• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region

Handball-Schiedsrichter unter Belastung

11.01.2019

Oldenburg Wie oft sich Dirk Büsch während seiner Zeit als Co-Trainer beim THW Kiel über den Schiedsrichter geärgert hat? Die Antwort kommt prompt: „Jedes Mal.“ – Nein, eine besonders dankbare Aufgabe hat ein Handball-Schiedsrichter wirklich nicht. Insbesondere Zuschauer verleihen ihrem Ärger gegen die Unparteiischen gern mal Ausdruck.

Doch inwieweit nehmen Pfeifkonzerte und sonstiger Zuschauer-Lärm sowie zunehmende körperliche Belastung Einfluss auf die Entscheidungen eines Handball-Schiedsrichters? Das wollen die Oldenburger Sportwissenschaftler Prof. Dr. Jörg Schorer, Dr. Florian Loffing und Prof. Dr. Dirk Büsch im Projekt „Diagnostik von Schiedsrichterentscheidungen im Handball unter Belastung“ herausfinden. Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft fördert das Vorhaben über zwei Jahre mit rund 110 000 Euro. Es handelt sich um eine Kooperation der Universität Oldenburg mit dem Deutschen Handballbund (DHB); die Ergebnisse der Studie sollen in die Schiedsrichterausbildung des DHB einfließen.

„Schiedsrichter sollen unabhängig und neutral entscheiden. Die Frage ist, ob sie das noch können, wenn sie etwa bei einem Spiel in der Handball-Bundesliga von 15 000 Zuschauern in der Halle ausgepfiffen werden“, sagt Schorer, Direktor des Instituts für Sportwissenschaft. Sein Kollege Büsch ergänzt: „Durch die Liveübertragung aller Spiele der Männer- und Frauenbundesliga, die Einführung des Videobeweises und weitere Veränderungen hat sich der Leistungsdruck auch auf die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter ex­trem erhöht.“ Gleichzeitig seien die konditionellen Anforderungen gestiegen, weil das Spiel dynamischer und schneller geworden sei. Die Unparteiischen sollten möglichst auf gleicher Höhe mit den entscheidenden Spielaktionen sein. Sie müssen häufiger als früher sprinten, die Bewegungsrichtung ändern und ihre Beobachterposition wechseln.

Ab welchem Beanspruchungsgrad werden die Leistungen eines Schiedsrichters besser oder schlechter? Die Oldenburger Forscher planen, bei Schiedsrichter-Lehrgängen Tests durchzuführen, um beispielsweise den Einfluss von Zuschauerlärm und körperlicher Belastung zu untersuchen. „Handball-Hallen sind oft wahre Hexenkessel: Gerade bei der Weltmeisterschaft, die am Donnerstag in Berlin gestartet ist, gibt es Nationen mit sehr lautstarken Zuschauern, die mit Trommeln und Klatschpappen Lärm erzeugen“, sagt Büsch. An der Studie werden die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter aus den verschiedenen Kadern des DHB teilnehmen, von Nachwuchs-Referees bis zu internationalen Schiedsrichtern.

In den Tests wird ein Spielgeschehen simuliert: Die Schiedsrichter bekommen Videos mit kritischen Spielsituationen vorgespielt, müssen mitlaufen und pfeifen, wenn es notwendig ist. Systematisch wird die Belastung gesteigert. Insgesamt müssen sie 20 oder 30 Entscheidungen treffen, während sie teilweise Strecken von mehr als 2000 Metern laufen.

Die Forscher planen, diese Untersuchung mehrfach durchzuführen – mit zwei unterschiedlichen Ausdauertests und jeweils mit und ohne eingespieltem Zuschauerlärm. Dadurch wollen sie herausfinden, ob die Fehlerquote mit zunehmender körperlicher Belastung steigt, welchen Einfluss die Geräuschkulisse hat und welche Rolle die Erfahrung der Schiedsrichter spielt.

Jantje Ziegeler Redakteurin / Online-Redaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2157
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.