Wangerooge - In der Giftbude gibt es kein Gift. Der altdeutsche Name „Gift“ bedeutet „Gabe“ oder „geben“. Eine Giftbude ist also ein Lokal, in dem es etwas gibt. Hat das ein ehemaliger Angestellter zu wörtlich genommen und tief in die Kasse der gleichnamigen Gaststätte auf Wangerooge gegriffen? Entsprechende Informationen machen auf der Insel die Runde. Wie unsere Redaktion erfahren hat, geht es um rund 34.000 Euro. Die Polizei bestätigt entsprechende Ermittlungen wegen Veruntreuung von Geschäftsgeldern. Die Ergebnisse würden zeitnah an die Staatsanwaltschaft geleitet, sagte eine Sprecherin.
Einnahmen aus dem Lokal
Wie unsere Redaktion weiter erfuhr, handelt es sich um einen Angestellten, der noch bis Ostern auf Wangerooge gelebt hat. Den Informationen zufolge soll der Mann seit dem vergangenen Herbst die Tageseinnahmen aus dem Lokal nicht mehr pünktlich und zuverlässig bei der Bank eingezahlt haben. Die Geschäftsführung der Giftbude habe den Mann, der das Lokal in den vergangenen Jahren weitgehend selbstständig geführt hat, ermahnt und sich Besserung versprechen lassen. Nach der Winterpause habe es ein weiteres Gespräch gegeben, weil der Angestellte das Lokal nicht rechtzeitig für das umsatzstarke Ostergeschäft vorbereitet habe.
Im Casino verspielt
Im März, nach mehrmaligem Drängen, soll der Angestellte gegenüber der Geschäftsführung den Betrug schließlich gestanden haben. Er habe das Geld aufgrund einer emotionalen Ausnahmesituation in Casinos verspielt. Auch der Inhalt der Kellner-Portemonnaies und die Kasse mit Wechselgeld seien draufgegangen. Dem Mann sei daraufhin mit sofortiger Wirkung gekündigt worden.
Geschäftsführung springt ein
Um die laufende Pachte erwirtschaften zu können, hat die Geschäftsführung die Giftbude Anfang April kurzerhand selbst eröffnet. Geplant war ursprünglich, dass der Angestellte das Lokal im kommendem Jahr übernimmt und selbstständig weiterführt. Die Geschäftsführung selbst wollte sich nach zehn Jahren auf Wangerooge von der Insel aufs Festland zurückziehen. Die ungewöhnlich lange Schließzeit der Giftbude hatte bereits im März zu Spekulationen über die Gründe und Nachfragen geführt.
Weitere Geschädigte
Nachdem sich die Vorwürfe gegen den Giftbude-Beschäftigten auf Wangerooge verbreitet hatten, sollen sich weitere Geschädigte gemeldet haben. Darunter Stammgäste, von denen sich der Angestellte Geld geliehen hat, Vermieter und weitere Geschäftspartner. Auch von Einnahmen aus Ferienvermietungen ist die Rede. Der Angestellte, der nicht nur bei Gästen einen guten Ruf genoss, hatte offenbar glaubwürdige Erklärungen und Entschuldigungen, warum er Geld benötige oder die zugesagte Rückzahlung derzeit nicht möglich sei. „Das hätte ich ihm niemals zugetraut“, sagte ein Stammgast. Dem Vernehmen nach soll ein Schaden durch geliehenes und nicht zurückgezahltes bzw. zu Unrecht eingesteckte Geld von insgesamt mehr als 100.000 Euro entstanden sein.
Seit über 100 Jahren
Die Giftbude ist eine traditionsreiche Gaststätte direkt an der Wangerooger Promenade mit herrlichem Seeblick. Neben der hervorragenden Lage ist das Lokal unter anderem für seine Burger beliebt. Schon seit mehr als 100 Jahren gibt es unter diesem Namen Gastronomie auf Wangerooge. Trotz der langen Geschichte mit vielen Höhen und Tiefen: Solche Vorwürfe dürften in der Giftbude bislang einmalig sein.
