Wilhelmshaven/Brisbane - Ein 20-Sekunden-Clip auf der Internetplattform „TikTok“ lässt seine Zuschauer gerade erstaunt zurück. Millionenfach wurde das Video, in dem ein Fischer einen zwei Meter langen Wurm aus dem Sand zieht, geteilt und kommentiert. Es ist nur ein kurzer Clip – gedreht an einem Sandstrand in Australien – der im Internet jedoch gerade die Runde macht. Wir haben bei einem Experten nachgefragt, ob dieser Wurm auch bei uns im niedersächsischen Wattenmeer beheimatet ist.
Fassungslose Zuschauer
Das Video zeigt, wie ein Mann mit einem Fisch in der Hand einen Wurm an die Oberfläche lockt. Dann packt er den Wurm am Kopf und zieht ihn mit einer Zange heraus. Das dünne Tier zappelt vor der Kamera und ist extrem lang. Bei manchen sitzt der Schreck tief: „Nie wieder am Strand“, heißt es in einem Kommentar unter dem Video. Einige Zuschauer sind sogar beunruhigt: „Lebt das Tier auch im niedersächsischen Wattenmeer?“
Allesfressender Sandwurm
Biologe Lennart Barke vom Besucherzentrum Wattenmeer in Wilhelmshaven gibt Entwarnung: „Den Wurm, der in dem Video zu sehen ist, gibt es nicht im Wattenmeer oder an der norddeutschen Küste.“ Das Geschöpf aus dem TikTok-Video ist ein australischer Sandwurm. Bis zu zwei Meter lang können diese Tiere werden. Umgangssprachlich als „Beach Worms“ bezeichnet, leben sie an der gesamten südostaustralischen Küste, eingegraben in der Niedrigwassergrenze, wie auf der Webseite des Bundesstaats New South Wales zu erfahren ist.
Laut des Australian Museum seien die Riesensandwürmer nur selten zu sehen. Die Würmer seien dafür bekannt, dass sie zwar auch Menschen beißen, aber nicht auf eine tödliche Art. Sie leben unter dem Sand und kommen nur zum Fressen von totem Fisch, Seetang oder toten Kraken aus dem Sand. Die Würmer stecken dafür nur kurz ihre Köpfe aus dem Sand, packen das Futter mit ihren Kiefern, fressen es und verschwinden wieder. Sie werden von Fischen und Vögeln gejagt, wenn sie zum Fressen aus dem Sand kommen. Bei Anglern sind die Sandwürmer vor allem als Köder gefragt.
Gefahren im Watt
Dennoch könne auch das Wattenmeer potentiell Gefahren beherbergen, erklärt Experte Lennart Barke. „Neben Quallen oder Petermännchen, die an der Küstennähe zu finden sind, gibt es nämlich den grünen Seeringelwurm, der bis zu 90 Zentimeter lang werden kann und in von Muschelresten geprägten Wattflächen vorkommt“, beschreibt der Biologe. Den müsse man allerdings ausgraben, sagt Lennart Barke. „Dann kann er aber auch zubeißen.“ Dies tue nach Angaben des Experten zwar weh, sei aber komplett harmlos.
