Oldenburg - Wie kann das Wissen über die Zusammenhänge der Sozialen Marktwirtschaft besser an Schülerinnen und Schüler vermittelt werden? Dies war die Kernfrage des Tages der ökonomischen Bildung, zu dem die Lehrer-Vereinigung Vöbas (Verband ökonomische Bildung an allgemeinen Schulen) kürzlich eingeladen hatte.
Rund 200 Lehrkräfte, vorwiegend aus dem Norddeutschen Raum – der Verband wurde 2004 in Oldenburg gegründet – diskutierten einen Tag lang digital über die Notwendigkeit ökonomischer Bildung und Möglichkeiten der Unterrichtsgestaltung.
Erste Fachtagung 2008
„Das Fach Wirtschaft wird überall unterschiedlich unterrichtet“, sagte der Vorsitzende des Vöbas, Karl-Josef Burkard. Unterschiede seien dabei sowohl zwischen den Bundesländern, als auch zwischen den verschiedenen Schulformen festzustellen. Burkard berichtete, dass Wirtschaft und Politik seit der ersten Fachtagung 2008 im Krisenmodus seien.
„Auch die Idee einer sozialen Marktwirtschaft ist in einer Zeit der Krisen und Kriege entstanden. Damit verbunden ist die Hoffnung auf eine Wirtschaftsordnung, die politische Freiheit, ökonomische Effizienz und soziale Gerechtigkeit ermöglicht und bewahrt.“
Nachfrage steigt
„Die Nachfrage der Jugend nach ökonomischer Bildung steigt. Es hat jedoch noch kein Bundesland geschafft, dies als Nebenfach zu etablieren“, so Sven Schumann, Co-Vorsitzender des Vorstands des Bündnisses Ökonomische Bildung Deutschland. Das Bündnis fordere daher, ökonomische Bildung verpflichtend im Schulunterricht zu verankern, Lehrkräfte entsprechend zu qualifizieren und eine nationale Strategie zu entwickeln.
Zudem sollten Schülerinnen und Schüler Bezüge zur Arbeitswelt erleben können. Janosch Schierke, Schriftführer des Vöbas und Lehrer am Herbartgymnasium Oldenburg, bestätigte Schumanns Schilderung: „Die Schüler rennen uns die Bude ein, mehr als 60 Prozent wählen das Fach Wirtschaft freiwillig.“
Frei von Privilegien
Bevor es am Nachmittag in verschiedene Workshops ging, bei denen sich die Lehrkräfte zu speziellen Themen austauschten, hielt Wirtschaftsexperte Nils Goldschmidt einen Eingangsvortrag und gab einige Anregungen: „Die Nachricht sollte sein, dass es darum geht, eine Ordnung zu schaffen, die frei von Macht und Privilegien ist. Dies sollte mit Geschichten und aktuellen Themen verbunden werden.“
Eine solche Form der Wissensvermittlung sei aus seiner Sicht besser, als im Unterricht Bilder von Ludwig Erhardt und dem millionsten Käfer zu zeigen.
Weg von Prinzipien
„Der Begriff soziale Marktwirtschaft klingt für viele massiv verstaubt. Wir müssen mit den Dingen anfangen, die problematisch sind, und dann zeigen, was die Soziale Marktwirtschaft dagegen tun will“, betonte Goldschmidt. Ein Problem sei seiner Meinung nach, dass häufig anhand von Prinzipien versucht werde, die Soziale Marktwirtschaft zu erklären.
„Ich glaube, wir müssen uns davon verabschieden, die Soziale Marktwirtschaft als Prinzipiengerüst zu sehen. Die Soziale Marktwirtschaft ist ein optimistisches Modell, das sagt: Wir finden Lösungen.“
