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NWZonline.de Region

Einsatz: Starke Frauen gehen durchs Feuer

08.05.2014

Köterende /Horstedt Mit aller Kraft zieht Anke Fahrenholz an der 190 Kilogramm schweren Pumpe: Die Tragkraftspritze sieht aus wie eine Mischung aus Rasenmäher und Feuerhydrant. Die Anstrengung ist Fahrenhorst anzumerken. Sie stoppt kurz, setzt die Hände um und fängt wieder an zu ziehen. Langsam setzt sich das rote Metallmonster in Bewegung. Hat sie als Frau einfach nicht genug Muskelkraft? „Allein kann ich die jetzt nicht ganz rausholen und aufbauen, aber ein Mann könnte das auch nicht allein. Dazu sind so oder so vier Personen nötig“, sagt Fahrenholz. Sie ist stellvertretende Ortsbrandmeisterin der Freiwilligen Feuerwehr Horstedt (Landkreis Verden), eine von nur wenigen Frauen in einer Führungsposition bei der Feuerwehr.

Seit zwei Jahren ist die 46-Jährige außerdem Landesjugendfeuerwehrwartin beim Landesfeuerwehrverband Niedersachsen. Auch hier zeichnet sich ein klares Bild ab: 17 Personen umfasst der Vorstand des Verbandes zurzeit. Fahrenholz ist eine von nur zwei Frauen, neben ihr hat Karla Weißfinger im Vorstand das Amt der Landesfrauensprecherin inne. „Unter den 16 Landesjugendfeuerwehrwarten der verschiedenen Bundesländer bin ich sogar die einzige Frau“, berichtet Anke Fahrenholz weiter.

Frauen in der Unterzahl

Bei der Feuerwehr ist der Anteil von weiblichen Einsatzkräften immer noch gering – auch heute, 36 Jahre nach der Änderung des Niedersächsischen Brandschutzgesetzes, die es Frauen seit 1978 ermöglicht, in der Feuerwehr aktiv zu sein. Insgesamt 126 872 Personen waren 2012 bei den Freiwilligen Feuerwehren in Niedersachsen aktiv. Nur 12 657 von ihnen sind weiblich, das sind nur knapp zehn Prozent.

Bei den Berufsfeuerwehren liegt die Quote sogar noch niedriger, unter 1967 Aktiven waren nur 37 Frauen, das entspricht nur fast zwei Prozent. „Es besteht also noch ein unheimliches Steigerungspotenzial“, sagt Anke Fahrenholz.

Dabei stünden Frauen ihren männlichen Kollegen bei der Feuerwehr in nichts nach, findet sie. „Es gibt keine Arbeiten oder Aufgaben bei der Feuerwehr, die Frauen nicht übernehmen können“, sagt die Brandmeisterin. Dem stimmt auch Hauptfeuerwehrfrau Dagmar Schwarting von der Freiwilligen Feuerwehr Köterende (Gemeinde Berne/Landkreis Wesermarsch) zu. „Bei manchen Aufgaben kommt es zwar schon auf die körperliche Konstitution an, wenn es darum geht, schwere Geräte zu tragen oder ähnliches. Aber es gibt schließlich auch Männer, die klein und schmächtig sind“, sagt die 33-Jährige bestimmt.

Routiniert hebt Oberfeuerwehrfrau Insa Gloystein den schweren Feuerwehrschlauch aus dem Unimog der Freiwilligen Feuerwehr Köterende und rollt ihn ab – ein solcher Schlauch kann bis zu 16 Kilogramm wiegen. Dagmar Schwarting befestigt ihn mit sicheren Handgriffen an der Pumpe. „Außerdem gibt es verschiedene Positionen und unterschiedliche Aufgaben, da wird dann schon geguckt, wer was am besten kann“, fügt Gloystein hinzu. „Man weiß ja auch, wer welche Ausbildung hat, dementsprechend werden die Aufgaben verteilt“, sagt Fahrenholz, die als stellvertretende Ortsbrandmeisterin Einsätze der Freiwilligen Feuerwehr in Horstedt koordiniert.

Die Ausbildung ist für Männer und Frauen identisch. „Auf den Lehrgängen wird da nicht unterschieden, alle müssen die gleichen Aufgaben bewältigen“, berichtet Inge Heidenreich, Oberfeuerwehrfrau in Köterende.

Obwohl die Feuerwehrstationen in Köterende und in Horstedt eher zu den Kleineren gehören, scheint bei der Feuerwehr doch alles klobig und gewichtig zu sein. Sogar die Kleidung sieht an den Frauen schwer und unförmig aus. „Die Jacken sind natürlich alle für Männer geschnitten, denen passen sie erheblich besser“, sagt Fahrenholz.

Doch trotz ihrer Unförmigkeit behindert die Jacke Fahrenholz nicht beim Einsatz – ganz im Gegensatz zu den üblichen Schutzhandschuhen. „Wir sind froh, dass wir Frauen hier inzwischen diese etwas kleineren Handschuhe haben“, sagt sie und holt die immer noch groß wirkenden schwarzen Handschuhe aus ihrem Fach an der Wand, an der die Einsatzkleidung hängt. Sie zieht sie über die Hand und macht eine Faust, um den Sitz der Handschuhe zu demonstrieren. „Die normalen Handschuhe sind viel zu groß, damit hatte man keinen sicheren Griff“, erklärt die Brandmeisterin.

Jeder Handgriff sitzt

Obwohl Dagmar Schwarting, Insa Gloystein, Inge Heidenreich und Anke Fahrenholz nicht gerade wie Bodybuilderinnen aussehen, wuchten sie die schwere Ausrüstung ganz selbstverständlich. Gekonnt bugsiert Inge Heidenreich auch das rote Löschfahrzeug durch das im Vergleich zum Auto recht klein wirkende Tor der Feuerwehrstation Köterende.

Dennoch mussten sich die jungen Frauen gegenüber ihren männlichen Kollegen erstmal beweisen. „Eine leichte Skepsis gab es da bei den Männern schon“, sagt Inge Heidenreich als sie sich an ihre Anfangszeit bei der Feuerwehr erinnert. „Aber als wir dann länger dabei waren, hat sich das schnell gelegt“, sagt die 33-Jährige weiter. „Als die Kollegen gemerkt haben, dass keine von uns Angst hat, sich schmutzig zu machen, haben sie uns schnell akzeptiert“, sagt Insa Gloystein.

Mehr Selbstbewusstsein

Das kennt auch Anke Fahrenholz noch gut aus ihrer Anfangszeit. „Gerade bei Wettbewerben und Übungen haben die männlichen Kollegen bei mir schon genauer hingeschaut, nach dem Motto mal gucken, wie sie reagiert, ob sie Angst zeigt“, erinnert sie sich. „Mich hat das dann eher angespornt“, betont sie.

Doch Frauen müssen sich bei der Feuerwehr schon ein dickeres Fell zulegen. „Sie müssen ein gewisses Selbstbewusstsein mitbringen. Ich selbst bin relativ kritisch und sage meine Meinung. Ich habe im Vorstand noch nicht festgestellt, dass ich als Frau anders behandelt werde“, sagt die 46-Jährige. „Es wird zwar immer noch gewitzelt und gescherzt, aber inzwischen wissen wir, miteinander umzugehen. Da kriegen auch die Männer bei uns ihr Fett weg“, sagt dagegen Dagmar Schwarting und lacht.

Mit ihrem ganzen Körper stemmt sich Anke Fahrenholz gegen die Tragkraftspritze und schiebt sie zurück ins Fahrzeug. Dann zieht sie die Jacke aus, hängt sie wieder in den Schrank und legt auch die Schutzhandschuhe dazu. In der Feuerwehrwache hat jedes Stück seinen angestammten Platz. Denn im Ernstfall muss es schnell gehen. Und egal ob Mann oder Frau, wenn die Sirene schrillt oder der Handyalarm losgeht, setzt bei den Brandbekämpfern ein Adrenalinschub ein.

Merle Ullrich Brake / Redaktion Brake
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