PAPENBURG/JEVER - „Wir haben ein massives Qualitätsproblem“, schimpft Garrelt Duin. Empört blickt der SPD-Landeschef im Schloss von Jever in die Runde. Seine Partei meint Duin aber nicht, auch wenn das nach den Turbulenzen der vergangenen Monate nahe liegt. Der Sozialdemokrat regt sich über die Tourismuswirtschaft in Niedersachsen auf. Die Angebote in Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein seien teilweise wesentlich besser.

Duin ist auf Sommerreise, zwei Wochen tourt der SPD-Chef zwischen Harz, Heide und Nordsee. An diesem Donnerstag steht ein Besuch nahe seiner ostfriesischen Heimat auf dem Plan. Duin gibt sich locker, entspannt, als ob es die Affäre Hartmann und den Streit um die Parteireform nicht gäbe. Die Laune ist besser als die Lage.

Nur einmal wirkt Duin verärgert: beim Thema Tourismus in Jever. Friesland-Landrat Sven Ambrosy (SPD) präsentiert im Schloss das touristische Konzept für die Nordsee bis 2015. Ein Ferienpark, zwei Fünf-Sterne-Hotels und eine Million zusätzliche Übernachtungen finden sich auf seiner Wunschliste.

Die Wirtschaftspolitik steht im Mittelpunkt der Reise. Duin besucht große und kleine Unternehmen. Es ist auch ein Versuch, zur politischen Normalität zurückzukehren. Die Finanzaffäre um seine ehemalige Stellvertreterin Swantje Hartmann hat dem 40-Jährigen zugesetzt. Er lässt es sich nicht anmerken.

Am Morgen besucht der SPD-Chef die Meyer-Werft in Papenburg. Meyer zeige, dass man in Niedersachsen Weltmarktführer werden könne, lobt er beim Rundgang durch die riesigen Werfthallen. Kräne kreischen, Schweißfunken sprühen. Firmenchef Bernard Meyer fordert, die Ems – trotz Bedenken von Naturschützern – weiter zu vertiefen. Duin stimmt zu. Die wirtschaftliche Entwicklung der Region habe Priorität. In Jever lässt er sich die Brauerei zeigen. Brauhaus-Repräsentant Günther Schmöckel bringt ihn kurz in Verlegenheit, als er die von der Bundes-SPD geplanten Alkohol-Verbote etwa auf Sportplätzen scharf kritisiert. Auf manchen Plätzen müsse das „stinknormale Trinken eines Bieres“ möglich sein, lenkt Duin ein.


Der SPD-Chef richtet den Blick nach vorne. Er will wirtschaftspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion werden. Eine ideale Plattform, um sich auch in Niedersachsen bekannter zu machen, wie er sagt. Das Ziel: SPD-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2013. „Das ist doch der Duin“, bemerkt eine Frau in der Fußgängerzone von Jever. Sonst erkennt ihn noch keiner.