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NWZonline.de Region

Vom Schlachthof ins Kuh-Altersheim

31.07.2013

Butjadingen „Zum Kaffee gibt♠’s bei uns nur Soja-Milch“, ruft Karin Mück über den Hof. Klar. Konsumenten tierischer Produkte sind auf dem Bauernhof „Butenland“ in Butjadingen nicht willkommen. Die Menschen leben hier streng vegan. Sahne zum Kaffee ist ebenso verpönt wie Lederschuhe. Die Kühe, Pferde, Schweine und Gänse brauchen das Metzgermesser nicht mehr zu fürchten.

Knapp hinter dem Nordseedeich zwischen dem Jadebusen und der Wesermündung liegt das „Kuh-Altersheim“ von Jan Gerdes und Karin Mück mit seinen 40 Hektar Land. Auf den ersten Blick eine Idylle: Hunde, Katzen, Hühner, Gänse, Enten und das Minischwein „Seine Hoheit Prinz Louis“ teilen sich mit den Menschen den Platz vor dem gepflegten Bauernhaus.

Obhut statt Streichelzoo

Doch Mück stellt klar: „Wir sind hier kein Streichelzoo und auch kein Paradies. Fast alle diese Tiere haben Furchtbares erlebt“, sagt die passionierte Tierschützerin. Die wenigen Ausnahmen wurden hier geboren. Mück weist auf ein properes Hühnchen. Das gackert aufgeregt über den Hof, hält sich aber abseits von seinen Artgenossen. „Susi haben wir von einem Bio-Freilandhof gerettet, einen Tag vor dem Schlachttermin“, berichtet Mück. „Sie war völlig nackt und abgemagert und hat bis heute Angst vor anderen Hühnern.“

Alle Tiere auf dem Hof in Butjadingen wurden von Tierschützern aus Versuchszentren, Legebatterien, Schlachthöfen oder verwahrlost von konventionellen Höfen gerettet, erzählt Mück. Von jedem Tier kennt sie die grausame Geschichte. Etwa die von der Kuh Manuela.

Vier Jahre lang musste sie mit einer Öffnung an der Seite leben, weil die Wissenschaftler ihre Verdauung erforschten. Ein großer Gummiring verhinderte das Zuwachsen der Wunde, damit die Forscher mit der Hand einen schnellen Zugriff auf den Pansen hatten. Heute steht Manuela mit 33 anderen Kühen und Ochsen gesund und friedlich auf der Weide.

Lebenshof für Tiere

Gnadenhöfe beherbergen Haus-, Nutz- und Wildtiere auf unbestimmte Zeit. Im Gegensatz zu Tierheimen vermittelt ein Gnadenhof die Tiere nicht weiter.

Das Kuh-Altersheim in der Gemeinde Butjadingen war bis zum Jahr 2002 ein Milchviehbetrieb mit rund 60 Milchkühen. Betriebsleiter Jan Gerdes ist auf dem Hof aufgewachsen. In den 80er Jahren übernahm er den Hof von seinem Vater.

Hof Butenland wurde im Dezember 2007 vom niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport als rechtsfähige Tierschutzstiftung anerkannt.

Gerdes hat den Hof 1981 als konventionellen Bauernhof von seinen Eltern übernommen und daraus einen Biohof gemacht.

„Doch dann wurde mir klar, dass ich Vegetarier bin und ich die Tiere nicht länger quälen will, in dem ich sie zum Schlachten vorbereite.“ Bei den Nachbarn sind die beiden Tierschützer nicht beliebt: „Für die sind wir die Spinner vom Butenland-Hof“, sagt Gerdes und hat sogar ein wenig Verständnis. „Wir rufen dazu auf, auf Milch und Fleisch zu verzichten. Das würde ihnen die Lebensgrundlage entziehen.“

Nachhaltiger Einsatz

Wenig Verständnis erntet Gerdes auch bei der Landwirtschaftskammer in Oldenburg. „Die Grundidee, alte Tieren auf einem Gnadenhof leben zu lassen, ist sicherlich löblich“, sagt die Expertin für den Rinder-Tierschutz der Kammer, Heidi Meine-Schwenker. Doch seien die rund 760 000 Milchkühe in Niedersachsen eben zur Fleisch- und Milchproduktion da.

Nach Auskunft des Deutschen Tierschutzbundes mit Sitz in Bonn gibt es bundesweit mehrere Hundert Gnadenhöfe. „Sie sind eine wichtige Ergänzung für die Tierheime“, sagt Sprecher Marius Tünte. Der Tierschutzbund betreibt sogar einen eigenen Gnadenhof in Kappeln. Veterinäre oder der Zoll bringen dort auch beschlagnahmte Tiere wie Schildkröten oder Echsen unter.

Jan Gerdes und Karin Mück können sich ein Leben ohne ihre Tiere nicht mehr vorstellen. Ihr gesamtes Vermögen und den Hof haben sie in eine Stiftung gegeben, um das Tieraltersheim auch nach ihrem Tod zu erhalten. Täglich erreichen sie mehrere Anrufe von Tierschützern, die ein gerettetes Tier unterbringen wollen. „Da müssen wir immer wieder ,Nein’ sagen“, sagt Gerdes. „Unsere Arbeit hier kann nur symbolisch für alle Tiere sein. Aber wir können sie nicht alle retten.“

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