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NWZonline.de Region

Höhere Feinstaubbelastung – Lungenärzte schlagen Alarm

21.09.2018

Meppen /osnabrück Die deutschen Lungenärzte haben vor Gesundheitsgefahren durch den Großbrand auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition 91 in Meppen gewarnt. In einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ widersprach der Sprecher des Bundesverbandes der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner, Dr. Michael Barczok, der Einschätzung der Bundeswehr, von dem Brand gehe keine Gefahr aus. „Die Rauchwolke führt zu einer massiven Feinstaubelastung und ist eine Gefahr für die Gesundheit“, sagte der Lungenarzt.

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Je nachdem, wie der Wind gerade stehe, sei es für Anwohner so, als ob sie sich in einen komplett verräucherten Raum setzen, sagte Barczok. „Es ist, als ob sie fünf Zigaretten gleichzeitig rauchen - nur ohne Nikotin“. Schleimhäute würden auf die Feinstaubbelastung reagieren, ein Kratzen im Hals oder ein Hüsteln sind die Folge. Dass junge, gesunde Menschen dadurch einen dauerhaften Schaden erleiden, glaubt der Lungenspezialist nicht.

Belastung für Erkrankte „ein Problem“

Jedoch sei die Rauchbelastung für Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD ein „echtes Problem“. Jeweils zehn Prozent der deutschen Bevölkerung leidet laut Barczok unter diesen Erkrankungen. Betroffenen rät der Mediziner in Absprache mit dem Hausarzt die Dosierung der Medikamente zu erhöhen, oder während des Brandes zu Bekannten in einen Nachbarort zu ziehen. Obwohl der Landkreis Emsland derzeit eine Gesundheitsgefährdung durch den Rauch ausschließt, weist die Behörde „mit Blick auf das nach wie vor vorhandene Rauchaufkommen“ darauf hin, „dass betroffene Anwohner Fenster und Türen geschlossen halten sowie Klimaanlagen ausschalten sollen“.

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Dazu rät auch Barczok. Seiner Aussage nach sollten Kinder während des anhaltenden Moorbrandes sich im Inneren aufhalten und nicht draußen spielen: „Die Lunge von Kindern ist kleiner, sie atmen häufiger, somit gelangt der Feinstaub schneller in ihren Körper.“

Aussagen der Bundeswehr eine „Schutzbehauptung“?

Den Qualm als ungefährlich zu bewerten, das sieht auch Philip Böhmer, Chefarzt der Fachabteilung Innere Medizin/Pneumologie im Ludmillenstift in Meppen, kritisch und bezeichnet dies als „Schutzbehauptung“. Durch den Moorbrand sei eine Vielzahl an organischen, also kohlenstoffhaltigen, Stoffen freigesetzt worden. Bei Menschen mit Lungenerkrankungen könnten diese zu Anfällen führen. Zwar könnte es nicht zu einer lebensbedrohlichen Kohlenmonoxid-, dafür aber zu einer Kohlendioxid-Vergiftung kommen, die sich beispielsweise durch Kopfschmerzen bemerkbar macht.

In einer Pressemitteilung am Donnerstagmorgen hatte der emsländische Landrat Reinhard Winter mitgeteilt, „dass unser Fachbereich Gesundheit aktuell keine Gesundheitsgefährdung durch den Qualm erkennt“. Der Landkreis bezog sich dabei auf die Werte der Luftmessung einer Erkundergruppe des ABC-Zuges Leer, den die Bundeswehr beauftragt hatte. Zuvor hatte auch die Bundeswehr behauptet, dass der Rauch keine Gesundheitsgefahr darstelle.

Höhere Feinstaubwerte im Nordwesten gemessen

Der seit zweieinhalb Wochen schwelende Moorbrand auf einem Bundeswehrgelände bei Meppen hat in der Region zu vorübergehend höheren Feinstaubwerten geführt. Wie das Umweltministerium am Donnerstag mitteilte, sind an den Messstationen Südoldenburg und Oldenburg an den beiden Vortagen etwas höhere Feinstaubwerte gemessen worden. Grenzwerte seien aber nicht überschritten worden. Am Donnerstag waren die Feinstaubwerte an den Messstationen wieder unauffällig.

Der Brand auf dem Übungsgelände war ausgebrochen, als von einem Bundeswehr-Hubschrauber Raketen abgefeuert wurden. Bis alle Glutnester erstickt sind, kann es nach Experteneinschätzung noch ein bis zwei Wochen dauern.

Wie das Umweltministerium mitteilte, spielen Moore als CO2-Speicher eine wichtige Rolle für den Klimaschutz. Bei dem Brand im Emsland könnten enorme Mengen an Kohlendioxid freigesetzt werden. Bei einer Brandtiefe von angenommenen 50 Zentimetern könnten es 750 bis 1000 Tonnen CO2 pro Hektar sein.

Der Brand hat sich inzwischen auf eine Fläche von mehr als 1000 Fußballfeldern ausgedehnt. Einer Bundeswehrsprecherin zufolge ist die Lage inzwischen unter Kontrolle. Am Donnerstagvormittag waren mehr als 1000 Einsatzkräfte vor Ort, um den Brand zu löschen. Feuerwehrleute der Bundeswehr, zivile Feuerwehren, das Technische Hilfswerk, Spezialpioniere und Heeresaufklärer arbeiteten gemeinsam gegen die Flammen.

Lesen Sie mehr zum Moorbrand in Meppen unter www.NWZonline.de/moorbrand-meppen

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