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NWZonline.de Region

Letzter Bombenhagel gibt Stadt den Rest

08.03.2005

Vor 60 Jahren ging der 2. Weltkrieg zu Ende. In einer Serie, die in unregelmäßiger Folge erscheinen wird, zeichnet die NWZ das Geschehen der letzten Kriegswochen im Jahr 1945 an den wichtigsten Schauplätzen in der Region nach; u. a. die Kämpfe am Küstenkanal, den Großangriff auf Wangerooge oder Oldenburgs Kapitulation.

Der Festungskommandant wollte die Stadt unter Wasser setzen, indem Sieltore zerstört werden sollten. Der Bürgermeister widersetzt sich dieser Absicht.

Von Hans Drunkenmölle OLDENBURG/WILHELMSHAVEN - Der Anfang vom Ende begann im April 1945: Als britische Truppen die Stadt Osnabrück besetzt und die Grenze zum „Gau Weser-Ems“ überschritten hatten, zeichnete sich im Nordwesten die Schlussphase des Zweiten Weltkrieges ab.

Das strategische Konzept der Alliierten war vom britischen Feldmarschall Montgomery entwickelt worden: Bremen sollte durch das britische 30. Korps erobert werden und das 2. Korps der 1. Kanadischen Armee nach Ostfriesland und von dort weiter auf die Marinefestungen Emden und Wilhelmshaven vorstoßen. Aus dem Raum Cloppenburg sollte die 4. kanadische Panzerdivision Richtung Oldenburg marschieren und ihr rechter Nachbar, die britische 43. Division, gegen Delmenhorst operieren.

Die deutsche Wehrmachtsführung hatte die Linie vom Küstenkanal über die untere Hunte bis zur Weser zur „Hauptkampflinie“ erklärt. Durch die dabei geplante Einbeziehung Oldenburgs und Bremens waren furchtbare Folgen für das bis dahin weitgehend verschonte Oldenburg und das bereits stark zerstörte Bremen zu erwarten.

Die Kriegsmarinestadt Wilhelmshaven war von Bombardements bereits schwer gezeichnet, als sie im Herbst 1944 das schauerliche Fanal des Luftkrieges erlebte: Am 15. Oktober dröhnen 485 britische Bomber Richtung Jadebusen. Die deutsche Abwehr hat keine Chance.

In Wilhelmshaven bricht das Inferno los, der Himmel färbt sich blutrot. Historiker beschreiben ein furchtbares Szenario: Luftschutztürme schwanken wie Schilfrohre unter dem Druck rundherum detonierender Sprengbomben. Überall stürzen Gebäude ein. Brandbomben entflammen das Innere der Häuser, Flüssigkeitsbrandsätze bespritzen Einrichtungsgegenstände mit Benzin, Phosphor und Kautschuk, Flammenstrahlbomben fungieren als Flammenwerfer  . . .

Innerhalb von 48 Stunden fallen 3856 Sprengbomben, fünf Luftminen und etwa 1780 Stabbrandbomben auf die Stadt. 931 Gebäude werden total zerstört, 345 erleiden leichte, weitere 2943 schwere Schäden. Das war der Todesstoß für Wilhelmshaven, aber noch längst nicht das Ende des Schreckens.

Der Festungskommandant bereitet die militärische Verteidigung der Stadt nach dem Prinzip der „verbrannten Erde“ vor: Bei Feindberührung sollten die Sieltore bei Rüstersiel und Mariensiel zerstört und die Stadt unter Wasser gesetzt werden, außerdem wollte man alle Versorgungsleitungen lahm legen, um dem Feind einen Aufenthalt unmöglich zu machen. Bürgermeister Dr. Kellerhof widersetzt sich diesen Absichten – der Festungskommandant soll darüber erleichtert gewesen sein.

Anfang 1945 wurden die zentralen Lebensmittellager aufgelöst und deren Bestände an die Bevölkerung ausgegeben: Nach Kopfzahl bekam jede Familie in Konservendosen Milch, Fleisch und Gemüse. Dass diese Maßnahmen gerechtfertigt waren, stellte sich am 30. März 1945 heraus.

In den Mittagsstunden dieses Karfreitags tauchen 1320 amerikanische Bomber mit Begleitschutz über den ostfriesisischen Inseln auf. Im Raum Papenburg/Cloppenburg teilen sie sich in drei Angriffsgruppen auf: 358 Bomber greifen Wilhelmshaven von Süden an. Hauptziel der Amerikaner ist diesmal die Zerstörung des leichten Kreuzers „Köln“ in der Kriegsmarinewerft, der mit dem vordersten Turmgeschütz Salven auf eine Straßenkreuzung in Richtung Varel/Rastede feuerte, um den Vormarsch der Alliierten zu erschweren.

Es war der letzte Luftangriff auf Wilhelmshaven. 102 Angriffe hatte die Stadt seit 1939 zu überstehen gehabt, 16 davon Großangriffe. Sie hatten insbesondere die Altstadt in ein Trümmerfeld verwandelt. Abgeworfen wurden insgesamt 11 908 Sprengbomben, 43 Luftminen und 90 052 Brandbomben aller Art. Sie zerstörten 6079 Häuser. 435 Wilhelmshavener wurden im Bombenhagel getötet.

Auf den Schlachtfeldern dieses Krieges und auf See fielen insgesamt 11 618 Wilhelmshavener oder erlagen ihren Verwundungen.

Nächste Folge: Der schnelle Vorstoß der alliierten Truppen auf Wildeshausen und Cloppenburg

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