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Betriebsratschef der Meyer Werft Ein junger Kämpfer der Arbeiterklasse

Friedemann Kohler

Papenburg - Für Nico Bloem ist klar, auf wessen Seite er steht. „Ich habe mich entschieden, dass ich immer ein Vertreter von sozialer Gerechtigkeit sein werde“, sagt der Betriebsratschef des größten deutschen Schiffbaubetriebs, der Meyer Werft in Papenburg. IG-Metaller ist er, SPD-Mitglied, und auch da entschieden links: „Ich sehe die SPD nach wie vor als Arbeiterpartei.“ Der klassenkämpferische 26-Jährige steht im Zentrum des Arbeitskampfes bei dem kriselnden Kreuzfahrtschiffbauer. Als Betriebsrat versucht er, den Verlust Hunderter Stellen abzuwenden.

Kein Konzept vereinbart

Anderthalb Jahre nach Ausbruch der Corona-Pandemie hat die Werft kein vereinbartes Konzept, wie die Jahre bis 2025 überstanden werden sollen. Seit Monaten liegen beide Seiten über Kreuz. Mit einer Online-Befragung versuchte die Leitung zuletzt, ohne Betriebsrat die Zustimmung der Mitarbeiter zum Abbau von 660 Jobs zu gewinnen. Bloem konterte mit einer Betriebsversammlung vor den Werfttoren, zu der am Montag über 1000 Beschäftigte kamen. Zwei Onkel von Bloem arbeiten ebenfalls bei Meyer. Sein Onkel Paul Bloem war früher ebenfalls Betriebsratschef. Nun gehört er zur Geschäftsführung, zuständig für Beziehungen der Werft in die Politik.

Seit 2018 an Spitze

Der Neffe trat am ersten Tag als Azubi der IG Metall bei und wurde nach einem Jahr Jugendvertreter im Betriebsrat. 2018 wählte ihn die Belegschaft an die Spitze ihrer Vertretung. Es sei Bloem gelungen, mögliche Bedenken wegen seines Onkels auszuräumen, sagt Thomas Gelder, einer seiner Unterstützer und Bevollmächtigter der IG Metall für Leer/Papenburg. „Man muss wirklich Respekt haben vor dem Mut, den Nico hat“, sagt er. „Wenn er von etwas überzeugt ist, dann kämpft er beharrlich.“ Bei der Geschäftsführung kommt das als unverantwortliche Sturheit des Duos Bloem/Gelder an. „Der Betriebsrat und die IG Metall in Leer erkennen den Ernst der Lage nicht“, sagt Tim Meyer.

Am Schiffbau arbeiten auch Werkvertragsfirmen mit Tausenden Leiharbeitern aus Osteuropa mit. Das Unternehmen setzt auf diese Mischkalkulation, um den Preis ihrer Schiffe wettbewerbsfähig zu halten. Der Betriebsrat will, dass die eigenen Meyer-Leute die Schiffe bauen. Der bittere Streit über die Werkverträge bei Meyer ist älter als die Krise und seit Jahren ungelöst.


Derzeit plant Personalchefin Anna Blumenberg für die noch 3900 Mitarbeiter zählende Belegschaft so: Von 660 Stellen sollen viele über Vorruhestand oder Freiwilligkeit abgebaut werden, um Kündigungen gering zu halten. Jeder verbliebene Mitarbeiter soll aber 200 Stunden im Jahr unbezahlt arbeiten.

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