Hesel/Weyhe - Mit Dutzenden Traktoren haben Landwirte am späten Sonntagabend erneut ihren Protest gegen niedrige Preise und Einschränkungen durch die Politik auf die Straße gebracht. Ziele der Aktion waren unter anderem die Aldi-Zentrallager in Hesel (Kreis Leer) und Weyhe (Kreis Diepholz). „Wir sind für regionale Produkte zu fairen Preisen“, sagt Jan-Bernd Stolle. Der 52-jährige Landwirt aus Großenkneten hat sich dem Protest in Weyhe angeschlossen. Discounter wie Aldi würden eine Preisaktion nach der anderen fahren, so der Vorwurf. Einige Landwirte hätten bereits aufgegeben, sagt Stolle. Für das nächste Jahr befürchtet er, dass es noch viele mehr werden könnten.
Die Polizei zählte in Hesel 50 bis 60 Traktoren; in Weyhe waren es am späten Abend knapp 50. Der Protest der Landwirte sei friedlich. Eine geplante Blockade der Einfahrt des Lagers in Weyhe sei zwar geplant gewesen, aber nach Rücksprache mit der Polizei nicht durchgeführt worden.
Nicht nur die niedrigen Preise bedrohten die Existenz der Landwirte in Deutschland, so Stolle. Auch die Maßnahmen gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) und das Coronavirus verschärften die Lage. „Die Verarbeitungskapazitäten müssen vorrangig inländischen Agrarprodukten vorbehalten werden, solange es in den Schlachtereien – ob ASP- oder coronabedingt - Kapazitätseinschränkungen gibt“, heißt es deshalb in einer Mitteilung der Bewegung „Land schafft Verbindung Deutschland“ zur Begründung der Proteste.
„Wir müssen die Verbraucher auf unsere Seite bekommen“, sagt Jan-Bernd Stolle. Von Seiten der Politik nehme er immer wieder Betroffenheit angesichts der Lage der Landwirte wahr – es passiere aber nichts. Die Landwirte seien entschlossen, weiter zu protestieren. Denn es gehe um ihre Existenz. „Zu diesen Bedingungen können wir hier nicht mehr produzieren“, sagt Stolle.
