Nordenham - Die Förderung des Bundes für Mehrgenerationenhäuser in Höhe von jeweils 40 000 Euro jährlich soll ab 2024 um fünf Prozent reduziert werden. „Das hört sich nach nicht viel an, aber die Signalwirkung ist ganz fatal“, sagt Ralf Bunten. Er ist Geschäftsführer des Caritasverbandes in der Wesermarsch, der das Mehrgenerationenhaus in Nordenham betreibt.
Mehr Geld nötig
Wegen Personalkosten-Steigerungen müsse es darum gehen, die Förderung zu erhöhen, um den bisherigen Status halten zu können. Keinesfalls dürfe es zur Kürzung kommen, betont Ralf Bunten. Denn bis zu 15 Prozent zusätzlich müssten im nächsten Jahr infolge Tariferhöhungen und Inflationsausgleich für Personal aufgewendet werden.
Rund 80 Prozent des Gesamtetats von 140 000 Euro des Mehrgenerationenhauses in Nordenham seien Personalkosten. Die vom Bundesfamilienministerium mitgeteilte Reduzierung der Bundesförderung um fünf Prozent stelle daher die Einrichtung in Nordenham vor große Probleme. Glücklicherweise seien die Räume im Besitz der katholischen Kirchengemeinde, die keine Miete verlange, sondern sich mit der Erstattung der Nebenkosten begnüge. Diese Unterstützung bleibe ganz wichtig. Die Nebenkosten seien aber gestiegen, sie seien nur noch nicht an das Mehrgenerationenhaus weitergegeben worden.
„Falsche Richtung“
„Die Kürzung der Bundesförderung geht völlig in die falsche Richtung“, unterstreichen Mehrgenerationenhaus-Leiterin Doreen Schmidt und Leiter Stefan Schreiber. „Erschütternd“ ist für sie die Signalwirkung. Denn mit dem bisher finanzierten hauptamtlichen und räumlichen Rahmen könne sich im Haus sehr viel ehrenamtliches Engagement entfalten. Das habe sich gerade in den vergangenen Corona-Jahren bewährt. So sei es zum Beispiel möglich gewesen, mit Hilfe Ehrenamtlicher einige Kreativangebote für Kinder zu machen, ein Digitales Lerncafé für Ältere einzurichten sowie ein Reparaturcafé.
Nach dem Beginn des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine sei begonnen worden, mit Ehrenamtlichen Deutschkurse sowie auch Kinderbetreuung für Flüchtlinge aus der Ukraine anzubieten. Ein weiteres Beispiel sei, dass – weil das Mehrgenerationenhaus entsprechende Möglichkeiten biete und das Netzwerk habe – in Nordenham ein Mittagstisch-Konzept mit Wohnungslosen realisiert worden ist. Ralf Bunten unterstreicht: „Auf jede Krise haben wir reagiert. Das Mehrgenerationenhaus ist ein wichtiger Ort, um Menschen zu unterstützen.“
Mehrgenerationenhäuser seien Orte der Demokratie: Die Beteiligung der Nutzer sei ausdrücklich erwünscht.
530 Häuser
Das Mehrgenerationenhaus Nordenham schließt sich der Initiative des Bundesnetzwerks Mehrgenerationenhäuser an. Damit sollen die bundesweit insgesamt 530 aktiven Häuser gestärkt werden. Jedermann kann mit seiner Unterschrift in einer Petition fordern, dass die Kürzung der Fördermittel gestoppt wird. Im Offenen Treff im Nordenhamer Haus liegen Unterschriften-Listen aus.
