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NWZonline.de Region

Zeckenjahr 2018 – wie schlimm ist es im Nordwesten?

03.07.2018

Oldenburger Land 2018 ist ein Zecken-Jahr: In diesem Sommer erobern besonders viele kleine Blutsauger Wiesen und Wälder. Damit steigt auch die Gefahr, an Hirnhautentzündung oder Borreliose zu erkranken, warnt jetzt das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF). „Wir werden die höchste Zahl an Zecken seit den letzten zehn Jahren haben“, sagt Dr. Gerhard Dobler, Wissenschaftler beim DZIF.

FSME-Gefahr im Nordwesten sehr niedrig - wie lange noch?

In Niedersachsen gab es in den vergangenen Jahren nur einzelne gemeldete FSME-Fälle, bei denen die Infektion vermutlich in Niedersachsen stattfand. Symptome der FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) sind unter anderen hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörungen und Lähmungen. Das Virus konnte bisher nur aus zwei Regionen Niedersachsens, in Cuxhaven und Nienburg, in wenigen Zecken nachgewiesen werden. Eine Infektion ist auch hier nicht auszuschließen, aber laut dem Landesgesundheitsamt sehr unwahrscheinlich. Eine allgemeine Empfehlung für die FSME-Impfung gibt es in Niedersachsen daher nicht. Das Risiko einer Infektion könnte in den nächsten Jahren jedoch größer werden, sagt Dr. Gerhard Dobler vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF). „In der Tendenz nimmt das Ganze zu“, ist seine vorsichtige Prognose. Da er aber nach wie vor sehr sporadisch vorkomme, könne man ihn nicht bestimmten Landkreisen zuzuordnen.

Die Warnung gilt vor allem für Süddeutschland. Besonders in Bayern und Baden-Württemberg können Zecken, wenn sie sich in der Haut festbeißen, gefährliche FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) übertragen. FSME-Viren können schwere Erkrankungen der Hirnhäute, des Gehirns und des Rückenmarks auslösen. Auch können sie zu bleibenden Lähmungen führen. Neben Süddeutschland besteht auch in einigen Landkreisen in Thüringen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und dem Saarland erhöhte FSME-Gefahr. „In den betroffenen Gebieten sollten sich Bewohner, die im Wald unterwegs sind, gegen FSME impfen lassen“, rät Leonhard Hamschmidt vom Gesundheitsamt des Landkreises Oldenburg.

Und wie sieht es in Norddeutschland aus? „Es gibt mehr Zecken, auch bei uns“, sagt Hamschmidt. Das Risiko einer Hirnhautentzündung sei derzeit jedoch sehr gering. Aber: „Borrelien können bundesweit übertragen werden.“ Die Erreger sind laut DZIF – unabhängig von der Region – in jeder vierten Zecke zu finden. Also ist auch im Nordwesten Wachsamkeit geboten. „Bei Waldspaziergängen sollte man das Unterholz besser meiden“, empfiehlt Hamschmidt. Dort sitzen die gefährlichen Blutsauger nämlich besonders gerne. Auch sollte man langärmelige Kleidung tragen – „und die Strümpfe über die Hosen ziehen“, rät Hamschmidt. Nach einem Aufenthalt in der Natur sollte man sich sorgfältig absuchen.

Zecken-Gefahr für Urlauber

In Deutschland sind insbesondere Bayern und Baden-Württemberg, aber auch Regionen in Hessen, Thüringen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und im Saarland von FSME-Viren betroffen betroffen.

In Europa treten FSME-Infektionen neben Österreich, Ungarn und der Schweiz vor allem in Tschechien, in Teilen von Polen, in den Ländern des Baltikums sowie in den Küsten- und Seengebieten von Schweden, Finnland und Norwegen auf.

Besonders betroffen ist die Insel Gotland sowie die zwischen Schweden und Finnland liegende Inselgruppe der Åland-Inseln (Mariehamn).

(Quelle: Niedersächsisches Landesgesundheitsamt)

Borreliose ist eine Infektionskrankheit, die verschiedene Organe, in erster Linie die Haut, aber auch das Nervensystem und die Gelenke, schädigen kann. In Bundesländern wie Bayern, wo Meldepflicht besteht, gibt es in diesem Jahr bereits deutlich mehr Meldungen als in den Vorjahren. 2016 (8499) und 2017 (7796) lagen die Zahlen der gemeldeten Fälle deutlich höher als 2015 (5882). „Aber auch von Hausärzten aus dem Norden hören wir, dass die Fälle mehr werden“, sagt Dobler. Eine Impfung gegen Borreliose existiert nicht, die Krankheit wird mit Antibiotika behandelt. Wer sich eine Zecke eingefangen hat, sollte sie daher schnellstmöglich komplett entfernen. „Da dafür eine spezielle Pinzette nötig ist, sollte man am besten zum Arzt gehen“, sagt Hamschmidt. Ist das nicht möglich, sollte man sie selbst ziehen, denn: „Je länger sie sich vollsaugen, desto höher die Übertragungsgefahr.“

Übersichtskarte (PDF): FSME-Gefahr in Europa

Dass es in diesem Jahr besonders viele Zecken gibt, ist laut Dobler auf das Zusammentreffen günstiger Bedingungen in den vergangenen zwei Jahren zurückzuführen. Vor zwei Jahren gab es ein „Fruktifikationsjahr“ – ein Jahr, indem die Bäume extrem viele Früchte bildeten, zum Beispiel Bucheckern und Tannenzapfen. Das führte zu einer größeren Vermehrung der Mäuse, die wiederum die hauptsächliche Nahrungsquelle für die Zecken-Larven darstellen. Also stiegen die Zahlen. Hinzu kam, dass viele Zecken den letzten – insgesamt kühlen und feuchten Sommer – besser überlebten.

Inga Wolter
stv. Ltg.
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