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Beutezug in Niedersachsen Riesenseeadler soll Storch getötet haben

05.07.2023, 16:30 Uhr (Erstmeldung)
Der ausgewachsene Riesenseeadler: Einer Ornithologin vom NABU Cuxhaven gelang ein Schnappschuss des Vogels.

Der ausgewachsene Riesenseeadler: Einer Ornithologin vom NABU Cuxhaven gelang ein Schnappschuss des Vogels.

Ursel Reichelshagen

Im Nordwesten - Ein besonders großer Vogel sorgt derzeit im Nordwesten Niedersachsens für Aufsehen: ein Riesenseeadler – der größte Adler der Welt. Das Tier ist zuletzt mehrfach im Kreis Cuxhaven und im Oldenburger Münsterland gesichtet worden. Mehrere Hühner hat der Greifvogel bereits gerissen. In Ihlienworth (Kreis Cuxhaven) wurde jetzt ein toter und zerrupfter Storch aufgefunden. Experten schließen den Wolf als Täter aus. Ist es möglich, dass der Storch vom Riesenseeadler getötet wurde?

Der Riesenseeadler landete in Halen. Er riss auch ein Huhn.

SENSATIONSSICHTUNG IN DER GEMEINDE EMSTEK Riesenseeadler in Halen gelandet

Reiner Kramer
Halen

Wolf nicht der Täter

„Es ist nicht ungewöhnlich, dass Riesenseeadler Störche angreifen“, erklärte Martin Behrmann, Vorsitzender des Naturschutzbundes (NABU) Land Hadeln auf Nachfrage unserer Redaktion. Laut Nordsee-Zeitung ist der Storch im Kreis Cuxhaven durch „Picken“ getötet worden. Das schließe den Wolf als Täter aus, da das Raubtier seine Beute durch Bisse tötet.

Ob das im Gegensatz bedeutet, dass der Riesenseeadler für den Tod des Storches verantwortlich ist, sei aber nicht sicher, betont der erste Vorsitzende vom NABU Cuxhaven, Dr. Hans-Joachim Ropers: „Es ist völlig offen, ob der Storch von dem Riesenseeadler oder einem Seeadler gejagt wurde“, erläutert er. Auch könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Storch eines natürlichen Todes gestorben ist und sein Aas später zerrupft wurde.

Sensationssichtung im Landkreis Cuxhaven und Cloppenburg: Ein Riesenseeadler wurde mehrfach gesichtet.

AUFSEHEN IN DER REGION Rätselhafter Riesenseeadler – Jetzt wissen wir, woher er kommt

Kim Kristin Loschen
Im Nordwesten

Schnabel als Waffe

Auch wenn die Hauptnahrung eines Riesenseeadlers aus Fisch besteht, hält es Joachim Schwarz von der Arbeitsgemeinschaft Adlerschutz Niedersachsen (AAN) für möglich, dass dieser neben Hühnern auch Störche jagt: „Der Riesenseeadler passt sich in unseren Gefilden schnell an und greift somit natürlich auch Störche an.“ Dafür nutze der Vogel seine Fänge als Hauptwaffe, seinen starken Schnabel nutze er nur als Hilfsmittel: „Der Storch wird gepackt und runtergedrückt. Entweder die Krallen des Adlers töten den Storch direkt oder er beginnt bereits in dieser Phase damit, den Storch zu rupfen und ins Fleisch zu hacken. Das kann tatsächlich recht lange dauern, bis der Vogel dann endlich von den Qualen erlöst ist.“

Starker Gegner

Falls der tote Storch wirklich auf das Konto des Riesenseeadlers geht, war dieser mit Sicherheit kein leichter Gegner. „Der Storch ist wehrhaft. Der lange spitze Schnabel ist eine Waffe und Störche können sich damit bei internen Revierkämpfen schwer verletzen. Auch der Riesenseeadler muss sich vor dem Schnabel in Acht nehmen“, erläutert Joachim Schwarz von der AAN.

Wie auf der Internetseite vom NABU-Bundesverband zu lesen ist, wiegt ein ausgewachsener Weißstorch immerhin zweieinhalb bis knapp viereinhalb Kilogramm – bei einer Flügelspannweite von bis zu zwei Meter. Im Vergleich soll der Riesenseeadler auf bis zu neun Kilogramm und eine Flügelspannweite von 2,8 Metern kommen, erklärt die Stiftung Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels auf ihrer Internetseite.

Ist in Deutschland heimisch: der Weißstorch. BILD: Jens Büttner

Ist in Deutschland heimisch: der Weißstorch. BILD: Jens Büttner

Besuch in Osnabrück?

Aktuell gibt es Gerüchte, dass der Riesenseeadler weiter in Richtung Osnabrück gezogen ist. So äußerte sich Ursel Reichelshagen, die stellvertretende Vorsitzende des NABU Cuxhaven, laut Berichten der Nordsee-Zeitung wie folgt: „Nach meinen Informationen wurde der Vogel zuletzt am 28. Juni in Osnabrück gesehen.“ Das bestreitet allerdings ein Sprecher der Polizeiinspektion Osnabrück: „Uns wurden in den letzten Wochen keine Vorfälle mit einem Adler oder einem Greifvogel gemeldet“, erklärte er am Mittwochnachmittag.

Auch in einschlägigen Internetforen für Ornithologen (Vogelkundler) sei der Riesenseeadler nicht in Osnabrück gemeldet worden, berichtet Ropers. Nach wie vor ist also unklar, wo sich der riesige Greifvogel derzeit aufhält. Fest stehe aber, dass der Vogel keine Gefahr für Menschen darstellt, betonen sowohl Hans-Joachim Ropers als auch Joachim Schwarz.

Josepha Zastrow
Josepha Zastrow Thementeam Polizei/Justiz
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