Oldenburg - Mehr als 20 Millionen Menschen sprechen Niederländisch, die Sprache zählt damit zu den mittelgroßen Europas. Und gerade der Nordwesten ist nur einen Sprung weit entfernt von der niederländischen Grenze. Handelsbeziehungen sind an der Tagesordnung – und täglich pendeln unzählige Deutsche über die Grenze, jedoch gibt es häufig Sprachbarrieren – zumindest auf deutscher Seite.
Wachsendes Interesse
Doch das Interesse daran, die Sprache unserer Nachbarn zu erlernen, wird größer – nicht nur in Deutschland, sondern auch international, weiß Prof. Dr. Ralf Grüttemeier. Er ist seit 1997 Professor für Niederländische Literaturwissenschaft an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg in der Fakultät III Sprach- und Kulturwissenschaften. Grüttemeier ist außerdem Direktor des Instituts für Niederlandistik. „Die Uni Oldenburg ist die einzige in Niedersachsen, die Niederlandistik als wissenschaftlichen Bachelor-Studiengang anbietet – und auch die einzige mit einem Angebot auf Master-Niveau“, erklärt er. Wer nach dem Bachelor noch weiter studieren möchte, der könne sich für Niederländisch als eines von zwei Hauptfächern im Lehramtstudiengang, dem sogenannten Master of Education, für die Schulformen Haupt- und Realschule, Wirtschaftspädagogik oder Gymnasium entscheiden – oder für einen eigenständigen Fach-Master Niederländische Philologie mit Spezialisierungsmöglichkeiten in Sprach- oder Literaturwissenschaft, heißt es auf der Webseite der Uni.
1981 gegründet, gab es bis Ende der 90er Jahre pro Jahr kaum Absolventen. Nach der Umstellung auf Bachelor/Master im Jahr 2004 und der Einführung des Master of Education für Niederländisch im Jahr 2007 hat das Institut bereits mehr als 100 Lehramtsabsolventen Niederländisch ausgebildet. Das Bachelorstudium der Niederlandistik an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg umfasst insbesondere die Bereiche Sprach- und Literaturwissenschaft.
Nach sechs Semestern erhalten Absolventen mit dem Bachelor einen ersten berufsqualifizierenden Abschluss, der die Bewerbung auf dem Arbeitsmarkt ermöglicht. Anschließend kann noch der Master of Arts oder Master of Education erworben werden. Der Bachelor zeichnet sich laut Uni Oldenburg durch eine deutliche Praxisorientierung aus, die Auslandsaufenthalte, Praktika, Wissenschaftsenglisch, Kommunikation/Rhetorik und Bewerbungstraining umfasst und damit konkret auf das Berufsleben vorbereiten soll.
Wer das Studium absolvieren möchte, sollte „ein breites Interesse für Sprachen, Literatur und Kultur mitbringen“, heißt es auf der Webseite der Uni Oldenburg. Fremdsprachen und Geschichte seien auch für das Studium der niederländischen Philologie nützlich, Sprachkenntnisse des Niederländischen sind demnach nicht erforderlich (werden aber angerechnet, wenn vorhanden).
Aus Grüttemeiers Sicht ist in Niedersachsen in den letzten beiden Jahrzehnten schon viel erreicht worden qua Professionalisierung des Schulfachs Niederländisch – aber es gebe noch Luft nach oben. „Die Sprache muss zum Beispiel endlich ins Zentralabitur“, sagt er.
Darüber hinaus gebe es auch zunehmend Bedarf für Niederländisch an Grundschulen. Aber Niederländisch für das Grundschullehramt darf die Universität Oldenburg (noch) nicht anbieten. Beim Kultusministerium habe man bereits einen entsprechenden Antrag gestellt, jedoch sei dieser abgelehnt worden. Man habe die Hoffnung aber nicht aufgegeben, dass sich das nochmal ändert. Denn sowohl für Kinder als auch für Eltern sei das Erlernen der Sprache eine Bereicherung, sagt Grüttemeier.
In grenznahen Regionen, etwa im Emsland oder in Ostfriesland, werde schon früh mit dem Erlernen der Sprache begonnen, dort gebe es bereits bilinguale Grundschulen, sagt Grüttemeier, doch dafür seien auch entsprechend geschulte Lehrkräfte nötig. Und genau da würde der Studiengang an der Uni Oldenburg ansetzen. Zurzeit sind dort rund 130 Studentinnen und Studenten im Niederlandistik-Studiengang eingeschrieben – 35 davon im Master of Education, die restlichen im Bachelor.
Drei Eckpfeiler
Zusätzlich zu Sprach- und Literaturwissenschaft geht es im Lehramtsstudium im Wesentlichen um drei Komponenten: Sprachkompetenz, Fachdidaktik – also die Vermittlung der Sprache und von Fachwissen als Lehrer – sowie Praxis an Schulen. Zum Studium zählt laut Grüttemeier außerdem ein dreimonatiger Auslandsaufenthalt. Unter anderem gebe es Kooperationen mit den Universitäten und Hochschulen in Groningen, Leiden, Amsterdam und Gent.
Und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt seien sehr gut, sagt Grüttemeier. „Ich kenne keinen mit einer Lehrbefugnis für Niederländisch, der keinen Job erhalten hat.“
