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NWZonline.de Region

Zwischen Himmel und Erde

21.10.2014

Oldenburg /Loy Jens Heger schaut genau hin. Das kann sein Erfurter Kollege gerade nicht. Er trägt eine Schutzbrille, die ihm die Sicht vernebelt. Auf diese Weise eingeschränkt justiert er auf Zuruf einen Flaschenzug, an dem eine Trage baumelt. Eine Puppe liegt darauf. Es ist ja nur eine Übung. „Fangen wir mit dem an, was ihr richtig gemacht habt, das geht schneller“, sagt Heger mit ernster Miene. Dann löst sich die Spannung: „War nur Spaß, ihr habt keine Fehler gemacht“, ruft der Brandmeister den Erfurter Feuerwehrleuten zu.

Heger weiß, wovon er spricht. Seit 2007 gehört er zur Spezialeinheit der Oldenburger Berufsfeuerwehr mit dem Kürzel „SRHT“: Spezielle Rettung aus Höhen und Tiefen. Zum nationalen Leistungsvergleich der Höhenretter haben sich an der Landesfeuerwehrschule in Loy (Kreis Ammerland) am Wochenende 14 Teams aus Deutschland versammelt. Einmal im Jahr messen sie sich im Wettkampf.

„Man muss Mut haben“

Heger und seine Oldenburger Kollegen nehmen die Schiedsrichter-Rolle ein. Als Ausrichter kann und darf der Kreisverband-Stadt nicht mitmachen. Den Helm mit Beleuchtung hat der 37-Jährige trotzdem immer griffbereit. „Wir lernen hier voneinander“, gewinnt er der Zuschauerrolle etwas Positives ab. Schließlich ist Heger auch Ausbilder und achtet auf die Details.

„Der Kollege verbraucht gerade enorme Kraft, doch es führen viele Wege nach oben“, kommentiert er das Kraxeln eines Retters am Schrägseil. Der Mann ist mit Brust- und Hüftgurt doppelt gesichert und angelt sich mit dem Karabiner den nächsten Fixpunkt. „Sicherheit geht vor Schnelligkeit“, nennt Heger die oberste Maxime. Zu einem Einsatzteam gehören daher in der Regel fünf Leute. Einer koordiniert und behält den Überblick, die anderen packen zu.

Und die Angst vor einem möglichen Absturz: Begleitet sie die Höhenretter auf dem Weg nach oben? „Vorsicht ist ganz wichtig, aber mit Angst im Gepäck kann man die Aufgabe nicht bewältigen“, antwortet Heger: „Man muss schon Mut haben, auch wenn einem unbekannte Objekte Respekt einflößen.“

Wichtig sei es, die Gefahren zu erkennen und dann die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das gilt erst recht bei widrigen Bedingungen, wie Dunkelheit, Qualm oder Sturm. Heger entschloss sich für die Zusatzausbildung, da er eine „kleine berufliche Herausforderung“ suchte. „Doch es ist manchmal schon eine große“, korrigiert er sich. Zur Oldenburger Spezialeinheit gehören aktuell 16 Feuerwehrmänner. „Wir retten Personen aus Schächten oder Silos, aber auch Kranfahrer, die zum Beispiel wegen eines Herzinfarktes nicht mehr alleine herunterkommen“, sagt Jens Kühling. Der Oberbrandmeister leitet die Einheit.

Von seinen Leuten erwartet er „Teamfähigkeit, Selbstständigkeit und eine hohe Belastbarkeit“. Selbstverständlich müssen sie schwindelfrei sein und immer an einem Strang ziehen. Alle besitzen zudem eine rettungsdienstliche Ausbildung, um bei einem medizinischen Notfall erste Hilfe leisten zu können.

Manchmal müssen die Männer auch einspringen, wenn Leichtsinnige sich selbst in Gefahr bringen. „Einmal wurden wir gerufen, weil Jugendliche in Partylaune auf einen Strommast geklettert sind. Oben verließen sie dann die Kräfte“, erinnert sich Heger. Damit das den Spezialisten nicht passiert, trainieren sie regelmäßig. 72 Fortbildungsstunden im Jahr sind vorgeschrieben. Geübt wird unter anderem auf dem Wahnbeker Fernsehturm, an der Huntebrücke oder auf einem Silo am Hafen.

„Ehrgeiz immer dabei“

Der Ernstfall bleibt allerdings die Ausnahme. Die Einsätze der Oldenburger Spezialisten lassen sich an einer Hand abzählen. In München ist das etwas anders, berichtet Helmut Schmidt. Der Höhenretter aus der bayerischen Landeshauptstadt ist schon seit 1994 dabei. „Wir werden etwa 130 Mal im Jahr alarmiert“, erzählt der Routinier. Zweimal haben die Münchner schon den nationalen Leistungsvergleich gewonnen. „Ehrgeiz ist immer dabei“, sagt der 59-Jährige.

Doch dieses Mal reicht es nicht. Nach drei Übungen steht die Berufsfeuerwehr Düsseldorf als Sieger fest, vor den Kollegen aus Chemnitz und Magdeburg. Schnelligkeit und Geschicklichkeit haben sie in besonderem Maße demonstriert, denn wenn es in luftiger Höhe ernst wird, muss jeder Handgriff sitzen.

Das wird bei der Übung „Tragenrettung“ simuliert. Über eine Strickleiter eilen die Retter an der Hausfassade nach oben, wo eine Person in Not geraten ist. Die schmale Öffnung am Einstieg birgt auch für die Helfer Gefahren. Ein falscher Schritt kann fatal sein. „Daher kommt es darauf an, sich erst selbst gut abzusichern“, sagt Heger. Seine Erfurter Kollegen meistern auch diese Übung professionell. Die Trage kommt waagerecht unten an, die Helfer aufrecht.

„So ein Einsatz ist realistisch. Ganz schön anstrengend“, stöhnt Stefan Abrell und wischt sich den Schweiß von der Stirn. „Der Wettbewerb in Loy hat wieder einmal gezeigt, dass die Höhenretter an einem Strang ziehen“, lobt Oberbrandmeister Kühling die Mannschaften und das Organisationsteam. Und im nächsten Jahr in Hannover wollen auch die Oldenburger wieder angreifen und ihrerseits die Schiedsrichter beeindrucken: mit Seil und Karabiner – ohne Haken und Ösen.


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