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NWZonline.de Region

Was tun, wenn bei Demenz die Hemmungen fallen?

15.08.2019

Oldenburg /Bad Zwischenahn Immer noch ist es schwer, über Demenz zu sprechen. Wenn vertraute Menschen wie Eltern und Partner im Alter plötzlich selbst in die Rolle der Hilfsbedürftigen fallen, ist dies für Angehörige oft mit Scham und Schuldgefühlen behaftet. „Wir wollen dieses Stigma aufbrechen“, sagt Marlene Dirks, erste Vorsitzende des Vereins Demenzhilfe Oldenburg. Deshalb bietet der Verein zusammen mit der Gerontopsychiatrie der Karl-Jaspers-Klinik die Veranstaltungsreihe „Treffpunkt Demenz“ an.

An vier Nachmittagen ab Dienstag, 27. August, werden im Festsaal der Karl-Jasper-Klinik an der Hermann-Ehlers-Straße 7, die vielen Erscheinungsformen der Krankheit beleuchtet – und auch die heikelsten Themen nicht ausgespart.

Dazu gehört die Art und Weise, wie Sexualität und Intimität sich bei Demenzkranken verändern. „Der Intellekt tritt zurück, das Gefühl in den Vordergrund“, erklärt Friedlinde Köhler von der Demenzhilfe. Das kann bedeuten, dass in Partnerschaften die Sexualität wichtig bleibt – aber nicht mehr auf Augenhöhe gelebt werden kann. „Es ist für viele sehr schwierig, damit umzugehen“, sagt Friedelinde Köhler. Auch Pflegepersonal muss sich darauf einstellen, denn mit dem Intellekt treten die Hemmungen zurück. Ein Klaps auf den Po oder ein Griff an die Brust komme vor, erzählt Imke de Reuter, Sozialbetreuerin an der Gerontopsychiatrie, wo pro Quartal rund 800 Patienten mit unterschiedlichen Krankheitsbildern behandelt werden.

Termine

27. August: „Eine Krankheit, viele Gesichter“

24. September: „Plötzlich Rollentausch“: Wenn Eltern Pflege brauchen

22. Oktober: „Intimität und Sexualität“

19. November: Elfi Hoppe (Lesung), Demenz/Sprache

Termine je ab 16 Uhr in der Karl-Jaspers-Klinik, Festsaal

Ein weiterer Schwerpunkt der Reihe ist der Bedeutung der Sprache gewidmet. Wer die Sprache verliert, verzweifelt leicht oder reagiert aggressiv. „Die Betroffenen können sich nicht mehr anders verständigen und wehren sich“, erklärt Friedlinde Köhler. Am längsten bewahren die Demenz-Kranken die Sprache ihrer Kindheit – im Nordwesten ist das oft noch Plattdeutsch. Die Sprache erschließt den Betroffenen einen Zustand früher Geborgenheit. Pflegepersonal, das Plattdeutsch spricht, ist also klar im Vorteil.

Die Vorträge finden jeweils von 16 bis 17.30 Uhr im Festsaal der Karl-Jaspers-Klinik statt, der für etwa 100 Teilnehmer Platz bietet. Anmeldungen sind nicht erforderlich. Kontakt und weitere Informationen unter:


     www.demenzhilfe-ol.de 
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Timo Ebbers Ltg. / Online-Redaktion
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