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NWZonline.de Region

Tierische Aufzucht: Der mit dem Wolf balgt

30.05.2014
NWZonline.de NWZonline 2015-07-23T13:24:50Z 280 158

Tierische Aufzucht:
Der mit dem Wolf balgt

Dörverden/Bad Zwischenahn Zwei Wolfswelpengeschwister im Alter von drei Wochen haben im Wolfcenter Dörverden (Kreis Verden) ihr neues Zuhause gefunden. Hier werden die beiden Hudson Bay Wölfe, die viel Ähnlichkeit mit Polarwölfen haben, vom Team des Wolfcenters unter der Leitung von Frank und Christina Faß von Menschenhand aufgezogen. Die eigene Wolfsmutter kann diese Aufgabe nicht mehr leisten.

Bei der Aufzucht von Menschenhand hat auch Uwe Haesihus im wahrsten Sinne seine „Finger im Spiel“. Der 52-Jährige ist Computerexperte und im IT-Management der NWZ  beschäftigt. Doch nicht nur das. Der Petersfehner (Gemeinde Bad Zwischenahn/Landkreis Ammerland) ist auch Diplom-Biologe mit Schwerpunkt Zoologie und Verhaltensforschung. Als Ausgleich zum Büroalltag beschäftigt er sich viel mit Hunden. Seit über dreißig Jahren sammelt er insbesondere Erfahrungen mit Neufundländern und besitzt einen als Therapiehund ausgebildeten sechsjährigen Neufundländer.

Das Wolfcenter

Das Wolfcenter Dörverden befindet sich an der Kasernenstraße 2 in Dörverden (Landkreis Verden). Vom 15. März bis 31. Oktober ist das Wolfcenter in den Ferien und an allen Feiertagen in Niedersachsen und Bremen jeden Tag von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Außerhalb der Ferien: Mittwoch bis Sonntag 10 bis 19 Uhr.

Alle zwei Stunden gibt es an den Wolfsgehegen einen etwa 50-minütigen Vortrag mit Führung. Diese regulären Führungen starten direkt am Ausgang zu der Außenanlage um 11.30 Uhr, 13.30 Uhr und um 15.30 Uhr.

Der Eintritt kostet ab 14 Jahren 12,50 Euro und für Kinder von vier bis 13 Jahren 9 Euro. Für Kinder bis drei Jahren ist der Eintritt frei.

www.wolfcenter.de

Intensive Beschäftigung

Seitdem im Jahr 2000 wieder Wölfe in Deutschland sesshaft wurden, verfolgt der Tierfreund die Berichterstattung über sie. Dabei wurde ihm klar: Um das Verhalten von Hunden gänzlich zu verstehen, sollte er sich mit dem Wesen ihrer Vorfahren, den Wölfen, auseinandersetzen. Und das tat er sehr intensiv, unter anderem bei Tanja Askani im Wildpark Lüneburger Heide. Dort durfte er im Rahmen eines Wolftreffens erstmals Polarwölfe hautnah kennen lernen. „Diese Wölfe hinterließen einen unbeschreiblichen Eindruck bei mir. Die scheue und übervorsichtige Art ihres Verhaltens Menschen gegenüber, ihre vielseitige Mimik und ihr Umgang miteinander, warfen viele Fragen auf. Insbesondere zeigte es, in welch katastrophale Richtungen teilweise die Hundezucht gegangen ist. Da braucht man nur einen schwer atmenden Mops dem selbst im Sommer wenig hechelnden Wolf gegenüberzustellen. Mein Forschungsdrang war geweckt“, erinnert sich Haesihus, der zum echten Wolfsfan wurde und durch seine Leidenschaft zu den Tieren auch Kontakt zum Wolfcenter Dörverden erhielt. „Hier absolvierte ich erst ein Tages- und dann ein Wochenpraktikum und bekomme jetzt in einem weiteren Praktikum die einmalige Chance, Wolfswelpen eine Woche lang mit groß zu ziehen“, freut sich der Biologe und Verhaltensforscher.

Der gesamte Welpenwurf wurde in einem anderen Wildpark geboren, in dem sowohl Wölfe als auch Bären miteinander im selben Gehege vergesellschaftet sind. „In der Regel legt die dort tragende Wölfin einen Bau für die Geburt der eigenen Wolfswelpen in einer Extraschutzzone für Wölfe an, die von den Bären nicht betreten werden kann. In diesem Jahr hat die Wölfin jedoch den Bau außerhalb der Schutzzone angelegt, so dass die Bären schnell neugierig wurden und bereits anfingen, den Wolfsbau teilweise aufzugraben. Die Welpen mussten gerettet werden“, erläutert Frank Faß vom Wolfcenter Dörverden die Hintergründe der Handaufzucht.

„Bei den beiden Hudson Bay Wolfswelpen geht es darum, diese durch die Handaufzucht an den Menschen zu gewöhnen. Damit sie sich nicht ganz so schüchtern und übervorsichtig wie wilde Wölfe geben. Die Besucher sollen später verstehen, wie sich Wölfe verhalten, dass es wilde Raubtiere sind, vor denen sich Menschen bei entsprechendem Verhalten nicht zu fürchten brauchen. Der Mensch gehört nicht in das Beutespektrum eines Wolfes. Nur füttern sollte man einen freilebenden Wolf auf keinen Fall, denn dann könnte er eines Tages dem Menschen das Futter in aggressiver Weise wegnehmen“, rät Haesihus und fügt hinzu: „Ich freue mich sehr auf meine Praktikumswoche mit den jungen Wölfen.“

Kratzer erwartet

Und auf die Frage, ob er Angst habe, antwortet er schmunzelnd: „Nein, die habe ich vor diese Wölfen ganz sicher nicht. Es wird bestimmt ein paar hübsche Kratzer geben, wie bei einem ungestümen Neufundländer-Welpen auch.“ Besucher können die Handaufzucht der beiden Welpen, die auf Dala und Kimo getauft wurden, im Wolfcenter Dörverden ab sofort mit verfolgen. „Mittlerweile sind Dala und Kimo durch uns gut an die Milchflasche gewöhnt worden. Sie können sehen und hören, und tatsächlich schaffen es ihre kleinen Lungen auch schon, Wolfsheultöne von sich zu geben“, freuen sich Christina und Frank Faß über den Nachwuchs in ihrem Wolfcenter.