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NWZonline.de Region

Tod in einer digitalen Welt

05.03.2019

Oldenburg /Ganderkesee /Hude Onlineshops, Internetpoker und Ü-18-Seiten: Im Laufe des Lebens sammeln sich auch Online sämtliche Verträge, Abonnements sowie Mitgliedschaften an. Doch was passiert damit nach dem Tod? Die Entscheidung fällt auf die Angehörigen zurück. Doch verfügen diese überhaupt über die notwendigen Zugangsdaten? Wissen die Angehörigen von allen Verträgen und Mitgliedschaften?

Um fortlaufende Kosten zu verhindern, bieten verschiedene Bestatter im Oldenburger Land einen Service für den digitalen Nachlass an. So auch das Bestattungsunternehmen Fritz Hartmann in Oldenburg. „Wir leben in einer digitalen Welt“, erklärt die geprüfte Bestatterin Stephanie Hartmann. „Ohne Internet geht es nicht mehr.“

Warum könnte ein digitaler Nachlass notwendig sein?

Eine Abmeldung bei Renten- und Krankenversicherungen, dem Rundfunkbeitrag sowie Zeitschriften-Abonnements gilt als selbstverständlich. Doch an den digitalen Nachlass eines Verstorbenen denken viele Erben oder Angehörige noch nicht, sagt Stephanie Hartmann. Doch gerade da können versteckte Kosten lauern. Oft weiß der Partner gar nicht, bei welchen Portalen der Verstorbene Online angemeldet ist. Hier könnten sich sogar Schulden verbergen. Ist der Verstorbene etwa bei Paypal angemeldet, könnte sich auch noch Guthaben auf diesem Konto verstecken, so die Bestatterin.

Zudem warnen die Bestatter, dass man zum Teil selbst nicht von seinen Online-Mitgliedschaften weiß. Oftmals wird selbst bei einem manuellen Vertragsabschluss ein Online-Konto angelegt. Und: „Das Internet vergisst nicht“, sagt Michael Fritz Hartmann.

„Wir müssen uns dem Thema stellen“, meint auch Susanne Lebedinzew, Koordinatorin vom Hospizkreis Ganderkesee-Hude. Es betreffe nicht nur jüngere Menschen. Auch ältere Menschen, die im Netz unterwegs waren, können einen digitalen Nachlass hinterlassen haben. Laut Lebedinzew ist es ein großes Thema.

Das spiegele sich jedoch noch nicht bei den Kunden von Hartmann wider. Gerade mal vier Kunden nehmen das Angebot bisher pro Jahr wahr. „Wir machen eigentlich Aufklärungsarbeit, was digitaler Nachlass bedeutet“, berichtet Stephanie Hartmann.

Wie funktioniert der Service?

Sollten sich die Kunden für eine Nutzung des Angebots entscheiden, können die Angehörigen gezielt Dienste nennen, bei denen eine Abmeldung erfolgen soll. Es kann jedoch auch nach unbekannten Verträgen und Mitgliedschaften durch eine automatische Recherche gesucht werden, so Stephanie Hartmann. Die Software für den digitalen Nachlass wird über das IT-Unternehmen Columba bereitgestellt. Wird etwas gefunden, haben die Angehörigen die Wahl. Soll der Vertrag bestehen bleiben, auf einen anderen Namen übertragen oder gelöscht werden? Das kann entweder Columba oder der Kunde selbst übernehmen.

Die Hartmanns betonen, dass die Angehörigen während der Suche alle Schritte nachvollziehen können. Im Formalitätenportal, wofür die Kunden Zugangsdaten bekommen, können sie sich die eventuellen Abmeldungen und die gefundenen Verträge anzeigen lassen.

Welche Kosten kommen auf die Angehörigen zu?

Das Oldenburger Bestattungsunternehmen bietet die Abmeldungen in sämtlichen Online-Portalen schon mehrere Jahre an an. Seit Anfang 2019 ist der digitale Nachlass genau wie die Abmeldung anderer Verträge im Dienstleistungspaket inklusive. Kunden können sich aussuchen, ob sie davon Gebrauch machen wollen oder nicht.

Bieten Unternehmen selbst Optionen für den digitalen Nachlass an?

Beim sozialen Netzwerk Facebook kann man zum Beispiel selbst einen Nachlasskontakt bestimmen, erklärt die Oldenburger Bestatterin. Dieser Kontakt kümmert sich um das Konto oder veranlasst die Löschung. Unter anderem stellt auch die Telekom verschiedene Lösungsvorschläge zur Kündigung eines Festnetzanschlusses im Falle des Todes oder Informationen, wie man als Erbe Zugang zum T-Online-Emailkonto erhält, auf ihrer Website zur Verfügung. Doch bei anderen Verträgen sei es laut Michael Fritz Hartmann auch oft undurchsichtiger.

Bieten mehrere Bestatter diesen Service an?

Neben Hartmann bieten laut der Columba-Website auch Trauerhilfe Aug. Stolle & Sohn, Bestattungsinstitut Werner Welp und das Bestattungshaus Speckmann den digitalen Nachlass in Oldenburg an. Unter anderem sind auch in Delmenhorst, Cloppenburg und Rastede Bestatter mit dem Angebot vertreten.

„Insgesamt arbeiten mehr als 1500 Bestattungsunternehmen mit unserer Software“, sagt Dr. Christopher Eiler von Columba. In Niedersachsen sind es derzeit 120 Unternehmen, die über die Technologie verfügen.

Anna-Lena Sachs Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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