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NWZonline.de Region

24 Stunden täglich im Einsatz gegen die Einsamkeit

01.12.2014
Frage: Für viele Menschen beginnt jetzt nicht nur eine Zeit der Vorfreude auf Weihnachten, sondern vier Wochen vorweihnachtlicher Stress. Merken Sie das bei Ihrer Arbeit in der Telefonseelsorge?
Schmidt-Möck: Das wäre schön, wenn die Adventszeit tatsächlich eine Zeit der Vorfreude wäre. Die Erfahrung der Telefonseelsorge zeigt jedoch, dass es eher eine Zeit der Hektik ist. Das führt dazu, dass die Adventszeit nicht mehr in ihrem eigentlichen Sinn wahrgenommen wird.
Frage: Wie sieht das in Ihrem Team aus? Sind da die Anforderungen vor Weihnachten besonders hoch?
Schmidt-Möck: Die Anforderungen an die Telefonseelsorge sind generell sehr hoch. Wir telefonieren rund um die Uhr und führen allein in Oldenburg täglich etwa 40 Gespräche. Das lässt sich in der Vorweihnachtszeit kaum noch steigern. Wir erleben auch außerhalb der Adventszeit täglich, dass die seelische Not der Menschen groß ist. Auch materielle Sorgen und Nöte sind in einer scheinbar reichen Gesellschaft größer als wir oft wahrhaben wollen.
Frage: Wie kommt es, dass Menschen vor Festen wie Weihnachten so stark unter Leistungsdruck stehen?
Schmidt-Möck: Zum einen leben wir in einer Gesellschaft, in der vor allem diejenigen Menschen Anerkennung finden, die als leistungsfähig gelten und gut dastehen. Viele nehmen dann den Leistungsanspruch und die Spannung aus dem Beruf mit in den privaten Bereich. Und außerdem leben wir in einer Konsumgesellschaft. Da gelten diejenigen besonders viel, die sich etwas leisten können.

Rund um die Uhr kostenlos erreichbar

Gerd Schmidt-Möck (66) leitet die Telefonseelsorge in Oldenburg seit 2001. Er koordiniert die Arbeit der insgesamt 90 ehrenamtlichen Mitarbeiter, die täglich 24 Stunden qualifizierten Dienst leisten – und das an 365 Tagen im Jahr unter Telefon   0800-111 0111 (gebührenfrei).

    www.kirche-oldenburg.de

Frage: Gibt es „Tricks und Mittel“, die Adventszeit etwas gelassener anzugehen?
Schmidt-Möck: Das ist nicht leicht. Gelassenheit ist ja eine Frage der inneren Einstellung und der Sichtweise auf das Leben. Das kann vielleicht gelingen, wenn man sich Zeit nimmt und mal weniger macht und tut als man meint, zu müssen. Aber das fällt vielen nicht leicht.
Frage: Was raten Sie als erfahrener Seelsorger Familien zum Weihnachtsfest?
Schmidt-Möck: Ich glaube, da können wechselseitige Anerkennung und Wertschätzung einiges bewirken. In der Telefonseelsorge machen wir die Erfahrung, dass Beziehungen nur mit Wertschätzung und Anerkennung gelingen. Und dabei ist Zeit und Aufmerksamkeit für den anderen vielleicht das größte und schönste Geschenk. Außerdem möchte ich daran erinnern, dass Weihnachten ja eigentlich das Fest des Kleinen, des Nichtfertigen und des Ohnmächtigen ist – also ein Fest der Kinder. Vielleicht wäre es unter diesem Gesichtspunkt gut, wenn wir zu Weihnachten das Kind in uns selbst wieder entdecken.
Frage: Für Sie selber geht in den kommenden Wochen ein langes Berufsleben als evangelischer Pastor und Seelsorger zu Ende. Mit welchen Erfahrungen und Gefühlen gehen Sie in den Ruhestand?
Schmidt-Möck: Ich war und bin gern Pastor. Das ist ein Beruf, in dem man den Menschen und dem Leben sehr nahe ist mit allen Höhen und Tiefen. Dennoch gibt es durchaus Gefühle der Besorgnis. In den letzten Jahren ist der Verwaltungsanteil erheblich gestiegen und gesellschaftlich hat die Bedeutung des Glaubens und der Kirche abgenommen. Ich wünsche mir eine Kirche des offenen Gesprächs und mit einer besonderen Kultur der Anerkennung und gegenseitigen Wertschätzung.
Frage: Seit vielen Jahren leiten Sie mit der Telefonseelsorge eine ganz besondere Einrichtung, in dem ehrenamtliche Mitarbeiter eine bemerkenswerte Leistung bringen.
Schmidt-Möck: Die Zeit in der Telefonseelsorge war für mich eine richtig gute Zeit. Ich bewundere die ehrenamtlichen Mitarbeiter für den Einsatz und die Zuverlässigkeit, mit der sie ihre Dienste wahrnehmen, sich Zeit nehmen, anderen zuzuhören. Es hat mich immer wieder überrascht, wie engagiert diese Ehrenamtlichen sind.
Frage: Wie hat sich die Arbeit der Telefonseelsorge im Laufe der Jahre verändert?
Schmidt-Möck: Im Grunde sind die Nöte gleich geblieben. Mich beschäftigt aber sehr, dass die Einsamkeit so stark zunimmt. Dabei sind nicht nur Menschen betroffen, die alleine sind. Und das ist auch keine Frage des Alters.
Jürgen Westerhoff Redakteur / Regionalredaktion
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