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NWZonline.de Region

Landkreis Emsland ruft Katastrophenfall aus

22.09.2018

Meppen Im Kampf gegen den Moorbrand auf einem Testgelände der Bundeswehr bei Meppen haben Behörden den Katastrophenfall ausgerufen. Der Landkreis Emsland erwog am Freitag eine Evakuierung der Orte Groß Stavern, Klein Stavern und Sögel mit insgesamt rund 8500 Einwohnern. „Mit den Wetterbedingungen, die jetzt auf uns zukommen, ist es möglich, dass der Brand von den Winden angefacht werden kann“, sagte der Leiter des Krisenstabes im niedersächsischen Innenministerium, Hanko Thies.

Der großflächige Moorbrand war vor mehr als zwei Wochen infolge von Raketentests der Bundeswehr ausgebrochen. Der Rauch zog zeitweise zu Gegenden, die mehr als 100 Kilometer vom Brandort entfernt liegen. Nach Angaben des niedersächsischen Umweltministeriums hatte das Feuer vorübergehend zu höheren Feinstaubwerten etwa in Süd-Oldenburg geführt.

Reinhard Winter, Landrat Landkreis Emsland, spricht bei der Pressekonferenz zum Moorbrand bei Meppen. (Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa)

Der Landkreis sei gut vorbereitet und wolle keine Unruhe erzeugen, sagte Landrat Reinhard Winter. „Da der Schutz der Bevölkerung für uns an erster Stelle steht, möchten wir aber die Staverner frühzeitig darauf aufmerksam machen, dass eine Evakuierung nicht mehr undenkbar ist“, sagte Winter am Freitag.

Sollte es zur Evakuierung kommen, würden zeitnah Sammelplätze und Unterbringungsmöglichkeiten kommuniziert. Auch das eigenständige Verlassen der Gemeinden sei natürlich möglich. Ein Bürgertelefon des Landkreises für Betroffene ist eingerichtet unter den Telefonnummern 05931 44-5701, 44-5702 und 44-1431. Bürger in Stavern sollten vorsorglich die wichtigsten Dokumente wie Ausweispapiere sowie benötigte Medikamente zusammenpacken.

Am Freitagvormittag verzeichnete der Deutsche Wetterdienst (DWD) im Raum Meppen Sturmböen von bis zu 85 Kilometern pro Stunde. Zum Wochenende solle der Wind abnehmen, sagte DWD-Meteorologe Markus Eifried. Regenschauer könnten etwas Entspannung bringen. Am Freitagvormittag fiel zunächst nur leichter Nieselregen.

Statement von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU)

„Die Wehrtechnische Dienststelle in Meppen leistet unverzichtbare Arbeit für die Bundeswehr. Ihre Forschung ist wichtig, weil sie dem Schutz unserer Soldatinnen und Soldaten dient. Aber es steht außer Frage, dass ein Moorbrand dieses Ausmaßes ein sehr ernster Vorfall ist, der so nicht passieren darf.

Ich entschuldige mich im Namen der Bundeswehr bei allen Menschen der Region die jetzt unter den Auswirkungen des Brandes leiden. Natürlich werden wir auch die völlig berechtigte Frage klären, ob die den Brand auslösenden Munitionstests in dieser Form nötig und verantwortbar waren. Das Ergebnis werden wir selbstverständlich veröffentlichen. Doch jetzt geht es erst einmal darum, Schulter an Schulter mit dem Land Niedersachsen und der kommunalen Ebene alle Kräfte auf die Bekämpfung des Brandes zu richten.

Ich komme aber auch nach Meppen, weil dich den vielen Helfern von Feuerwehren und THW danken möchte die schon so lange mit hohem persönlichen Einsatz gegen den Brand kämpfen. Sie sollen jede Unterstützung der Bundeswehr bekommen, die sie benötigen. Das Vorauskommando der Spezialpioniere ist seit Donnerstagabend vor Ort und wird so lange bleiben, bis der Moorbrand gelöscht ist. Ich will im Emsland aber auch mit den Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung sprechen, insbesondere den Bürgermeistern der betroffenen Ortschaften und Gemeinden. Von ihnen möchte ich hören, was aus ihrer Sicht anfangs schlecht gelaufen ist, wo die Bundeswehr jetzt noch mehr unterstützen kann und was sie in Zukunft von der WTD erwarten. Wir werden hart daran arbeiten, die über Jahrzehnte gewachsene Partnerschaft zwischen der Bundeswehr und den Menschen im Emsland wieder mit neuem Vertrauen zu füllen.“

Die Auswirkungen der Wetterlage auf das Feuer bleiben für die rund 1000 Einsatzkräfte vor Ort allerdings schwer zu berechnen. Deshalb will die Feuerwehr im Emsland mit 500 weiteren Feuerwehrmännern verhindern, dass der Brand sich über das Bundeswehrgelände hinaus ausbreitet. Die Kräfte würden in der Nähe postiert, um sofort reagieren zu können, sollte der Brand auf zivile Flächen übergreifen, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Innenministeriums am Freitag in Hannover.

Ein Bundeswehr-Regiment der Spezialpioniere aus Husum soll unter anderem die Wasserversorgung für den Löscheinsatz sicherstellen und andere logistische Aufgaben übernehmen. „Das Feuer ist unter Kontrolle, aber der Druck auf die Einsatzkräfte ist nach wie vor hoch“, sagte eine Bundeswehr-Sprecherin.

Was ist ein Katastrophenfall?

Treten Unwetter, Überschwemmungen oder andere Naturgewalten auf, ist das nicht automatisch ein Katastrophenfall. Von einer Katastrophe sprechen Behörden erst, wenn die Bedrohung von vielen Menschen, umfangreichen Sachwerten oder natürlichen Lebensgrundlagen so gravierend ist, dass die betroffene Kommune allein überfordert ist.

Das bedeutet, dass die Lage nur beherrscht werden kann, indem überregional Einsatzkräfte alarmiert werden und ein Krisenstab eingerichtet wird. Ist das der Fall, wird der Katastrophenfall ausgerufen. Der Katastrophenfall ist dabei gleichlautend mit Katastrophenalarm.

Verteidigungsministerin am Samstag vor Ort

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will sich selbst ein Bild von dem Moorbrand machen. Sie komme am Samstag nach Meppen, sagte ein Sprecher ihres Ministeriums am Freitag in Berlin. Zuvor hatte die „Neue Osnabrücker Zeitung“ über den geplanten Besuch von der Leyens berichtet. Wann genau die Ministerin eintreffen werde, sei noch nicht klar, sagte der Sprecher.

Lesen Sie mehr zum Moorbrand in Meppen unter www.NWZonline.de/moorbrand-meppen

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