsentierte am Donnerstag in Oldenburg den ersten Teilnehmenden das internetbasierte Schulungsprogramm. Ab sofort können die Ärzte und Schwestern die Fortbildung auf den heimischen Computer dann durcharbeiten, wenn sie dafür Zeit haben. In den Niederlanden arbeiteten bereits 90 Prozent aller Krankenhäuser mit dem Programm, berichtete Marielle Dekker von der Augeo-Stiftung.
Seit die niederländischen Kliniken die Fortbildung nutzten, meldeten sie jährlich rund 5000 mehr Misshandlungsfälle, sagte Dekker. Die Bremer Oberärztin für Kinder- und Jugendmedizin vom Klinikum Links der Weser berichtete, dass in Deutschland jährlich 14.000 Fälle von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung angezeigt werden. Dies seien jedoch nur die bekannten Fälle. Die Dunkelziffer sei viel höher einzuschätzen.
In kurzen Filmen lernten die Mitarbeitenden, auf Anzeichen einer Misshandlung zu achten, sagte Mareike van’t Zet vom Oldenburger Kinderschutzzentrum, die das Projekt begleitet. Doch mit dem Erkennen allein sei es nicht getan: „Es ist schwierig, Eltern auf einen bloßen Verdacht hin anzusprechen.“ Die Teilnehmenden würden darin geschult, die Eltern nicht zu verurteilen, sondern mit ihnen über die Ursachen der Misshandlung und mögliche Hilfen zu reden.
„Die meisten Eltern wollen ihre Kinder nicht schlagen“, sagte van’t Zet. Oft seien sie sogar froh, auf die Verletzungen ihres Kindes angesprochen zu werden. „Viele dieser Eltern sorgen sich um ihre Kinder, sind aber überlastet und hilflos.“ Ziel sei es, gemeinsam die Ursachen der Überlastung zu bearbeiten. Dabei stehe jedoch der Schutz des Kindes immer im Mittelpunkt.
In der jetzt beginnenden Pilotphase sollen etwa 20 bis 30 Mitarbeitende pro Klinik geschult werden, sagte Porrath. In den kommenden Jahren sollten nach und nach alle Ärzte und Schwestern die Fortbildung durchlaufen. An dem Projekt beteiligen sich derzeit die Kinderkliniken in Oldenburg, Delmenhorst, Emden, Leer und Wilhelmshaven sowie der Klinikverbund Gesundheit Nord Bremen, das Christliche Kinderhospital Osnabrück und das Marienhospital Vechta.
