[SPITZMARKE]HANNOVER - HANNOVER/DPA - Patientenverbände fordern ein Landesgesetz, um die Zahl der Organspenden zu erhöhen. In allen Kliniken mit Intensivstation sollten Transplantationsbeauftragte benannt werden, die auf die Einhaltung der Regeln bei einer Organspende achteten, sagte ein Sprecher zum Tag der Organspende an diesem Sonnabend.
Ärzte der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) bezeichneten die Situation als dramatisch. „Wir haben viel zu wenig Organe für viel zu viele Patienten“, sagte der Direktor der Abteilung Transplantationschirurgie, Prof. Jürgen Klempnauer. So warteten in Deutschland 11 000 Menschen auf eine neue Niere, jährlich könnten aber nur 2500 Operationen ausgeführt werden. Die Wartezeit betrage etwa fünf Jahre.
Als weltweit größtes Lungentransplantationszentrum verpflanze die MHH jährlich rund 100 Lungen. „Trotzdem stirbt jeder fünfte auf der Warteliste“, sagte der Herzchirurg Prof. Axel Haverich. Bei Herztransplantationen seien drei Viertel der Patienten Notfälle von höchster Dringlichkeit. „Allein diese Woche haben wir vier Kunstherzen eingebaut, weil keine richtigen Herzen verfügbar waren.“ Dies sei für die Patienten nur eine kurzfristige Lösung und deshalb eine hohe Belastung.
Die Zahl der Organspender sei in Niedersachsen leicht von 94 im Jahr 2004 auf 92 im Jahr 2005 gesunken, sagte Nils Frühauf von der Deutschen Stiftung Organtransplantation. Dies seien statistisch 11,5 Organspender pro eine Million Einwohner. Damit liege Niedersachsen im Vergleich der Bundesländer auf dem drittletzten Platz.
