OLDENBURG - Der Holzklotz-Prozess geht in die Endphase: 29 Wochen nach dem Auftakt sollen am kommenden Montag (ab 9 Uhr) und Dienstag (ab 8 Uhr) die Plädoyers gehalten werden. Staatsanwaltschaft, Nebenklagevertreter (jeweils am Montag) und Verteidigung bekommen an den beiden Tagen die Gelegenheit, ihr Schlusswort zu sprechen. Das Urteil könnte das Gericht danach am Mittwoch, 20. Mai, ab 14 Uhr verkünden – rund 14 Monate nach der schrecklichen Tat.

33-jährige Mutter getötet

Der Anschlag vom Ostersonntag 2008 sorgte bundesweit für Entsetzen: Ein Unbekannter warf von der Brücke Butjadinger Straße einen Holzklotz auf die A 29 und tötete eine 33-jährige Frau in einem vorbeifahrenden Auto. Die Frau, die 1995 von Kasachstan ins Münsterland übergesiedelt war, befand sich mit ihrem Mann Wladimir (36) und den sieben und neun Jahre alten Kindern auf der Heimfahrt. Über Ostern hatte die Familie Freunde in Wilhelmshaven besucht.

In den folgenden Wochen ermittelte die Polizei auf Hochtouren. Von Anfang an ging die Sonderkommission „Brücke“ davon aus, dass der oder die Täter aus der näheren Umgebung des Tatortes stammen müssten. Überprüft wurden die Personalien von 400 Personen, die sich zum Zeitpunkt des Anschlags bei einem Osterfeuer in der Umgebung der Autobahnbrücke aufgehalten hatten. Darüber hinaus ging die Polizei über 700 Hinweisen nach.

Achteinhalb Wochen nach der Tat konnten Polizei und Staatsanwaltschaft den mutmaßlichen Täter präsentieren. Mehrere Indizien wiesen auf den 31-jährigen drogenabhängigen Nikolai H. aus Rastede-Wahnbek hin.


Geständnis widerrufen

Bodenproben vom Grundstück des Mannes waren laut Polizei identisch mit Sandanhaftungen am Klotz. Zudem soll er kurz nach der Tat im Bereich des Tatorts telefoniert haben. Sein Geständnis bei der Polizei widerrief er später wieder. Zuvor hatte er seinen Anwalt gewechselt.

Seit Anfang November 2008 muss sich H. wegen Mordes vor der Schwurgerichtskammer verantworten. Die Anklage wirft ihm vor, „heimtückisch und mit gemeingefährlichen Mitteln einen Menschen getötet zu haben“.

Ebenso wie das Opfer stammt Nikolai H. aus Kasachstan. An den rund 30 Verhandlungstagen schwieg er zu den Vorwürfen. In Briefen an seinen Anwalt beteuerte er im März aber seine Unschuld. Den Fortgang des Prozesses verfolgte er meist mit verschränkten Armen, oft wirkte er teilnahmslos. Mehrfach schien es, als sei er eingeschlafen.

Angeklagter schuldfähig

Eine entscheidende Rolle in dem Indizienprozess kommt den Gutachtern zu. Der renommierte Berliner Psychologe Max Steller hält das Geständnis von Nikolai H. aus der polizeilichen Vernehmung für glaubwürdig. Und nach Meinung des Psychologen Konstantin Karyofilis ist H. auch voll schuldfähig.

Zum Ende des Prozesses ist wieder mit einem großen Medienandrang zu rechnen. Besucher sollten frühzeitig zum Gericht kommen. Von den 50 Plätzen im Sitzungssaal sind 20 für Vertreter von Zeitungen, Nachrichtenagenturen sowie Radio- und Fernsehsender reserviert.

Ein Spezial zum Holzklotz-Anschlag