Über Multiple Sklerose (MS) existieren noch viele Vorurteile. Das gängige Klischee, dass die Erkrankung zwangsläufig zu einem Leben im Rollstuhl führt, ist ebenso falsch wie Vermutungen, dass MS erblich, tödlich oder ansteckend sei. Dr. med. Kaweh Pars, Oberarzt in der Universitätsklinik für Neurologie des Evangelischen Krankenhauses Oldenburg, erklärt im Interview das Krankheitsbild Multiple Sklerose.
Dr. med. Kaweh Pars ist Oberarzt in der Universitätsklinik für Neurologie des Evangelischen Krankenhauses Oldenburg.
Sein medizinischer Schwerpunkt ist die Multiple Sklerose (MS).
Marion Kirschner lebt seit 2009 mit der Diagnose Multiple Sklerose. Was ist das für eine Krankheit?
Dr. Kaweh ParsDie Multiple Sklerose ist eine chronische Autoimmunerkrankung des Zentralen Nervensystems (ZNS). Das heißt, dass das Immunsystem fälschlicherweise Strukturen des Gehirns, des Rückenmarks und die Sehnerven angreift. Dadurch kommt es zu akuten und chronischen Entzündungen und langfristig zur Schädigung der Nerven und deren Funktionen.
Was sind Anzeichen für eine MS?
Dr. Kaweh ParsJe nachdem welche Regionen des ZNS von den Entzündungen betroffen sind, können sehr unterschiedliche Symptome auftreten. Sehstörungen, Sensibilitätsstörungen wie Taubheitsgefühle, Schwäche der Muskulatur, Koordinationsstörungen der Arme oder Beine und Inkontinenz können genau so auftreten, wie Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen sowie Wortfindungsstörungen.
In Deutschland sind rund 280 000 Menschen an MS erkrankt, weltweit etwa zwei Millionen. Wie zeigt sich ein typischer Verlauf dieser Krankheit?
Dr. Kaweh ParsEs gibt unterschiedliche Verlaufsformen der MS. Die meisten Betroffenen erleben am Anfang der Erkrankung Ausfallerscheinungen, die schubförmig auftreten und sich meist wieder bessern. Im Laufe des Lebens kann die MS allerdings die Verlaufsform wechseln, hin zu langsam-kontinuierlichen Verschlechterungen und so zum Beispiel eine zunehmende Gangstörung verursachen. Wenige Menschen haben nie Schübe, sondern von Anfang an den chronischen Verlauf.
Marion Kirschner nutzt Sport als ein Mittel, um gegen die MS anzukämpfen. Ist Multiple Sklerose heilbar?
Dr. Kaweh ParsEs ist bewiesen, dass regelmäßiger Sport, bei dem das Herz-Kreislaufsystem trainiert wird, den Verlauf der MS signifikant verbessert. Dazu zählt auch das regelmäßige Laufen. MS ist dadurch aber nicht heilbar
