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NWZonline.de Region

Das hoffen und erwarten die Angehörigen

20.10.2018

Oldenburg /Delmenhorst Der zweite große Mordprozess gegen den Ex-Krankenpfleger Niels Högel steht bevor. Am 30. Oktober beginnt einer der größten Strafprozesse Deutschlands in den zum Gerichtssaal umgebauten Festsälen der Weser-Ems-Halle. Niels Högel muss sich dann für 99 Patientenmorde verantworten.

Was erhoffen sich Angehörige der Opfer, deren Vertreter und Vertreter der Justiz von diesem Prozess? NWZ-Chefreporter Karsten Krogmann hat mit ihnen gesprochen.

Rechtsanwältin Gaby Lübben (Foto: Jaspersen/dpa)

Gaby Lübben vertritt im Prozess gegen Niels Högel fast 100 Nebenkläger. Die Rechtsanwältin aus Delmenhorst hatte wesentlichen Anteil daran, dass Ermittlungen gegen Högel ins Rollen kamen: „Ich erwarte, dass die Angehörigen mit einem erleichterten Gefühl nach Hause gehen, wenn das Urteil gesprochen ist. In dem Wissen: Ich habe gekämpft, jetzt kann ich endlich Ruhe finden. Ich erhoffe mir auch, dass es irgendwann um Högel ruhiger wird. (Auch: die da oben.) Ich habe auch die Hoffnung, dass der Prozess dazu beiträgt, dass sich endlich etwas in der Gesundheitssparte ändert. Ich befürchte aber, dass das nicht passiert, solange auch dort Gewinnoptimierung im Vordergrund steht. Mit Gesundheit darf man keinen Gewinn machen!“

Kathrin Lohmann (Foto: Jaspersen/dpa)

Kathrin Lohmann aus Berne wollte sich nicht mit dem plötzlichen Tod ihrer Mutter im Klinikum Delmenhorst abfinden. Sie ließ nicht locker und schob die Ermittlungen an, die die Mordserie ans Tageslicht brachte: „Ich erhoffe mir von dem kommenden Prozess gegen Niels Högel, dass die Angehörigen der Opfer Gerechtigkeit und Gewissheit erfahren – sie kämpfen im Namen ihrer Lieben, die auf tragische Weise sterben mussten. Weitere Prozesse gegen ehemalige Mitarbeiter und Verantwortliche in den Kliniken, die Niels Högel den mörderischen Weg geebnet haben, finde ich richtig und wichtig. Es soll in das Bewusstsein jedes Einzelnen, dass Wegsehen manchmal dramatische Konsequenzen haben kann. Das ist alles, was ich dazu empfinde.“

Christian Marbach (Foto: Dittrich/dpa)

Christian Marbach verlor seinen Opa, nachdem Niels Högel ihm im Klinikum Delmenhorst eine Medikamenten-Überdosis gespritzt hatte. Der Ganderkeseer tritt seit 2014 als Sprecher der Opfer-Angehörigen auf: „Ich erwarte, dass in diesem Prozess – mit 13 Jahren durch die Justiz verschuldeter Verzögerung – endlich der volle Umfang von Niels Högels Morden verhandelt und verurteilt wird. Ich erwarte, dass zumindest die strafrechtliche Wahrheit ans Licht kommt und dass damit eine Basis gelegt wird für weitere Prozesse gegen die verantwortlichen Mitarbeiter in den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst. Denn da gibt es noch viele offene Fragen. Dieser Prozess ist die Basis für zivilrechtliche Ansprüche gegen die Kliniken.“

Mariya Tüter (Foto: Privat)

Mariya Tüters Mann Adnan Tüter, Vater ihrer zwei Kinder, starb 2004 im Klinikum Delmenhorst, nachdem Högel ihm heimlich Lidocain spritzte. Der Fall Tüter ist die 99. und bislang letzte Anklage gegen Högel: „Ich hatte gehofft, die Untersuchung meines toten Mannes würde zeigen, dass er kein Mordopfer ist. Leider kam es anders. Die innere Unruhe, die ich wegen der Ungewissheit seit Jahren spüre, ist nicht weggegangen, sie ist schlimmer geworden. Der Prozess wird nicht die Unordnung beseitigen, die Niels Högel in meine Familie gebracht hat. Ich will trotzdem vor Gericht dabei sein, ich hoffe, dass ich das schaffe. Ich hoffe nur, dass dieser Mann nie wieder aus dem Gefängnis herauskommt.“

Frank Lauxtermann (Foto: Karsten Krogmann)

Frank Lauxtermann arbeitete als Krankenpfleger gemeinsam mit Högel auf der herzchirurgischen Intensivstation im Klinikum Oldenburg. Er arbeitete später eng mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammen: „In erster Linie sollte der Prozess ein Forum sein für die Angehörigen. Ich finde es wichtig, diesem Schmerz ein Gesicht zu geben. Ich erwarte nicht, dass durch den Prozess die Zahl der tatsächlichen Opfer konkretisiert wird, ich erwarte von Niels Högel nichts. Ich erwarte aber, dass Högel ein Stück weit diesen Schmerz spürt, den er verursacht hat durch sein wahlloses Töten. Auch wir früheren Mitarbeiter der Klinik müssen uns diesem Schmerz der Angehörigen stellen.“

Johann Kühme (Foto: Tobias Frick)

Johann Kühme, Oldenburger Polizeipräsident, rief 2014 die Sonderkommission „Kardio“ ins Leben. In fast dreijähriger Arbeit untersuchten die Ermittler etliche Hundert Verdachtsfälle: „Ich erwarte, dass der Angeklagte Högel endlich vollumfänglich geständig ist. Dass durch den Prozess den Opfern, und damit meine ich jeden einzelnen von Högel getöteten Menschen, Gerechtigkeit widerfährt. Dass es weitere Erkenntnisse zu den Geschehensabläufen gibt, damit sich derart grauenvolles Handeln nicht wiederholen kann. Und dass Högels Taten nicht dazu führen, dass das Vertrauen in die Hunderttausende Pflegekräfte verloren geht, die großartige Arbeit leisten.“

Karsten Krogmann Redakteur / Reportage-Redaktion
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