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Knall und Druckwelle im Nordwesten Warum die Bundeswehr nicht alle Überschallflüge ankündigt

Oldenburg/Bonn/Köln - Wenn es am Himmel knallt ist der Schreck groß, die Erklärung aber meist schnell gefunden: Immer wieder durchbrechen Militärflieger bei Übungen die Schallmauer. Auf Nachfrage heißt es beim zuständigen Luftfahrtamt der Bundeswehr dann oft: Die flugbetrieblichen Bestimmungen wurden eingehalten. Doch was heißt das? Wann sind Überschallflüge überhaupt erlaubt und haben sie im leeren Luftraum zu Corona-Zeiten zugenommen?

Warum knallt es?

Der laute Knall entsteht, wenn Flugzeuge die Schallgeschwindigkeit überschreiten. Dazu müssen sie auf mehr als 640 Knoten oder etwa 1200 Stundenkilometer beschleunigen. Dabei schieben die Maschinen die Moleküle in der Luft zu einer Druckwelle zusammen. Diese Schallmauer bewegt sich vor dem Flugzeug her. Wenn die Maschine dann schneller als der Schall unterwegs ist, durchbricht sie die verdichtete Luft. Dabei löst sich eine kegelförmige Schallwelle, die sich bis auf den Erdboden ausbreitet. Das ist dort als lauter Knall und Druck wahrzunehmen. Um die Lärmbelastung von Menschen und Tieren zu reduzieren, gibt es genaue Regeln für militärische Überschallflüge.

Wann dürfen Überschallflüge stattfinden?

Nur bei realen Abfangeinsätzen, Testflügen und angemeldeten Übungen dürfen Piloten der Bundeswehr schneller als der Schall fliegen, teilt das Luftfahrtamt auf seiner Homepage mit. Bei solchen Tests und Übungen im Überschallbereich müssen die Kampfjets in einer Höhe von mindestens 36.000 Fuß oder etwa 11.000 Metern fliegen. Sie sind nur werktags von 8 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 20 Uhr erlaubt.

Weshalb werden sie nicht vorab angekündigt?

In den erlaubten Zeiträumen seien Überschallflüge grundsätzlich zu erwarten, teilt ein Sprecher des Luftfahrtamtes auf Nachfrage mit. Wie auch die anderen Übungsflüge würden sie tagesaktuell geplant. Dabei spielten unter anderem das Wetter und die Einsatzbereitschaft von Personal und Material eine Rolle. „Eine Information im Vorfeld könnte also nur unter relativer Unsicherheit vorgebracht werden“, schreibt der Sprecher. Die Flüge würden aber so geplant, dass dicht besiedelte Gebiete möglichst nicht durch den Überschallknall beeinträchtigt werden. Auf seiner Homepage weist das Amt ergänzend darauf hin, dass spezielle Übungen, die über den Routinebetrieb hinausgehen, grundsätzlich vorab angekündigt würden.

Warum knallt es über dem Oldenburger Land?

Im Nordwesten kommen einige sogenannte TRA zusammen. Diese Temporary Reserved Airspaces sind definierte Lufträume, die zeitweise vom Militär beispielsweise für Tests oder Übungen reserviert werden können. Drei dieser Lufträume verteilen sich auf Friesland (TRA 201), das Wesergebiet (TRA 202/302) und das Münsterland (TRA 203).


Erst Anfang Februar wurden die Menschen im Nordwesten von Knallgeräuschen und Druckwellen aufgeschreckt. Ursache waren laut Luftfahrtamt zwei Überschallflüge in der TRA 202/302. Zuvor waren Militärjets sowohl tagsüber als auch bis in den Abend hinein über Friesoythe unterwegs. Hintergrund war dort eine Abfangübung mit Eurofightern: „Diese Verfahren können und müssen sowohl am Tage als auch bei Dunkelheit geübt werden“, hieß es vom Luftfahrtamt der Bundeswehr in Köln-Bonn.

ÜBERSCHALLFLÜGE IM NORDWESTEN Warum es mal wieder über Oldenburg geknallt hat

Oldenburg

Haben die Flüge in Corona-Zeiten zugenommen?

„Durch die Reduzierung ziviler Passagierflüge kann der subjektive Eindruck entstehen, dass mehr militärische Flüge durchgeführt werden“, räumt der Sprecher auf Nachfrage ein. Dabei stehe die Anzahl der Passagierflüge in keinem Zusammenhang mit den militärischen Trainingsflügen. Insgesamt habe das militärische Flugaufkommen 2020 eher abgenommen.

Allerdings habe eine Flugdichteanalyse ergeben, dass die TRA 202/302 (Weser) häufiger als im Vorjahr für Überschallflüge genutzt wurde. Absolute Zahlen gebe es aber keine.

Wo gibt es nach einem Knall Klarheit?

Wer nach einem Knall verunsichert ist oder Fragen zu Fluglärm und besonders tiefen Flügen hat, kann sich an ein Bürgertelefon des Luftfahrtamts der Bundeswehr wenden. Es ist unter der Nummer 0800/8620730 zu erreichen und von Montag bis Donnerstag zwischen 8 und 17 Uhr und freitags von 8 bis 12.30 Uhr besetzt. Anrufer sollten ihren Namen, ihre Anschrift und Kontaktmöglichkeiten bereithalten und möglichst genaue Angaben zu Ort, Datum und Uhrzeit machen können.

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