WALLENHORST - Die helle, freundliche St.-Josef-Kirche steht im Zentrum der Gemeinde Wallenhorst-Hollage bei Osnabrück. Vor dem bunt bemalten Hochaltar feierte der neue Pfarrer Jose Kuzhichalil seinen ersten Gottesdienst. Der neue Pater aus Indien ist bereits der vierte Mann innerhalb eines halben Jahres, der hier vor der katholischen Gemeinde predigt. Im Sommer hatte zuerst der langjährige Pfarrer überraschend seinen Dienst quittiert, weil er eine Frau kennen gelernt hatte.

Mitte November hatte dann auch sein Vertreter Stephen Egwim Hals über Kopf sein Amt niedergelegt und Deutschland verlassen. Der dunkelhäutige Mann aus Nigeria hatte anonyme Briefe bekommen und war mit ausländerfeindlichen Sprüchen beschimpft worden.

Nach einer kurzen Vertretungszeit eines polnisches Pastors übernimmt nun ein Angehöriger des indischen Karmeliter-Ordens die Gemeinde. Auch Jose Kuzhichalil hat eine dunklere Hautfarbe, aber keine Angst vor Anfeindungen. „Ich werde ein ganz normaler Mensch unter den Menschen sein und ein Hollager werden“, sagte er zuversichtlich – und zwar auf deutsch. Denn im Gegensatz zu seinem afrikanischen Amtskollegen versteht und spricht er die Sprache seiner Gemeinde sehr gut.

Egwims geringe Kenntnisse der deutschen Sprache, Gesellschaft und Kultur hätten zu einer Reihe von Missverständnissen beigetragen. sagte Bistumssprecher Hermann Haarmann. Bürger hätten zum Beispiel geklagt, der Pfarrer sei telefonisch nicht erreichbar, predige zu lange und halte Termine nicht ein.

„Er hat sich wohl nicht verstanden gefühlt und hat es nicht mehr in Deutschland aushalten können“, sagte Birgit Ottens, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates der St. Josef-Gemeinde.