Lemwerder Vegesack - Fast sechs Jahre nach Beginn der Generalüberholung hat die „Gorch Fock“ am Mittwoch die Lürssen-Werft in Lemwerder (Kreis Wesermarsch) verlassen und ist nach Wilhelmshaven aufgebrochen. Das berühmte Schulschiff wird dort an diesem Donnerstag erwartet. Es soll in den nächsten Wochen bei Testfahrten auf der Nordsee überprüft und am 30. September dann der Marine übergeben werden. Am 4. Oktober wird die „Gorch Fock“ im Heimathafen Kiel erwartet.

Gorch Fock legt bei Lürssen-Werft zur Probefahrt ab

Der 1958 gebaute Dreimaster hat eine neue Außenhaut erhalten. Zudem wurden Teile des Decks ausgetauscht, der Motor überholt und die technische Ausstattung digitalisiert. Fachleute sprechen von einem in Teilen völligen Neuaufbau des Traditionsseglers.

Die Sanierung war unter anderem wegen explosionsartig von 10 auf 135 Millionen Euro gestiegener Kosten in die Schlagzeilen geraten. Überlegungen, die „Gorch Fock“ nicht mehr hochseetauglich auszurüsten, sondern als Museumsschiff zu nutzen, wurden unter der damaligen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) jedoch verworfen.

Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit der Sanierung lösten umfangreiche Ermittlungen aus. Der Führung der Elsflether Werft, die zunächst den Auftrag erhalten hatte, soll in undurchsichtige Nebengeschäfte verwickelt sein. Die Werft musste 2019 Insolvenz beantragen und wurde von Lürssen übernommen. „Ein Ende der Ermittlungen ist noch nicht abzusehen“, teilte die Staatsanwaltschaft Osnabrück am Mittwoch mit.

Für Kapitän Nils Brandt, der die Zeit der Sanierung zum Großteil zusammen mit der Kernbesatzung auf einem Wohnboot neben der „Gorch Fock“ verbracht hat, geht ein großer Wunsch in Erfüllung. Der Kommandant, der vor dem Ruhestand steht, sieht nun seiner letzten Ausbildungsfahrt entgegen

Christoph Kiefer
Christoph Kiefer Reportage-Redaktion (Chefreporter)