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NWZonline.de Region

Seenotretter fischen Chefredakteur aus der See

31.05.2017

Von Hooksiel nach Helgoland. Einen Tag lang bin ich Mitglied oder besser Gast auf dem Seenotkreuzer "Vormann Steffens", der in Hooksiel stationiert ist.

Um 8 Uhr geht es am heutigen Dienstag in Hooksiel los. Die NWZ führt an diesem Tag eine Art Bordbuch. Es gibt auf der Facebook-Seite von NWZonline.de Livevideos und immer wieder Aktualisierungen. Geplant ist auch gegen 16 Uhr eine Übungsrettung auf offener See. Also immer wieder reinschauen.

Das Bordbuch: Festgemacht vor Helgoland

18.30 Uhr: Mit ruhiger Hand steuert Nautiker Michael die „Vormann Steffens“ an die Anlegestation in Hooksiel. Die Seenotretter-Crew um Vormann Dirk kann durchatmen. Feierabend haben sie an Bord aber nie. Wann immer der Alarm losgehen sollte, müssen die vier Männer hellwach sein. Da es am Hafen keine Unterkunft gibt, leben, wohnen, essen und schlafen die Männer an Bord. Etwas fernsehen, reden. So werden sie den Abend verbringen, bis es in die Kojen geht. Das Boot haben sie direkt nach dem Anlegen abgespritzt, um das Salzwasser von Deck zu entfernen.

Die NWZ-Mannschaft geht von Bord. Danke Dirk, Michael, Gerd und Andreas. Danke, dass ihr und alle Seenotretter tagtäglich Euren Mann steht. Wäre ich ein Seemann, ich könnte nach diesem Tag noch ruhiger schlafen.

16.30 Uhr: Mann über Bord. Vormann Dirk zieht mir den Überlebensanzug an. Das Tochterboot Adele ist zu Wasser gelassen worden. Unter dem Vollanzug habe ich meine komplette Kleidung, bis auf die Schuhe, an. Der Anzug ist direkt mit den Stiefeln verbunden. „Jetzt einfach springen“, sagt Maschinist Gerd. Ja klar, einfach springen, das sind bestimmt ein bis eineinhalb Meter.

Dann der Sprung, die Rettungsweste bläst sich sofort auf und drückt meine Wangen zusammen. Der Anzug füllt sich mit Luft und ich treibe im Wasser wie ein Stück Holz. Dazu mache ich ein Livevideo. Schlechte Idee, denn Andreas, der das Tochterboot steuert, benötigt eigentlich keine Hilfe. Ich halte indes in einer Hand das Smartphone und rudere lediglich mit einer Hand. So funktioniert indes meine Rettung nicht. Ich lasse das Smartphone, Smartphone sein, rudere zu Dirk, der mich mit voller Kraft ins Boot zieht. Was für eine Kraftanstrengung (80 Kilo). Aber: gerettet. Und sogar trocken, nachdem ich den Anzug ausgezogen habe. Lediglich die Föhnfrisur ist ruiniert.

13.30 Uhr: In einer halben Stunde geht es wieder zurück nach Hooksiel. Zeit aber noch für einen kurzen Besuch bei Edda Karhof. Sie lebt seit 1968 auf Helgoland und ist eigentlich schon genauso lange ehrenamtliche Mitarbeitern der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Edda Karhof betreut 70 Sammelschiffchen auf der Insel, jene Spendenboxen mit denen die DGzRS im vergangenen Jahr fast eine Million Euro eingenommen hat. Natürlich kommt diese Summe nicht allein auf Helgoland zusammen. Insgesamt gibt es verteilt über die gesamte Welt (einige Sammelschiffchen reisen per Schiff) 14.000 Spendenboxen.

Edda Karhof. Foto: Reckermann

Edda betreut auf Helgoland außerdem die DGzRS-Ausstellung im Rettungsschuppen direkt am Hafen. Sie zeigt interessierten Urlaubern auch kurze Filme. Edda Karhof ist ein Original. Sie ist als 1968 als Krankenschwester auf die einzige deutsche Hochseeinsel gekommen. Inzwischen ist sie im Ruhestand. Aber nur als Krankenschwester. Als Seenotretter-Botschafterin ist sie quasi täglich unterwegs. Ihren Rettungsschuppen öffnet sie übrigens jeden Freitag und Samstag für die interessierten Helgoland-Gäste.

10.20 Uhr: Festgemacht im Südhafen von Helgoland. Azubi-Hauke hat wieder Farbe im Gesicht. Die Mannschaft macht jetzt Pause. Ein Crewmitglied muss an Bord bleiben. Drei dürfen von Bord gehen, sich die Beine vertreten oder einkaufen. Sollte es einen Notfall geben, werden umgehend alle alarmiert.

Besondere Vorkommnisse bislang: keine.

9.45 Uhr: Die See wird wieder ruhiger, Wind schwach umlaufend. Ankunft Helgoland gegen 10.15 Uhr. Wir fahren an großen Frachtschiffen und einsamen Seglern vorbei. Die Wettervorhersage hat gesagt, dass der Wind zum Nachmittag dreht und dann auf 4 bis 5 geht. Dirk gibt aber Entwarnung. „Aufkommender Wind bedeutet nicht sofort große Wellen.“

Die Crew ist übrigens 14 Tage an Bord, schläft auch auf der „Vormann Steffens“ und hat dann 14 Tage frei. An Bord sind immer zwei Nautiker und zwei Maschinisten.

Azubi Hauke bei der Arbeit.

8.45 Uhr: Das Wetter wird trüber, Windstärke 3, leichter Wellengang. Ich muss mich schon etwas konzentrieren auf die Schaukelei. Für die 4-Mann-starke Crew ist die See „Ententeich“, wie es Michael sagt. An Bord sind noch Andreas und Gerd. Unserem Mediengestalter-Azubi Hauke wird es gerade schlecht. „Macht man keine Witze drüber“, sagt Vormann Dirk.

Vormann Dirk im unteren Fahrstand.

7.55 Uhr: Abfahrt von Hooksiel Richtung Helgoland. Vormann Dirk nimmt Kurs auf Deutschlands einzige Hochseesiel. „Es ist etwas diesig“, sagt Dirk. Dennoch: blauer Himmel ruhige See. Wir steuern Helgoland an, um den Posten auf Helgoland zu besetzen. Dort ist eigentlich der größte deutsche Seenotkreuzer, die „Hermann Marwede“ stationiert. Die geht aber meist am Dienstag auf Fahrt nach Cuxhaven, um Proviant aufzunehmen und die Besatzung zu wechseln.

Das Schiff

Seenotrettungskreuzer Vormann Steffens der (DGzRS) und Tochterboot Adel

Die "Vormann Steffens" gehört zur 27,5-Meter-Klasse. Gebaut wurde sie 1989 bei der Schweers-Werft in Bardenfleth an der Unterweser. Ihr Tochterboot trägt den Namen Adele. Der Seenotkreuzer wurde 1989 in Dienst gestellt. Er ist im Außenhafen von Hooksiel stationiert. Ihr Einsatzgebiet erstreckt sich über die Außenjade bis in die Deutsche Bucht.

Lars Reckermann Chefredakteur / Chefredaktion
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