OLDENBURG - Man ist so alt, wie man sich fühlt: Karl-Heinz Putzke ist demnach nur auf dem Papier Jahrgang 1933. Jung hält ihn der Hochschulsport – das Tempodrom. Dort sind die Jüngsten 17, 18 Jahre alt, und der 74-Jährige könnte locker ihr Großvater sein. Daran stört sich aber niemand.
„Das Tempodrom verbindet die Generationen“, sagt Putzke. Übungsleiterin Daniela Hellning (35) pflichtet ihm bei: „Hochschulsport steht allen offen“. Chemie-Studentin Almuth Schwäblein (23) findet Leistung und Lebenseinstellung von Putzke einfach bewundernswert. Auch Christoph Rinnebach (28) freut sich über das generationsübergreifend gute Klima beim Tempodrom.
Dabei ist Putzke kein geborener Sportler. Zum Training ist er vom Arzt geschickt worden. Da war er bereits 49 Jahre alt, die Hüfte tat ihm nach einem Arbeitsunfall weh. Heute, 25 Jahre später, ist der Sport zum festen Bestandteil in seinem Leben geworden. Das Tempodrom beim Hochschulsport hat er sich ausgesucht, weil das Angebot ihm gut gefallen hat und die Uni ganz in der Nähe von seinem Zuhause liegt.
Die meisten im Tempodrom sind zwischen 20 und 30 Jahre alt, weitaus weniger zwischen 30 und 50, ein paar mögen noch 50 bis 70 Jahre alt sein. 74 Jahre alt ist nur einer – Karl-Heinz Putzke. Allseits beliebt, wenn er mal keine Zeit hat, fehlt irgendetwas: „Kommt Karl-Heinz heute gar nicht?“ – eine häufig gestellte Frage.
Bis Ende 1995 hat Putzke als Betriebswirt bei der Landessparkasse zu Oldenburg gearbeitet. Geboren wurde er in Neuschoo im Kreis Wittmund. Schwere Schicksalsschläge trafen ihn in seiner Jugend. 1938 starb sein Vater, 1945 kam seine Schwester bei einem Unfall ums Leben.
Seine Kraft schöpft er aus dem „gelebten christlichen Glauben“, wie er es formuliert. Ob als Organist in der evangelisch-methodistischen Friedenskirche, Laienmitglied der Synode oder Elternvertreter in den Schulen seiner drei Kinder – Putzke hat sich in vielen Funktionen ehrenamtlich engagiert und ist in manchen Ämtern bis heute aktiv. 1962 heiratete er seine Ehefrau Ingeborg, zur Familie gehören drei Kinder und fünf Enkelkinder.
Dem Tempodrom will Putzke treu bleiben, solange es die Gesundheit zulässt. Putzke: „Die Hüftprobleme sind jedenfalls nie wieder aufgetreten.“
