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NWZonline.de Region

Tschüss, Schokolade!

01.03.2017

Ganderkesee Fasten wird landläufig immer noch häufig mit dem Verzicht auf Fleisch, Alkohol oder Süßes verbunden. Dies ist vor allem auf die christliche Tradition zurückzuführen. Aber Fasten bedeutet im modernen, christlich-religiösen Sinn viel mehr. Die NWZ hat bei Pfarrer Norbert Lach von der katholischen Gemeinde und bei Pastorin Uta Brahms von der evangelischen Gemeinde nach dem heutigen Sinn des Fastens gefragt. Eine Sicht, die sich gar nicht so sehr von der „weltlichen“ unterscheidet, vertreten durch die Ökotrophologin Claudia Kay.

Nur auf Fleisch oder Alkohol verzichten? Im modernen Katholizismus geht es vielmehr um das Aufmerksam-Machen, auf ein Schauen nach Innen, ins Herz, so Pfarrer Norbert Lach.
Norbert Lach     Bild: Archiv
Frage: Herr Lach, welche Rolle spielt die Fastenzeit heute im christlichen Glauben?
Lach: Mit dem Aschermittwoch beginnt in der christlichen Tradition, also auch in der katholischen Kirche, die österliche Bußzeit. In dieser Zeit geht es weniger um den Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel, sondern um den geistigen Sinn. Ich möchte da den Heiligen Augustinus zitieren: „Glaube nicht, dass Fasten genügt. Das Fasten strengt an, aber es stärkt nicht deine Brüder.“ Es geht also vielmehr darum, dass wir unseren Mitmenschen auch mit Taten beistehen, ihnen helfen. Das ist der eigentliche, biblische und geistige Sinn der Fastenzeit.
Frage: Hat sich die Bedeutung bei den Gläubigen in den letzten Jahren verändert?
Lach: Es geht eben nicht darum, auf Schokolade, Wein oder ähnliches zu verzichten. Das kann man natürlich machen. Aber es geht eben um den inneren Sinn, die innere Einstellung.
Frage: Also geht es gar nicht so sehr darum, was man essen darf und was nicht?
Lach: Genau. Es kommt nicht auf das Fasten an. Wenn man will, kann man natürlich auf etwas verzichten. Aber dafür gibt es keine kirchlichen Vorschriften oder Gesetze. Auch hier wieder Augustinus: „Glaube nicht, dass Fasten genügt.“ Es geht nicht um den Verzicht auf irgendetwas Bestimmtes.
Frage: Was unternehmen Sie, um gerade jüngere Menschen in der Fastenzeit zu erreichen?
Lach: Wir laden beispielsweise die Kommunionskinder zu einer Fastenaktion ein. Und da machen wir was zur diesjährigen Aktion von Misereor, einem katholischen Hilfswerk. Da geht es um Kinder in Burkina Faso. Das haben wir eigentlich jedes Jahr so mit ganz verschiedenen Aktionen gemacht. Wir wollen damit den Kindern zeigen, wie es Menschen in anderen Ländern geht. Ganz im Sinne der vorösterlichen Zeit: aufmerksam machen! Auch die Hungertücher, die wir in den Kirchen aufhängen, sollen bewusst aufmerksam machen.
Frage: Wie sieht die Fastenzeit bei Ihnen persönlich aus?
Lach: Ich verzichte auf Alkohol und auf Süßes und versuche auch mal, weniger ins Kino zu gehen. Das ist ein ganz persönlicher Verzicht für mich und mein Leben. Das schreibt mir niemand vor.
Auch in der evangelischen Kirche gibt es Fasten als bewusste Form des Verzichts und der inneren Einkehr. Pastorin Uta Brahms hat ihre Vorsätze für die Zeit bis Ostern verraten.
Uta Brahms     Bild: Archiv
Frage: Frau Brahms, welche Rolle spielt die Fastenzeit bei den Protestanten?
Brahms: Martin Luther wehrte sich dagegen, dass die Gläubigen durch gute Werke – zu denen auch das Fasten gehörte – vor der Hölle bewahrt wurden. Für ihn war es eher eine Disziplinübung.
Heute verstehen die Protestanten die Fasten- oder Passionszeit als Zeit der Besinnung und Einkehr und erinnern damit an die vierzig Tage und Nächte, die Jesus nach seiner Taufe fastend in der Wüste verbrachte.
Frage: Es gibt aber die Aktion „7 Wochen Ohne“ – was verbirgt sich dahinter?
Brahms: So heißt die Fastenaktion der evangelischen Kirche. Seit über 30 Jahren beteiligen sich Millionen Menschen daran. Sie verzichten nicht nur auf Süßes oder Alkohol, sondern folgen der „Einladung zum Fasten im Kopf“. Dabei soll die alltägliche Routine durchbrochen werden, um darüber nachzudenken, worauf es im Leben wirklich ankommt. Jedes Jahr steht die Aktion unter einem Motto, das auch begleitet wird.
Frage: Was darf man in der Fastenzeit essen, was nicht?
Brahms: Alles, was einem gut tut.
Frage: Wenn man alles essen darf, worum geht es dann?
Brahms: Um die alltägliche Routine zu durchbrechen, verzichten viele Menschen gerade nicht auf etwas Essbares, sondern ändern ihre Gewohnheiten: gehen häufiger zu Fuß, verzichten aufs Fernsehen, schreiben wieder Briefe von Hand. Es geht ja darum, es anders als sonst zu machen, bewusster zu leben in dieser Zeit.
Frage: Unternehmen Sie etwas, um Jugendliche zu erreichen?
Brahms: Hier in Ganderkesee ist in diesem Jahr keine Aktion für Jugendliche geplant.
Frage: Was haben Sie sich persönlich vorgenommen?
Brahms: Ich werde das Auto häufiger stehen lassen und stattdessen Rad fahren. Und täglich länger mit unserem Hund spazieren gehen.
Auch losgelöst vom eigenen Glauben hat sich das Fasten aus Ernährungssicht bis heute gehalten. Die NWZ hat Ökotrophologin Claudia Kay vom RUZ Hollen nach ihrer Einschätzung gefragt.
Claudia Kay     Bild: privat
Frage: Losgelöst vom Glauben: Ist die Idee des Fastens heute noch aktuell, Frau Kay?
Kay: Ich denke schon, dass die Idee noch aktuell ist. Viele versuchen ab und zu, sich mehr auf sich selbst zu konzentrieren und bewusst zu verzichten. Heutzutage ist alles immer und überall verfügbar. Wenn wir auf einige Dinge verzichten, lernen wir sie wieder mehr wertzuschätzen.
Regional und saisonal zu kochen – gerade zur jetzigen Jahreszeit – kann zum Beispiel als einschränkend empfunden werden durch den Verzicht auf die komplette Verfügbarkeit. Andererseits erlebt man die Bereicherung des Angebots im Sommer dann wieder bewusster.
Frage: Was sollte man denn Ihrer Meinung nach in der Fastenzeit essen, was nicht?
Kay: Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Manche verzichten auf Fleisch, andere auf Genussmittel. Kinder verzichten manchmal auf Süßigkeiten. Hier kommt es auf die eigene Idee dabei an: Möchte ich eine Diät einleiten, sind es religiöse Gründe oder versuche ich es einfach mal „ohne“?
Frage: Sie arbeiten viel mit Schulen zusammen. Spielt der bewusste Verzicht aus Ihrer Erfahrung hier eine Rolle?
Kay: Soweit ich weiß, spielt der bewusste Verzicht eher eine untergeordnete Rolle. In manchen Schulen gibt es sowieso die Regel, dass beispielsweise keine Süßigkeiten mitgebracht werden dürfen.
Bei uns im RUZ geht es eher um die bewusste Auswahl. In unseren Kursen werben wir für mehr Wertschätzung unserer Lebensmittel. Nicht der Verzicht beispielsweise auf Fleisch steht im Fokus, sondern der Genuss leckerer vegetarischer Gerichte, der sich gleichzeitig positiv auf Klima und Umwelt auswirkt.
Frage: Geht es auch darum, auf andere Dinge zu verzichten?
Kay: Die Fastenzeit als Zeit, sich zu besinnen, kann auch auf andere Dinge ausgeweitet werden: reduzierte Medien- und Smartphonenutzung, das Auto häufiger stehen lassen und andere Annehmlichkeiten. Wenn man sich jedoch zu viel vornimmt, kann das auch ganz schön frustrierend werden – ähnlich der Neujahrsvorsätze, die selten durchgehalten werden. Kleine Schritte bewirken auch schon ein Umdenken.
Frage: Legen Sie persönlich auch mal eine Fastenzeit ein?
Kay: Ich habe mir für diese Fastenzeit auch etwas vorgenommen. Ich möchte meine Bemühungen, weniger Lebensmittel wegzuwerfen, intensivieren. Durch das Projekt „Wirf mich nicht weg“ habe ich hier sowieso einen Fokus darauf, dennoch passiert es manchmal und ich ärger’ mich. Jedes Jahr wähle ich einen Schwerpunkt, dessen Verzicht mich auf Überfluss aufmerksam macht.
Claus Arne Hock
Volontär, Agentur Schelling
Redaktion Ganderkesee
Tel:
04222 8077 2743
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