Im Nordwesten - Distanz von Freunden, Onlinevorlesungen oder -unterricht und den Nebenjob verlieren: Jugendliche und junge Erwachsene haben mit den Folgen der Corona-Maßnahmen besonders zu kämpfen. Während sie in der Schule, Uni oder bei der Arbeit funktionieren müssen, befindet sich das Privatleben im Stillstand. Auch müssen sie mit Zukunftssorgen und großer Ungewissheit umgehen. Acht junge Leute aus der Region erzählen von den größten Veränderungen während des Lockdowns und ihren Gedanken über die Zukunft.
Aaron Ahrens, Graf-Anton-Günther-Schule in Oldenburg: „Auslandsaufenthalt nicht mehr sicher“
Aaron Ahrens / Bild: privat
Ich mache mir sehr, sehr viele Gedanken um die Zukunft. Vor dem Lockdown hatte ich klare Perspektiven: Ich verdiene in der Schulzeit viel Geld, um dann nach dem Abitur ins Ausland zu gehen. Dank Corona kann ich meinen Nebenjob als Kellner seit November nicht mehr ausführen und auch der Auslandsaufenthalt ist nicht mehr sicher. Es gilt, sich entweder in Geduld zu üben oder sich spontan umzuorientieren. Keine einfache Situation.
Sophie Linsel, Graf-Anton-Günther-Schule in Oldenburg: „Viele Nebenjobs fallen aus“
Sophie Linsel / Bild: privat
Bezogen auf die Zukunft macht man sich schon Sorgen, oder ärgert sich gerade. Ein lange geplanter Aufenthalt im Ausland erscheint momentan undenkbar; ich will nicht ein Jahr und auch viel Geld aufwenden, nur um in einem anderen Land nichts erleben zu können, das ist ja nicht Sinn der Sache. Zum Studium möchte ich gerne ausziehen. Um das finanzieren zu können, brauchen die meisten aber einen Nebenjob. Ohne geöffnete Restaurants, Cafés oder Läden fallen da gerade viele aus, da fragt man sich schon, ob man es sich überhaupt leisten kann, ein Studium anzutreten.
Finn Wienholz, Graf-Anton-Günther-Schule in Oldenburg: „Studiumsbeginn ohne persönlichen Austausch?“
Finn Wienholz / Bild: privat
Einen Studienbeginn sehe ich im Moment kritisch: Wenn ich anfange, würde ich schon gerne in Lerngruppen sein und mich mit anderen austauschen können. Das ist im Moment natürlich schwierig. Ich habe noch den Plan, im Januar nächsten Jahres für einige Zeit ins Ausland zu gehen und auch, wenn ich optimistisch bin, mache ich mir schon Gedanken, was für Alternativen ich habe.
Annika Honecker, Auszubildende bei Borrek Design in Bookholzberg: „Weiterbilden, Studium oder etwas Eigenes aufbauen?“
Annika Honecker / Bild: Sebastian Weiss
Werde ich die gleichen Freiheiten wie früher haben? Man fragt sich, wie es für einen weitergehen kann: Ob man sich weiterbilden, ein Studium daran hängen oder sich ganz was Eigenes aufbauen soll. Um meinen Beruf habe ich jetzt kaum Angst, weil man ihn online ausüben kann.
Merle Kastens, arbeitet bei der Straschu Holding in Stuhr: „Aus Gedanken möchte man Pläne schmieden“
Merle Kastens / Bild: privat
Durch denn Lockdown habe ich viel Zeit gewonnen, mir Gedanken über meine Zukunft zu machen. Ein Widerspruch in sich: Aus Gedanken möchte man Pläne schmieden – und das ist bei solch ungewissen Entwicklungen in allen Bereichen des Lebens nicht einfach. Da ist dann Flexibilität und Mut gefragt. Ich persönlich suche nach Möglichkeiten, meine Zukunft mit bewussten Schritten zu gestalten, die ich jetzt schon gehen kann: z. B. im beruflichen Kontext mit Online-Weiterbildungen. Unsere Zukunft können wir auf vielfältigen Wegen selbst gestalten, ob mit oder ohne Lockdown.
Steven Brauckmueller, arbeitete vor Corona bei Mercedes in Bremen, jetzt vorübergehend bei der Post: „Sorgen um den Arbeitsplatz“
Steven Brauckmueller / Bild: privat
Auf jeden Fall mache ich mir Gedanken um meinen Arbeitsplatz. Wegen Corona habe ich meinen Job verloren, da Stellen abgesetzt werden mussten. Ich habe mich da auch ehrlich gesagt davor nie so richtig damit mit befasst. Ich meine, so große Angst habe ich jetzt nicht, aber würde ich jetzt eine eigene Wohnung haben und Miete zahlen müssen, dann wäre das natürlich etwas anderes.
Melina Stürken, Duale Studentin bei der K&O Steuerberatungsgesellschaft in Hude: „Welchen Weg möchte ich gehen?“
Melina Stürken / Bild: privat
Da ich noch relativ am Anfang meiner beruflichen Laufbahn stehe, mache ich mir auch unabhängig von der Corona- und der Lockdown-Situation Gedanken darum, welchen Weg ich bezüglich meiner beruflichen Perspektiven gehen möchte. Aufgrund meines dualen Studiums im Bereich der Steuerberatung kann ich momentan jedoch relativ glücklich sagen, dass die negativen Folgen des Lockdowns auf die berufliche Zukunft hier bisher keine Spuren hinterlassen haben. Im Gegenteil – die zu erledigenden Aufgaben haben sich eher gehäuft, als dass keine Arbeit da war.
Inger Jacobsen, Duale Studentin bei der Stadt Oldenburg: „Sorge, dass mir meine zwanziger Jahre ,weggenommen’ werden“
Inger Jacobsen / Bild: privat
Ich mache mir weniger Sorgen um meine finanzielle Zukunft als um meine kulturelle Zukunft. Durch mein duales Studium im öffentlichen Dienst befinde ich mich bereits jetzt in einem Beamtenverhältnis, sodass mir ein sicherer Job außerhalb der kriselnden freien Wirtschaft nach dem Studium garantiert ist. Ich habe eher Sorge davor, dass es nie wieder so wird wie früher und mir meine zwanziger Jahre „weggenommen“ werden, besonders, weil man gerade nicht ausgehen kann und Besserung nicht in Sicht ist.
