OESTRINGEN - Für die Turngemeinschaft aus den Wettkampfvereinen des Turnbezirks Weser-Ems hat das vergangene Wochenende einen besonderen Höhepunkt geboten. In Kooperation luden der Turnkreis Friesland und der TuS Oestringen im Rahmen der Jubiläumsfeiern zum 100-jährigen Bestehen des Vereins zu einem 'Friesischen Turnforum' ein.

Ein ganz besonderer Gast war dabei die niedersächsische Kunstturnerin und Olympiateilnehmerin Anja Brinker. Lehrgangsleiter und Kreisfachwart Gerätturnen Reinhard Milter sowie Fachwartin Leistungsturnen im TuS Oestringen Marion Riedel-Brummack zeigten sich hoch erfreut, diesen Stargast als Referentin präsentieren zu können. 'Mehr geht nicht', sagte Milter, 'denn Anja Brinker verfügt nicht nur über einen turnerischen kaum zu überbietenden Hintergrund, sondern besitzt ebenso die Lehrkompetenz als ausgebildete Trainerin und Kampfrichterin.'

Die erst 22-Jährige kann bereits auf eine beeindruckende Karriere als Kunstturnerin zurückblicken. Sie erreichte zahlreiche Titel als deutsche Jugend-, Deutsche- und Europameisterin. An ihrem Paradegerät, dem Stufenbarren, überzeugte sie immer wieder mit spektakulären Flugelementen. Ein Höhepunkt in ihrer turnerischen Laufbahn war die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2008 in Peking.


Nach der Aufwärmen ging es am Samstagnachmittag in einem vierstündigen Programm um vorbereitende Übungen zum Erlernen akrobatischer Flugelemente sowie Riesenfelgumschwünge am Stufenbarren. 'Anja weiß, wovon sie redet', stellte Lehrgangsleiter Milter fest, 'denn wenn eigene Erfahrung und didaktische Kompetenz sich zusammen fügen, ist das einfach genial'.

27 Trainerinnen und Trainer sowie 25 Turnerinnen aus den Vereinen des gesamten Bezirks Weser-Ems und dem Bremer Gebiet lauschten ihren Worten. Aber auch der aktive Part kam natürlich nicht zu kurz, denn die jungen Turnerinnen brannten förmlich darauf, das Gesagte in die Tat umzusetzen. Sie forderten ihre Trainerinnen und Trainer auf, so schnell wie möglich an die Geräte zu gehen. 'Das ist gut so, und so muss es sein, um möglichst viel mit nach Hause zu nehmen', betonte Milter.

Höhepunkt der Veranstaltung am Sonnabend war das abendliche 'Rendezvous mit einer Kunstturnerin', zu der auch Zuschauer in der Turnhalle herzlich willkommen waren. Unterlegt mit Bildern und Videos ihrer sportlichen Erfolge berichtete Brinker in einer aktuellen Fragestunde aus ihrem ereignisreichen Leben als Kunstturnerin und Top-Athletin.

Auf die Frage, wie sie es denn mit der Aufregung und dem Lampenfieber vor großen Wettkämpfen halte, offenbarte sie ihr kleines Geheimnis: 'Ein Stückchen Schokolade hilft immer', sagte die Turnathletin. Viele junge Turnerinnen nutzten die Gunst der Stunde, ein Autogramm von Brinker zu ergattern, egal ob auf dem Turnanzug, dem Gymnastikschühchen oder der Handyschutzhülle. Autogrammkarten gab es natürlich auch. Der Abend endete mit einer Demonstration ihres Könnens, indem sie mit einer Bodenkür die Zuschauer in ihren Bann zog.

Der Sonntag verlief ebenso ereignisreich, hatte allerdings die Schwerpunkte 'Boden' und 'Schwebebalken' auf dem Programm. Brinkers Koreferentin, ihre Mutter Astrid, eine ebenfalls erfahrene Trainerin, erläuterte das neue vom Deutschen Turner-Bund (DTB) empfohlene 'Balkenkonzept', in dem es vor allem um veränderte Armhaltung und Blickrichtung der Augen der Turnerinnen geht.

Außerdem standen gymnastische Sprünge, Drehungen, akrobatische Verbindungen und Abgänge auf dem Lehrprogramm. Die nahezu 30 lizenzierten Trainerinnen und Trainer aus den Wettkampfvereinen des Turnbezirks Weser-Ems sowie deren anwesende Turnerinnen wurden anschaulich in das theoretisches und praktische Wissen über die Besonderheiten dieser schwierigen Elemente eingewiesen.

So lautete Reinhard Milters Fazit am Ende der Veranstaltung: 'Das Forum war einmalig und das mich bereits erreichte Feedback durchweg so positiv, dass wir Verantwortlichen wohl nicht umhin kommen werden, uns zu überlegen, ob dies nicht nur der Auftakt einer Serie, einer jährlich wiederkehrenden Veranstaltung war.'