Bookholzberg/Im Nordwesten - Es ist eine ganz hinterhältige, perfide Masche, die derzeit auch im Nordwesten Hochkonjunktur hat: die sogenannten Schockanrufe. Nachdem zuletzt mehrere Fälle aus der Stadt Oldenburg, dem Landkreis Ammerland und den Städten Elsfleth (Kreis Wesermarsch) und Aurich bekannt geworden waren, meldete sich nun ein älterer Leser aus Bookholzberg (Gemeinde Ganderkesee) bei der NWZ, der am Dienstagnachmittag gemeinsam mit seiner Frau ebenfalls so einen betrügerischen Anruf erhalten hatte. „Wir haben zwei Nächte nicht geschlafen“, sagte er.
Am Telefon zu hören gewesen sei eine laut weinende, wimmernde Frauenstimme, die fürchterlich geschrien habe: „Papa, Papa hilf mir...“ Danach habe ihm und seiner Frau, die über Lautsprecher mithörte, eine ältere, sehr herrische Frauenstimme, die sich als jemand von der Polizei Göttingen ausgab, gesagt, dass seine Tochter an einer Kreuzung einen schweren Verkehrsunfall verursacht habe, so der Leser. Dabei habe sie eine junge Radfahrerin getötet, die zwei kleine Kinder hinterlassen habe, darunter einen Säugling.
Schweigevereinbarung
Als der geschockte Leser seine in Göttingen lebende Tochter sprechen wollte, hieß es, diese werde gerade vernommen. Es müsse als erstes eine Schweigevereinbarung gemacht werden, dass kein Dritter hinzugezogen werde, sonst „müssen wir nämlich die Presse verständigen“. Sie wolle nun seine Daten und die seiner Frau haben.
Plötzlich sagte die Anruferin, die Tochter sei festgenommen worden. Sie sei mit einer Kaution von 86 000 Euro freizukriegen. Sie könnte es aber regeln, dass das Geld an die Polizei in Oldenburg überwiesen werde. Skurril: Nun gab sich die Frau auf einmal als Hauptkommissarin der Polizei in Oldenburg aus, nannte einen Namen, ihre Dienststelle (Friedhofsweg) und ihre Telefonnummer.
Anruf bei Polizei
Als der Leser kritische Nachfragen stellte, reagierte die Frau zunehmend genervt und barsch, verstrickte sich in Ungereimtheiten, ehe der Mann das Gespräch beendete. Die Polizei in Göttingen bestätigte ihm im Anschluss am Telefon, dass es sich um einen Fake-Anruf gehandelt habe. Es habe keinen solchen Unfall gegeben, und es gebe in so einem Fall auch keine Kautionspflicht. Es würde dann auch nicht einfach jemand festgenommen werden. Wenn etwas in diesem Ausmaß passiert wäre, würde die Polizei zudem zu Hause vorbeikommen und sich anmelden. Der Bookholzberger erstattete Anzeige. Seine Frau erreichte schließlich auch telefonisch die gemeinsame Tochter, die wie ihr Mann und die Kinder wohlauf war.
Die Polizei warnt vor solchen Schockanrufen. Diese gelten als Variante des sogenannten Enkeltricks. Auf keinen Fall dürfe man sich auf Zahlungen einlassen und müsse das Gespräch sofort beenden, heißt es von Seiten der Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt/Ammerland.
