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NWZonline.de Region

Vom Streifendienst in die große Politik

05.01.2010

UELZEN /BERLIN In ihrem Leben war schon immer Bewegung. Als Kind und Jugendliche zog Kirsten Lühmann mehrfach um und wechselte insgesamt sechsmal die Schule. Der Vater war Berufssoldat. So wurde sie 1964 in Oldenburg geboren, wuchs eine Zeit lang in Bad Zwischenahn auf – ehe der Möbelwagen das erste Mal vor der Haustür stand. „Ich hatte dann Glück, dass ich die komplette Oberstufe am Gymnasium in Wildeshausen absolvieren konnte“, sagt sie rückblickend.

Und dann? Der Job ihres Vaters gefiel Kirsten Lühmann. Also bewarb sie sich bei der Bundeswehr als Soldatin, wohlwissend, dass seinerzeit Frauen bei der kämpfenden Truppe nicht vorgesehen waren. „Ich bekam ein nettes Schreiben, dass ich mich doch für den Sanitätsdienst bewerben könne.“ Sanitätsdienst statt Landesverteidigung? Nichts für die heute 45-Jährige.

Castor-Transporte begleitet Dann hörte sie von einem „Versuch“ des Landes Niedersachsen, uniformierte Schutzpolizistinnen im mittleren Dienst auszubilden. Insgesamt 250 Frauen wurden Anfang der 80er Jahre eingestellt, eine davon Kirsten Lühmann. „Das war absolut mein Ding“, sagt sie rückblickend. Insgesamt 26 Jahre war sie bei der Polizei, begleitete dabei u.a. sieben Jahre lang Castor-Transporte und gehörte zuletzt einer Gruppe an, die sich auf Ladungssicherung und technische Mängel bei Lkw spezialisiert hat.

Doch das ist vorbei, denn die Polizistin aus Leidenschaft stellte sich im Wahlkreis Celle-Uelzen als Nachfolgekandidatin von Peter Struck, dem langjährigen Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, zur Wahl und gewann ihr Bundestagsmandat über die Landesliste. „Ich wollte noch mehr für die Menschen in meinem Wahlkreis bewegen, daher war es für mich irgendwann klar, dass ich ein Bundestagsmandat anstreben würde“, sagt Lühmann. Politisch und gewerkschaftlich war sie schon immer aktiv.

Mit ihrem Engagement wurde sie sehr schnell vielen Bürgern bekannt. In Hermannsburg, einem Ort, der gerade mal 8000 Einwohner hat, machte sich die Lokalpolitikerin bald einen Namen. Sie unterstützte die Arbeiterwohlfahrt, Jugendvereine und Sportvereine, war Mitglied im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und engagierte sich im Heimatmuseum. „Es gab keine verlässliche Grundschule, keine Ganztagsschule, kaum Kindertagesstätten und keinen Schulhort. Ich wollte das ändern. Als berufstätige Mutter kannte ich die Belastungen und Sorgen, mit denen Mütter konfrontiert werden, wenn die Kinder nicht versorgt sind“, erklärt Kirsten Lühmann.

Mit Kollegen verheiratet

Und jetzt die große Politik. Lühmann will am Atomausstieg festhalten, sich für eine nachhaltige Verkehrspolitik einsetzen, und als Gewerkschafterin liegt ihr die Sicherung von Arbeitnehmerrechten am Herzen. Von der Basisarbeit der Polizei ist sie übrigens nicht abgeschnitten: Seit 1988 ist sie mit dem Streifenpolizisten Jürgen Lühmann verheiratet, gemeinsam haben sie drei Töchter großgezogen. „Das ging wegen des Streifendienstes ganz gut. Einer von uns beiden war immer zu Hause“, sagt sie.

Norbert Wahn
Redakteur
Politikredaktion
Tel:
0441 9988 2097

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