Jever - Das ist eine Zeugenaussage mit Brisanz: Der Beschuldigte im Hauptverfahren zur Lkw-Unfalltragödie auf der B 210 ist als Raser und Drängler im Straßenverkehr schon zuvor wiederholt aktenkundig geworden. Das wurde am zweiten Verhandlungstag im Hauptverfahren gegen den 58-jährigen Wangerländer bekannt.
Der Angeklagte soll am 28. Oktober 2021 auf der B 210 durch seine Fahrweise den verheerenden Lkw-Unfall verschuldet haben, bei dem drei Menschen tödlich und eine vierte Person schwer verletzt worden waren. Alle Unfallopfer waren miteinander verwandt.
Eine Zeugin, die am Unfalltag auf der B 210 eine Weile hinter dem Lkw des Entsorgungsunternehmens Nehlsen fuhr und den Zusammenprall mit dem entgegenkommenden Lkw-Gespann eines Agrarhandels aus einiger Entfernung miterlebte, berichtete, dass sie tags darauf in TV-Beiträgen und Zeitungsberichten zum Unfallgeschehen das Fahrzeug des mutmaßlichen Unfallverursachers wiedererkannt habe. Die 26-jährige Auricherin sei seit einigen Jahren beruflich regelmäßig zwischen Aurich und Wilhelmshaven unterwegs. Der silberne Nissan X-Trail mit Friesländer Nummer war ihr auf dieser Strecke in den Monaten vor dem Lkw-Unfall mehrfach durch rücksichtslose Fahrweise auf der B 210 und A 29 aufgefallen. Brenzlig wurde es für sie selbst im Februar 2020: Im Bereich einer Baustelle auf der A 29 sei sie innerhalb einer Woche zweimal von genau diesem Fahrzeug bedrängt worden: „Der kam mit extrem erhöhter Geschwindigkeit von hinten heran und hat mich im Bereich der Baustelle geschnitten“, sagte die Zeugin am Dienstag vor Gericht aus. Vier Tage später sei es an gleicher Stelle zu einem nahezu identischen Vorfall mit dem silbernen Nissan gekommen. Die junge Frau merkte sich das Kennzeichen und erstattete Anzeige bei der Polizei.
Die Anzeige aber blieb für den Wangerländer folgenlos: Das damalige Ermittlungsverfahren wurde nach einigen Wochen eingestellt. Der Mann hatte die Vorwürfe zurückgewiesen, beweisen ließ sich nichts.
Nun sitzt der heute 58-Jährige mit gesenktem Haupt im Gerichtssaal und muss sich für den Tod dreier Menschen verantworten. Möglicherweise wird schon kommende Woche plädiert.
