Oldenburg - Serienmörder Niels Högel hat das umstrittene Telefoninterview mit einer TV-Produktionsfirma über den Kopf der Leitung der Justizvollzugsanstalt hinweg geführt. „Wiederholte TV-Interviewanfragen der Produktionsfirma“ habe die Anstaltsleitung „im April und Mai dieses Jahres nachdrücklich abgelehnt“, teilte die stellvertretende Leiterin der JVA Oldenburg, Anna Abraham, unserer Redaktion mit.
Högel und die Produktionsfirma hätten daraufhin „offensichtlich die Telefonmöglichkeit des Gefangenen genutzt, um gleichwohl ein Audio-Interview zu realisieren“, erklärte Anna Abraham weiter.
Gefangenen-Interviews müssen genehmigt werden
TV-Interviews von Gefangenen und Filmaufnahmen in einer Justizvollzugsanstalt bedürften sowohl der Genehmigung der Justizvollzugsanstalt als auch in einem zweiten Schritt der Genehmigung des Niedersächsischen Justizministeriums. „Durch das Zustandekommen des Interviews mit der Produktionsfirma filmpool Entertainment GmbH sehen auch wir uns bewusst getäuscht und hintergangen“, teilte die stellvertretenden JVA-Chefin mit.
„Geltungstrieb wird verstärkt“
Nachdem Donnerstag vergangener Woche „erste Hinweise für diesen Missbrauch“ vorlegen hätten, seien „die Telefonmöglichkeiten des Gefangenen unverzüglich eingeschränkt“ worden. Die JVA bedauere die für Opfer und Hinterbliebene als unerträglich empfundene Veröffentlichung, sagte Anna Abraham. Die mediale Aufmerksamkeit verstärke „den Geltungstrieb und die Selbstinszenierung des Gefangenen“ und sei „mit der Behandlung von Herrn Högel nicht vereinbar“.
Am Montag hatte der Streamingdienst TV-Now des Senders RTL eine Doku über den Komplex Högel veröffentlicht. Neben vielen weiteren Beteiligten an dem Fall kommt darin der verurteilte Mörder selbst zu Wort. Zahlreiche Opfer-Vertreter hatten empört auf dieses Interview reagiert.
