Barnstorf - Langsam wird es dunkel. Über die Terrasse einer Holzterrasse ist eine dunkelgrüne Hängematte gespannt, die mit einer dunklen Plane abgedeckt wurde. An einer Seite der Decke lugt ein schlafendes Gesicht hervor, tief eingepackt in einen roten Schlafsack. Das schlafende Gesicht gehört der 38-jährigen Sina Schröder aus Barnstorf im Kreis Diepholz. Die vierfache Mutter hat eine ganz besondere Schlafgewohnheit. Seit anderthalb Jahren schläft sie jede Nacht in ihrer Hängematte auf dem heimischen Balkon. Im Video-Interview erklärt sie, wie es dazu gekommen ist.
Schlafprobleme
Mehrere Jahre lang litt Sina Schröder unter Schlafproblemen – zumindest wenn sie im Haus schlief. Nach einer Familienübernachtung auf dem Balkon im Sommer 2019 merkte die 38-Jährige, dass die Nächte im Freien ihre Schlafprobleme linderten. Im Gegensatz zu ihrer Familie schlief sie auch nach der gemeinsamen Übernachtung weiter draußen. „Ich wollte schauen, wie lange ich es schaffe, draußen zu schlafen. Als ich gemerkt habe, dass es im Herbst wieder kälter wird, wurde mein Ehrgeiz geweckt“, berichtet die Diplom-Theologin und Pastorin. Ihr ursprüngliches Ziel: genau ein Jahr im Freien übernachten.
Minus 17 Grad
Im Herbst 2019 optimierte Schröder ihr Schlafmaterial. „Ich habe mir für die Wintermonate einen Winterschlafsack und eine Regenplane kaufen müssen“, erzählt sie. Damit trotzt die 38-Jährige jeder Wetterlage. „Die kälteste Nacht, in der ich draußen geschlafen habe, ist jetzt einen Monat her. In dieser Nacht habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass diese mollige Wärme, die ich sonst die anderthalb Jahre lang kannte, nicht mehr da war“, berichtet Schröder. Als sie in dieser Nacht auf das Thermometer schaute, zeigte dies minus 17 Grad an.
Die herausforderndsten Nächte sind für Sina Schröder gleichzeitig die schönsten: „Man erlebt das Wetter und die Natur hautnah mit“, berichtet Schröder. Selbst im Sturm mit über 80 Stundenkilometern konnte sie draußen gut schlafen: „Ich habe meine Regenplane extra befestigen müssen, und trotzdem schaukelte meine Hängematte nur sanft. Ich fühle mich in meiner Hängematte total geborgen.“
Engagement für Obdachlose
Sina Schröder ist sich bewusst , dass sie jederzeit wieder im Warmen schlafen könnte und dieses Glück nicht alle Menschen haben. „Es gab diesen Winter 17 Kältetote“, sagt Schröder. „Ich habe den Luxus, eine volle Ausrüstung zu haben, mit der ich auch bei Minusgraden problemlos draußen schlafen konnte.“ Seit der Erkenntnis, dass vernünftiges Material Menschen ohne Zuhause das Leben retten kann, engagiert sich Schröder für Obdachlose und unterstützt ein Projekt, welches aus alten Schlafsäcken, Isolieranzüge für Obdachlose baut.
