Oldenburg - Sein Wochenende hatte er sich anders vorgestellt. Aber jetzt steht Markus Breyer doch wieder im Labor am Oldenburger Philosophenweg, er trägt wie immer den weißen Kittel und die blauen Handschuhe. „Meine Freizeit ist heute sehr begrenzt“, sagt er knapp und zuckt mit den Schultern; so ist das eben, wenn man in diesen Zeiten als amtlicher Biologielaborant im Lebensmittelinstitut des Laves arbeitet.
40 Milchproben. So viele haben die Landkreise, die für die Lebensmittelüberwachung zuständig sind, am Sonnabend in Oldenburg angemeldet. Weitere 40 werden in einem Laves-Institut in Hannover untersucht. Breyer soll feststellen, ob die Milch mit dem krebserregenden Schimmelpilzgift Aflatoxin verseucht ist. „Wir weisen nicht den Pilz selbst nach“, erklärt er, „sondern nur das Gift, das der Pilz produziert.“ Er hebt ein Röhrchen vor seine Laborbrille; sehr gut, das Fett hat sich bereits abgesetzt.
Insgesamt müssen gut 50 Mitarbeiter des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) an diesem Wochenende Sonderschichten einlegen, sagt Laves-Präsident Professor Dr. Eberhard Haunhorst. Er selbst ist ja auch im Einsatz, ausnahmsweise in Jeans und Pullover. Abends wird er die Ergebnisse der Untersuchungen bekanntgeben.
In Zimmer 5, „Probenvorbereitung“, macht gerade Gaby Lukas die Milch testfertig. Sie zentrifugiert sie, damit sich das grobe Fett löst, dann zentrifugiert sie noch einmal, bis die Milch entrahmt ist. Jetzt kann Markus Breyer übernehmen, in Zimmer 11, „Messraum“: Er bestreicht ein Plättchen mit Antikörpern, wartet die Inkubationszeit ab, gibt die entrahmte Milch dazu. Sollte sich Gift in der Milch befinden, wird er es hier herausfinden.
Etwa drei Stunden dauert so ein Gifttest insgesamt. Am Abend steht fest: Alle Milchproben sind sauber, in Oldenburg wie in Hannover. Präsident Haunhorst teilt das den Landkreisen mit, damit sie auf den Höfen Entwarnung geben können. „Weitere Proben sind derzeit nicht angemeldet“, sagt er; am Sonntag bleibt so doch noch ein bisschen Wochenende für die Laves-Mitarbeiter übrig.
Aber an diesem Montag wird es für sie weitergehen. Haunhorst kündigt Stichproben auch bei weiteren Lebensmitteln an.
