Oldenburg/Westerstede/Hannover - Ein frühzeitiger Hörtest kann wichtige Weichen fürs Leben stellen: Wird eine Schwerhörigkeit bei einem Kind zu spät erkannt, folgen meist Probleme bei der Sprachentwicklung. Dabei kann eine Schwerhörigkeit schon kurz nach der Geburt festgestellt werden – nur werden in Niedersachsen 86 Prozent der Babys gar nicht erst getestet. Das wird sich ändern: Die Landesregierung hat mit ihrer Haushaltsplanung den Weg für das flächendeckende Neugeborenenhörscreening in Niedersachsen geebnet, dessen Tracking-Zentralen in Oldenburg und Hannover sitzen werden.
700 000 Euro eingestellt
„Aufgrund unserer intensiven Aktivitäten und der Unterstützung zahlreicher Institutionen und Menschen haben wir es geschafft, dass die Finanzierung der Tracking-Zentralen für das Neugeborenenhörscreening berücksichtigt wurde“, freut sich Dr. Rüdiger Schönfeld, medizinischer Leiter des Oldenburger Hörzentrums, in dem die Tracking-Zentrale angesiedelt ist, die nun erweitert werden soll. Zur Etablierung der Einrichtungen in Oldenburg und Hannover wurde ein Pauschalbetrag von 700 000 Euro ab dem Haushaltsjahr 2025 eingestellt.
70 000 Geburten pro Jahr
Gegenwärtig wird im Neugeborenenhörscreening Nordwest (NHS Nordwest) in Oldenburg das Tracking von etwa 10 000 Neugeborenen pro Jahr durchgeführt. „Unser Ziel ist es, alle circa 70 000 Geburten pro Jahr in Niedersachsen zu erfassen und zu begleiten. Hierzu müssen eine bestehende Software erweitert, weitere Fachkräfte eingestellt und viele organisatorische Dinge gemeistert werden“, so Schönfeld. Er sagte zudem: „In den nächsten Wochen werden wir die Maßnahmen und Schritte mit dem Deutschen Hörzentrum Hannover (MHH) absprechen und einen Umsetzungsplan erstellen. Danach werden wir mit den Geburtskliniken Kontakt aufnehmen, um deren Anbindung Schritt für Schritt organisieren zu können.“
Was sich bei den bereits angeschlossenen Häusern an das System (Klinikum Oldenburg, Evangelisches Krankenhaus Oldenburg, Ammerland-Klinik Westerstede, Städtisches Klinikum Braunschweig, Helios-Klinikum Hildesheim und Klinikum Wolfsburg) zeigt: Dort liegt die Quote der Kinder, die untersucht werden, bei nahezu 100 Prozent. Gibt es Auffälligkeiten beim Kind, werden die Familien über die Tracking-Zentrale bis zum Abschluss der Behandlung betreut.
Schönfeld dankt Politikern sowie vielen Chefärzten und Chefärztinnen, dem niedersächsischen Hebammenverband sowie den Sonderpädagogen für Hörgeschädigte, die sich für die feste Installation des Neugeborenenhörscreenings eingesetzt haben.
