Im Nordwesten - Umgestürzte Bäume, umherfliegende und auf Straßen liegende große Äste, überflutete Straßen, vollgelaufene Keller und Probleme im Bahn-Verkehr: Sturmtief „Zoltan“ hat kurz vor Weihnachten in Niedersachsen für viele Feuerwehreinsätze gesorgt und Zugreisende am Donnerstag und Freitag auf die Geduldsprobe gestellt. Einige Bahnstrecken waren vorübergehend ganz gesperrt. Bei Hagelschauern passierten zudem Glätteunfälle auf den Straßen. Für die Nordseeküste warnten Experten vor einer Sturmflut.
Aber auch im niedersächsischen Binnenland steigen die Pegel vieler Flüsse. Der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) rechnet mit einer landesweiten Verschärfung der Hochwasserlage über die Weihnachtsfeiertage. In den kommenden Tagen sollen laut Prognose landesweit weitere Niederschläge zu einem deutlichen Anstieg der Wasserstände führen.
An vielen Pegeln werde die höchste Meldestufe überschritten, warnte die Behörde. Dann dürften örtlich größere Flächen überschwemmt werden und auch einzelne Grundstücke, Straßen und Keller volllaufen. Am Freitagnachmittag galt bereits die Meldestufe 3 (Großes Hochwasser) für die Flussgebiete Aller, Oker und Leine, die Leine von Herrenhausen bis zur Allermündung, für die Aller von Brenneckenbrück bis zur Wesermündung sowie für die Weser, untere Leine und untere Aller. Das Hochwasser an den großen Flussläufen wie Weser, Aller und Leine habe eine steigende Tendenz, hieß es.
Chaos bei der Bahn
Sturmtief „Zoltan“ wirbelt auch die Weihnachtsreisepläne vieler Bahnkunden kräftig durcheinander. Wegen Sturmschäden kommt es am Freitag zu Verspätungen und Zugausfällen im bundesweiten Fernverkehr der Deutschen Bahn, wie die Bahn auf ihrer Internetseite mitteilte. Bahnstrecken im Norden seien besonders stark betroffen. Zu Ausfällen oder Verspätungen könne es auch auf den Verbindungen zwischen Hamburg und Frankfurt sowie Hamburg und München kommen, zudem könnten einige Halte entfallen.
Vor allem in Norddeutschland, aber auch in Teilen Hessens, beschädigten umgestürzte Bäume Oberleitungen oder blockierten Strecken. „Die DB ist mit schwerem Gerät im Einsatz, um die Strecken schnellstmöglich wieder freizubekommen. Sämtliche Räumtrupps sind mit Reparaturfahrzeugen unterwegs, um etwa Bäume aus Gleisbereichen zu beseitigen und Oberleitungen zu reparieren“, sagte eine Bahn-Sprecherin.
Das Unternehmen empfiehlt seinen Fahrgästen, sich vor Antritt ihrer Reise in der Fahrplanauskunft in der App „DB Navigator“ oder auf bahn.de zu informieren. Alle Fahrgäste, die am Freitag ihre geplante Reise wegen des Sturmtiefs verschieben müssen, können ihr Ticket laut Bahn zu einem späteren Zeitpunkt nutzen. Die Zugverbindung ist aufgehoben. Das Ticket gelte für die Fahrt zum ursprünglichen Zielort, auch mit einer geänderten Streckenführung. Sitzplatzreservierungen können kostenlos storniert werden. Auf Twitter informieren sowohl die Deutsche Bahn wie die Nordwest-Bahn über Verspätungen und Zugausfälle. Aktuelle Verkehrsmeldungen der Bahn finden Sie hier.
Fähre „Spiekeroog IV“ reißt sich in Neuharlingersiel los
In Neuharlingersiel ist eine Fähre über die Kaimauer auf einen Vorplatz geschoben worden. Das Schiff „Spiekeroog IV“ sei am frühen Freitagmorgen durch die enormen Windkräfte des Sturmtiefs „Zoltan“ von den Leinen gerissen worden, teilte die Nordseebad Spiekeroog GmbH als Fährbetreiberin mit. Es sei dann auf eine im Außendeichgelände gelegene überflutete Parkplatzfläche getrieben worden. Die Schiffsmannschaft habe am Abend zwar sorgfältige Sicherheitsvorkehrungen getroffen, unter anderem seien Sturmleinen gesetzt worden. Die Fähre habe sich aber trotzdem gelöst.
Das Schiff sei eine von drei Fähren zur ostfriesischen Insel Spiekeroog, sagte die Geschäftsführerin des Hafenzweckverbandes Neuharlingersiel, Christina Harms. Zudem werde mit „Spiekeroog IV“ normalerweise auch die Fracht gefahren. Verletzt wurde bei der Schiffshavarie laut Harms niemand. Auch Öl oder Diesel seien nicht ausgetreten, so dass es keine Gefährdung für die Umwelt gebe. Laut Reederei werden die Schiffsverbindungen nach Spiekeroog in den Weihnachtsferien und Anfang Januar durch die Schiffe Spiekeroog I und Spiekeroog II weiterhin gewährleistet sein.
Die Polizei Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch gab auf Twitter einen Überblick über die Einsätze der Nacht.
Autofrachter in Emden losgerissen
In Emden hat der Sturm am Donnerstagabend einen 200 Meter langen Autotransporter vom Emskai gerissen. Fünf Schlepper waren anschließend fast vier Stunden lang damit beschäftigt, die mit 3800 Neuwagen beladene „SFL Composer“ wieder an den Kai zu drücken. Über Schäden am Schiff oder an den Kaianlagen war am Freitagvormittag noch nichts bekannt. Wasserschutzpolizei, Mitarbeiter des Hafenbetreibers N-Ports sowie Vertreter der Schiffsagentur prüften am Morgen die Lage.
Sturmflutgefahr an der Nordseeküste
Die schwere Sturmflut in Hamburg hat ihren Scheitelpunkt geschafft und das Wasser läuft nun langsam wieder ab. „Die schwere Sturmflut hat 10.42 Uhr ihren Höchststand am Pegel St. Pauli erreicht. Die Abweichung zum mittleren Hochwasser betrug 3,33 Meter“, sagte eine Sprecherin des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) am Freitagmittag in Hamburg. Damit sei nun auch die Entwarnung für den Bereich herausgegeben worden.
Auch für die ostfriesische Küste sowie das Wesergebiet sagten die Expertinnen und Experten vom BSH am Freitag schwere Sturmfluten vorher. Dort sollen die Hochwasser am Vormittag und Mittag 2,5 Meter bis 3 Meter über dem mittleren Wert liegen. An der nordfriesischen Küste werden Wasserstände von 2 Meter bis 2,5 Meter über dem mittleren Hochwasser erwartet. Als schwer gilt eine Sturmflut ab einem Wasserstand von 2,5 Meter über dem mittleren Hochwasser.
Eine weitere schwere Sturmflut prognostizierte das Bundesamt für Freitagvormittag an Elbe, Weser und Ems. Die Wasserstände werden zwischen 8.00 und 12.00 Uhr voraussichtlich auf mehr als 2,5 Meter über dem mittleren Hochwasser steigen.
In Friesland ist vor allem die Pricke in Dangast von dem Hochwasser betroffen.
Wilhelmshaven wappnet sich für die Sturmflut.
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Land unter: der Großensieler Hafen in Nordenham am Donnerstagabend
Ulrich Schlüter
Wilhelmshaven wappnet sich für die Sturmflut.
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Wilhelmshaven bereitet sich auf die kommende Sturmflut vor.
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Bei Osteel im Landkreis Aurich krachte ein Baum auf die Straße. Ein Autofahrer konnte gerade noch ausweichen.
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An der Braker Kaje zieht der hohe Wasserstand Schaulustige an.
Ulrich Schlüter
An der Braker Kaje zieht der hohe Wasserstand Schaulustige an.
Ulrich Schlüter
An der Braker Kaje zieht der hohe Wasserstand Schaulustige an.
Ulrich Schlüter
Dieser Autofrachter hatte sich in Emden losgerissen.
NonstopNewsWeserfähre am Morgen ausgefallen
Die Weserfähre zwischen Bremerhaven und Nordenham ist am Freitagvormittag wegen Hochwassers ausgefallen. Am frühen Nachmittag konnten die Schiffe wieder regulär fahren, wie das Unternehmen mitteilte. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hatte für das ganze Bundesland eine Hochwasserwarnung ausgesprochen.
Steigende Pegelstände im Kreis Oldenburg
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat eine Warnung über steigende Pegelstände insbesondere der Hunte herausgegeben, meldet die Kreisfeuerwehr Oldenburg. Die Feuerwehren im Landkreis seien vereinzelt im Einsatz, um umgestürzte Bäume von öffentlichen Verkehrswegen zu beseitigen und vollgelaufene Keller auszupumpen.
Die zuständigen Behörden überwachen die Pegelstände der Hunte aufmerksam und bewerten diese. Sollte es zu einem Einsatz der Feuerwehren im Landkreis Oldenburg kommen, stehen mehrere tausend Sandsäcke zur Verfügung.
Räumung in Bremen
In Bremen sollen wegen der vorhergesagten Sturmflut am Freitagmorgen Überschwemmungsgebiete geräumt werden. Betroffen seien von 9.30 Uhr an die Pauliner Marsch, der Bereich Im Suhrfelde, das Parzellengebiet an der Hanseatenkampfbahn in Rablinghausen sowie Teile des Stadtwerders, wie die Feuerwehr der Hansestadt am Donnerstagabend mitteilte. Die Räumung am Freitagmorgen erfolge durch die Polizei. Vom späten Abend an werde auf unterschiedlichen Kanälen gewarnt. Wem es möglich ist, bei Verwandten oder Freunden unterzukommen, der sollte die betroffenen Bereiche vorsorglich schon frühzeitig verlassen, hieß es weiter.
Weihnachtsmärkte
In Bremen und Bremerhaven bleiben zudem die Weihnachtsmärkte geschlossen. Auch in Aurich wird der „Weihnachtszauber“ wegen des Sturms geschlossen. Der Lambertimarkt in Oldenburg bleibt unterdessen geöffnet.
Huntebrücke
Die Huntebrücke (A29) in Oldenburg ist bis Freitag 0 Uhr für Lkw und Pkw mit hohen Aufbauten wegen des Windes gesperrt. Das meldete die Verkehrsmanagement Zentrale für Niedersachsen.
Schwere Sturmschäden auf Wangerooge
Auf Wangerooge hat der Sturm schwere Schäden hinterlassen. Demnach sind circa 95 Prozent des Touristenstrandes (Bade- und Burgenstrand) unterhalb des Café Pudding durch den Sturm vernichtet worden. Der Sand am Strand unterhalb des Platzes am Meer und vom Hotel Gerken bis zum Hundestrand ist quasi völlig von der Nordsee weggespült worden. Dort ist erneut der Steinverguss an der Spundwand des Deckwerkes zutage gekommen. Vom Diggers bis zum Hotel Gerken stehen noch Reste vom Strand, allerdings mit Abbruchkanten über zwei Meter Höhe. Die Gemeinde hat wegen der Absturzgefahr daher alle Überwege gesperrt.
Langeoog verliert Teile des Strands
Teile des Strands auf der ostfriesischen Insel Langeoog sind am Donnerstagabend und Freitagmorgen weggespült worden. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) geht davon aus, dass die Strandaufspülung vor den Dünen vor dem Pirolatal rund 20 Meter Sandkörper verloren hat.
Wälder und Parkanlagen
Gewarnt werde grundsätzlich vor dem Betreten der Wälder und Parkanlagen während es stürmt und unmittelbar danach, teilte die Landeshauptstadt am Donnerstag mit. Darauf wiesen auch die Niedersächsischen Landesforsten hin. „Wen es trotz Wind und Regen vor die Tür zieht, sollte Waldgebiete und die Nähe zu Bäumen meiden“, sagte ein Sprecher. Es könnten jederzeit Äste herabfallen und Baumkronen auseinanderbrechen. Wegen des aufgeweichten Bodens könnten auch ganze Bäume umstürzen. Das gelte auch für die Tage nach dem Sturm.
Wind soll am Freitagnachmittag wieder aufdrehen
Der Deutsche Wetterdienst rechnet für die Nord- und Ostseeküsten für den Freitagvormittag mit Böen mit einer Geschwindigkeit von 90 bis 110 Kilometern pro Stunde, auch noch stärkere Orkanböen sind demnach möglich. Auch dem Rest des Landes macht Sturmtief „Zoltan“ weiterhin zu schaffen. Zwar schwächt sich dort der Wind am Freitag zunächst ab, er frischt jedoch bereits in der zweiten Tageshälfte wieder auf.
Der NLWKN rechnet mit einer landesweiten Verschärfung der Hochwasserlage über die Weihnachtsfeiertage. Das teilte die Behörde am Freitag mit. In den kommenden Tagen sei zudem nahezu flächendeckend mit weiteren Niederschlägen zu rechnen, die zu einem deutlichen Anstieg der Wasserstände führen werde. An vielen Pegeln würde die höchste Meldestufe überschritten. Das bedeute, dass lokal größere Flächen überschwemmt werden könnten wie auch einzelne Grundstücke, Straßen und Keller. Auch an den größeren Flussläufen, wie die Weser, Aller und Leine, bestehe Hochwasser mit steigender Tendenz, hieß es.
