Mühlen/Oldenburg - Wird in dem kleinen Ort Mühlen (Landkreis Vechta) bald nach möglicherweise ermordeten Zwangsarbeitern aus den letzten Kriegstagen gesucht? Die Staatsanwaltschaft Oldenburg prüft nach einem Bericht dieser Zeitung, ob sie ein Ermittlungsverfahren einleiten wird. In Mühlen sollen nach Angaben von Zeugen am 7. Mai 1945 mehrere russische oder polnische Zwangsarbeiter von Einwohnern erschossen und in einem nahen Wald verscharrt worden sein.

„Ermitteln kann man bei einem Anfangsverdacht nur wegen Mordes“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Carolin Castagna, dieser Zeitung. Alles andere wäre verjährt. Sollte ein Verfahren eingeleitet werden, würden die ermittlungstechnischen Möglichkeiten geprüft, erklärte Castagna.

Dazu würde dann neben der Befragung von Zeugen wohl auch die Suche nach den Leichen im Ehrendorfer Wald gehören. Dort sollen die getöteten Zwangsarbeiter mit einem Ackerwagen hingebracht worden sein.

Die Zeitzeugen Hermann T. und Alois E. hatten sich 69 Jahren nach der vermeintlichen Tat zu Wort gemeldet und die Vorfälle am vorletzten Kriegstag aus ihrer Sicht geschildert. Danach hat Alois E. die wilde Schießerei auf einem Acker direkt mitbekommen. Hermann T. hat nach eigenen Angaben 50 bis 100 Schüsse gehört und später die Blutflecken gesehen. Der Mord an den Zwangsarbeitern soll am folgenden Tag Thema im ganzen Ort gewesen sein.

In den Akten finden sich keine direkten Hinweise auf die Tat, wohl aber auf „Selbstjustiz“ und „Auseinandersetzungen mit russischen Gefangenen“, bei denen es Tote geben haben soll.


Fest steht, dass am 7. Mai der Landwirt und Hauptmann der Wehrmacht, Franz Meyer, bei einem Überfall ermordet wurde – offenbar von Zwangsarbeitern. Meyer soll nach Angaben der Zeugen zuvor an der Jagd auf Zwangsarbeiter beteiligt gewesen sein. Angeblich sollen damals mehrere Mühlener von britischen Soldaten festgenommen, später aber wieder freigelassen worden sein. In Mühlen schweigt man heute lieber.