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Verkehr nach Unfall auf A28 beeinträchtigt
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Aktualisiert vor 6 Minuten.

Zwischen Oldenburg Und Hatten
Verkehr nach Unfall auf A28 beeinträchtigt

NWZonline.de Region

Großer Ansturm auf Besucherränge bleibt aus

01.11.2018

Oldenburg Unerwartet still ist es am Dienstagmorgen rund um die Weser-Ems-Halle. Stände da nicht die lange Reihe der Übertragungswagen mit ihren riesigen Satellitenantennen im Licht der Laternen vor der Halle – niemand käme auf die Idee, dass hier in Kürze der größte Mordprozess der Nachkriegsgeschichte beginnt. Der von vielen erwartete Ansturm auf die 118 Besucherplätze – er bleibt aus. Gerade einmal eine Handvoll Menschen wartet frierend unter dem kleinen Vordach des Haupteingangs, als sich pünktlich um 7 Uhr die Türen für das Publikum öffnen.

90 Minuten stehen zu diesem Zeitpunkt bereits Vanessa Grabowski und Daniel Oltmer vor dem Eingang. Das junge Pärchen aus Westerstede war fast zeitgleich mit der Kolonne der Mannschaftswagen der Polizei um 5.30 Uhr an der Halle eingetroffen. Dass sie die Ersten sein würden, damit hätten sie nicht gerechnet, räumen die Beiden ein. Nun, da sie ganz alleine vor der großen Halle stehen, zeigen sie sich überrascht vom offensichtlichen Desinteresse an diesem doch so außergewöhnlichen Verfahren.

Alle Bericht zu dem Mordprozess gegen Niels Högel hier im Spezial

Sie selbst seien aus reiner Neugier gekommen, gibt Vanessa Grabowski zu. Die Aussicht, dem Serienmörder Niels Högel gegenüber zu sitzen und ihn vielleicht sogar sprechen zu hören, war den beiden einen Urlaubstag wert – auch wenn die Begeisterung bei Daniel Oltmer angesichts der frühen Stunde und des nasskalten Wetters deutlich geringer als bei seiner Begleiterin scheint.

Der Dritte, der sich im Morgengrauen draußen vor der Tür einfindet, ist Christian Marbach. Högel hat seinen Großvater getötet, dafür wurde er bereits rechtskräftig verurteilt. Für den Ganderkeseer war die Sache damit allerdings nicht erledigt. Er hat eine Interessengemeinschaft gegründet und engagiert sich weiterhin für die anderen Hinterbliebenen. Doch obwohl er Sprecher zahlreicher Betroffener ist, muss Marbach bei Temperaturen um 7 Grad fast eine Stunde lag in seinem dünnen Sommeranzug auf Einlass warten. Er wirkt verbittert. „Die Angehörigen werden im wahrsten Sinne des Wortes im Regen stehen gelassen“, sagt Marbach, der wie viele andere Betroffene keinen Anspruch auf Einlass in die Verhandlung hat. Nur die Nebenkläger haben in der Halle zugesicherte Sitzplätze.

Nur wenige Angehörige

Einmal mehr ist Marbach der einzige Angehörige, der sich draußen bereitwillig den Fragen der Kamerateams stellt. Inzwischen sind einige andere Angehörige hinzugekommen, die Marbach zwar interessiert zuhören, selbst aber lieber nichts sagen möchten. Zwischen den immer zahlreicher werdenden Journalisten fällt es ihnen aber auch nicht schwer unentdeckt zu bleiben. Die Opfer von Högel sind nicht auffällig.

Die letzte Inszenierung

So bleibt es Christian Marbach überlassen, den zahlreichen auswärtigen Medienvertretern noch einmal die ganze unglaubliche Geschichte dieses Falls zu schildern. Dabei ist er selbst eigentlich längst einen Schritt weiter.

Auch an diesem Tag drehen sich seine Gedanken um die bevorstehenden Prozesse gegen die beteiligten Kliniken und deren Mitarbeiter. „Für mich ist das eigentlich spannender“, sagt Marbach und berichtet von Briefwechseln mit dem Mörder seines Großvaters: „Högel schreibt jeden Tag auf, was an den Kliniken passierte. Er wird viele Mitarbeiter beschuldigen“, kündigt Marbach an.

Dass es dem Mörder dabei nicht in erster Linie um die Wahrheitsfindung geht, ist auch Marbach klar: „Das macht er, um sich noch einmal ganz groß zu inszenieren. Die größte Angst von Högel ist, dass keiner mehr an ihn denkt, wenn sich die Tür eines Tages endgültig hinter ihm schließt.“

Jörg Jung Redakteur / Regionalredaktion
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