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Vogelgrippe Im Kreis Cloppenburg: Schlamperei im Putenstall

23.03.2017

Garrel /Insel Riems Nicht Wildvögel sind für die jüngste Serie von Geflügelpest-Ausbrüchen in der Gemeinde Garrel verantwortlich, sondern Menschen. Das haben Untersuchungen des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) ergeben. „Wir gehen davon aus, dass es Verschleppungen zwischen den betroffenen Betrieben gab“, sagte FLI-Präsident Prof. Dr. Dr. Thomas Mettenleiter auf Nachfrage. Der konkrete Eintragsweg sei zwar noch nicht „gerichtsfest“, so Mettenleiter weiter. Denkbar sei aber ein Virus-Eintrag über Mitarbeiter, Fahrzeuge oder Einstreu.

Bislang hatte das FLI ausschließlich an der sogenannten Wildvogeltheorie festgehalten, laut der infizierte freilebende Vögel den gefährlichen H5N8-Erreger von Stall zu Stall tragen. Im Fall Garrel sprechen die Experten nun erstmals von Schlampereien bei den Biosicherheitsmaßnahmen in den betroffenen Betrieben. Da gelte es nachzubessern, sagte Mettenleiter am Institutssitz auf der Insel Riems. Er verwies auf eine knapp 100 Punkte umfassende Checkliste des FLI für Tierhalter.

Die aktuelle Geflügelpest-Epidemie sei „die größte jemals beobachtete Ausbruchsserie in Deutschland“, so Mettenleiter. Allein in Niedersachsen sind bereits mehr als 620.000 Tiere wegen Vogelgrippe-Verdachts getötet worden, teilte die Kontrollbehörde Laves in Oldenburg auf Nachfrage der NWZ mit. Demnach konnte H5N8 landesweit bislang in 37 kommerziellen Betrieben nachgewiesen werden. 24 dieser Betriebe liegen im Landkreis Cloppenburg, 17 davon in der Gemeinde Garrel.

Mit Blick auf den Kreis Cloppenburg, wo 13,2 Millionen Geflügeltiere gehalten werden, wirbt das FLI dafür, „Risikogebiete“ zu identifizieren und dies bei der Genehmigung von Stallbauten zu berücksichtigen. „Es muss darüber nachgedacht werden, ob eine solche Massierung künftig vermieden werden sollte“, so Mettenleiter.

Der Landkreis Cloppenburg wies die aktuelle FLI-Kritik an den Tierhaltern am Mittwoch zurück. „Das FLI stochert im Nebel“, hieß es in einer Pressemitteilung. Es sei „einseitig, nicht abschließend und zu kurz gegriffen“, die Übertragung auf lückenhafte Biosicherheitsmaßnahmen zurückzuführen.

Karsten Krogmann Redakteur / Reportage-Redaktion
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