OLDENBURG - Das Leitbild der Polizei müsse die Bürgerpolizei sein, die Recht und Gesetz durch Humanität legitimiere. Dafür hat die Oldenburger Fachhochschul-Präsidentin Vera Dominke plädiert. Den Schwachen in der Gesellschaft zu helfen, Bürgern ohne bürokratische Arroganz gegenüberzutreten und polizeiliches Handeln zu erklären statt zu verordnen – dies seien „Kernelemente der Unternehmenskultur der Polizei“, sagte Dominke bei einem Festakt an der Polizei-Fakultät der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege in Oldenburg. Dabei wurden 154 neuen Polizistinnen und Polizisten nach erfolgreichem Abschluss ihres dreijährigen Studiums durch Prodekan Rainer Lask die Diplom-Urkunden überreicht.

Dominke erinnerte daran, dass insbesondere Polizisten die gestiegene Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft zu spüren bekommen: „Sie werden bespuckt, geschlagen, getreten, mit Flaschen und Steinen beworfen, sogar mit Waffen bedroht und angegriffen.“ Seit einiger Zeit habe nicht nur die Zahl der Angriffe zugenommen, auch ihre Intensität lasse sich kaum noch mit früheren Maßstäben messen. „Wir beklagen die Verrohung unserer Gesellschaft – und Polizisten und Polizistinnen sind oft als erste mit den Folgen gesellschaftlicher Defizite konfrontiert“, sagte die Fachhochschul-Präsidentin.

Sie forderte die Verantwortlichen in der Politik dazu auf, bei Debatten über die Sicherheitsarchitektur des Staates das Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Freiheit, zwischen Überwachungsstaat und notwendiger Gefahrenabwehr auf die Basis eines breiten gesellschaftlichen Konsenses zu stellen. Diese Basis sei zwingend erforderlich, um den Polizisten das Legitimationsgefüge zu geben, in dessen Rahmen sie ihre Aufgabe erfüllen können.