Norden/Aurich - Restaurantbetreiber, Hoteliers und Co. haben vergeblich protestiert, lobbyiert und gekämpft: Der aktuell in der Gastronomie reduzierte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent steigt ab dem 1. Januar wieder auf reguläre 19 Prozent. Darauf hat sich zuletzt die Bundesregierung verständigt. Doch die Umsatzsteuererhöhung hat nicht nur Auswirkungen auf das Essengehen außer Haus. Im Zuge der Rückkehr zum regulären 19-prozentigen Regelsatz wird nun häufig auch das Essen in Kita- und Schulmensen teurer.

CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann bekam von Jörg Tapper, Konditor in Norden und im Vorstand des Deutschen Konditorenbundes, ein besonderes „Plakat“ aus süßem Marzipan. Beide setzen sich gegen die Anhebung der Mehrwertsteuer zurück auf 19 Prozent ein.

GESPRÄCH MIT CDU-ABGEORDNETER GITTA CONNEMANN Konditoren und Bäcker in Sorge – Rückkehr zum alten Mehrwertsteuersatz bedroht Branche

Marina Folkerts
Norden

„Ich finde es doof, dass die Politik uns nun vor so ein Schlamassel stellt“, erzählt Dirk Dicke, der nicht nur die Mensaküche im Ulrichsgymnasium Norden (UGN) betreibt, sondern auch weitere Bildungsstätten im Stadtgebiet – wie die Grundschulen Lintel und Im Spiet – mit seinem Essen beliefert. Für ihn als Unternehmer sei die gesamte Mehrwertsteuererhebung wenig durchdacht und fragwürdig. Bei der nun anstehenden Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes sehe er sich gezwungen, diese an seine Kunden weiterzugeben. „Da habe ich wirtschaftlich keine andere Wahl“, so Dirk Dicke. Ein Beispiel: Ein Essen, welches von Dickes Mensa geliefert wird und aktuell 4,50 Euro kostet, wird im neuen Jahr rund fünf Euro kosten.

Inwieweit seine Kunden – welches vornehmlich Einrichtungen in Trägerschaft der Stadt Norden und des Landkreises Aurich sind – diese Preise an die Endverbraucher, also überwiegend die Schülerinnen und Schüler, weitergeben werden, wisse er nicht.

Eine Nachfrage bei der Stadt Norden bringt ein wenig Licht ins Dunkel. „Generell werden Preiserhöhungen, die durch das Marktgeschehen zustande kommen, weitergereicht“, teilt Nordens Pressesprecherin Ahlam Gandura-Kourich mit. Das gelte auch für die anstehende Erhöhung der Essenspreise in den Mensen, die durch die Rückkehr zum regulären Mehrwertsteuersatz in der Gastronomie bedingt ist.

Beim Landkreis Aurich – unter anderem Schulträger des Ulrichsgymnasiums in Norden – habe man sich noch nicht umfassend mit der Thematik beschäftigt, sagt Pressesprecher Rainer Müller-Gummels auf Nachfrage. Der Grund dafür sei, dass sich bislang kein Caterer beim Landkreis bezüglich einer Erhöhung gemeldet habe. Da Dirk Dicke – wie bereits erwähnt – die Mensa im Ulrichsgymnasium betreibt, dürfte die Thematik für den Kreis bald ebenfalls aktuell werden. Ein wenig Hoffnung, dass der Kreis die gestiegenen Essenskosten in „seinen“ Schulmensen zumindest abfedert, gibt es für alle Betroffenen. „In der Vergangenheit haben wir die Mehrkosten schon übernommen, um das Essen nicht zu teuer werden zu lassen. Wie das nun in Zukunft aussieht, kann ich aber nicht sagen“, so Müller-Gummels.

Kommentar
Ein Kassenzettel mit dem reduzierten (7 Prozent) und dem regulären Mehrwertsteuersatz (19 Prozent) liegt auf einem Tisch.

ERMÄSSIGTE MEHRWERTSTEUER IN DER GASTRONOMIE Das Klein-Klein-Denken deutscher Politik muss aufhören

Marc Wenzel
Marc Wenzel
Marc Wenzel Ostfriesland-Redaktion/Norden