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NWZonline.de Region

Doch Freilandleitung durch Harbern?

09.11.2019

Wardenburg Zwischen Kayhauserfeld im Ammerland und Harbern wird die geplante 380 kV-Stromleitung nicht unterirdisch verlaufen, sondern als Freileitung. Das hat Tennet jetzt nach dem Abschluss der Prüfung einer möglichen Erdverkabelung bekanntgegeben. Am Donnerstagabend hat Tennet die Wardenburger Ratsmitglieder informiert, auch die betroffenen Anlieger seien angeschrieben worden, so Janina Schultze, Referentin für Bürgerbeteiligung bei Tennet. Vom 19. bis 21. November soll es Gespräche mit betroffenen Eigentümern geben, Anfang 2020 ist eine öffentliche Info-Veranstaltung geplant. Entschieden aber ist noch nichts. Das endgültige OK müsste von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr kommen. Noch stehe diese behördliche Genehmigung für die Freilandleitung aus, in die Planfeststellung werde Tennet nicht vor Ende 2020 gehen, so Schultze.

Der Hintergrund

Freileitung statt Erdkabel: Die Grafik zeigt den jetzt geplanten Trassenverlauf. Das Erdkabel hätte sich am Verlauf der bestehen 220-kV-Leitung orientiert, diese wird nach Fertigstellung der neuen Leitung abgebaut.

„Der Baugrund in diesem Bereich ist sehr schwierig für eine Erdverkabelung“, erklärt Stefan Petersen, Projektleiter Planung und Genehmigung bei Tennet. „Das Erdkabel ist baubar, aber die Auswirkungen sind so beträchtlich, dass es nicht sinnvoll ist“, konkretisiert Janina Schultze. Das Problem: Der infrage kommende Bereich besteht überwiegend aus Torfböden. Zum einen sei es in dem weichen Grund schwierig, eine Erdverkabelung über eine längere Strecke zu realisieren. „Außerdem wirkt der Torf wie eine wärmende Decke und sorgt für eine enorme Hitzeentwicklung im Bereich der Kabel“, so Petersen. Deshalb könne eine Erdverkabelung hier nur mit einem kompletten Bodenaustausch funktionieren – allerdings mit gravierenden Folgen (siehe Kasten).

Auch unter Umweltgesichtspunkten sei dies kritisch, sagt Janina Schultze. „Tennet baut im Rahmen der Energiewende. Mit dem Bodenaustausch würden wir aber in einen der besten CO2-Speicher eingreifen, die wir haben, und gleichzeitig CO2 freisetzen.“ Nach Abschluss der vielfältigen Untersuchungen sehe Tennet daher eine Freileitung als „raum- und umweltverträglichere Alternative“, heißt es in einer Presseerklärung des Übertragungsnetzbetreibers.

Die künftige Trasse

Deshalb setzt Tennet jetzt auf eine Freileitung. Eigentlich hatte man genau darauf verzichten wollen, weil an mehreren Stellen der geforderte Mindestabstand von 200 Metern zu Wohnhäusern unterschritten wird. Nun habe man in den vergangenen Wochen begonnen, eine Freileitungstrasse zu untersuchen. Im Vergleich zur ursprünglich geplanten Erdkabeltrasse, die entlang der Bestandsleitung geplant war, ist die Freileitung nach Westen versetzt.

„Wir werden nicht überall die Abstände von 200 Metern zur Wohnbebauung einhalten können“, räumt Schultze ein. Auf der gesamten Strecke zwischen Kayhauserfeld und Harbern betreffe dies zwölf Bereiche. Auf Wardenburger Gebiet allerdings sei nur ein Bereich südlich des Küstenkanals betroffen.

so geht es weiter

Die Varianten

Eine Erdverkabelung ist theoretisch auf zwei Weisen möglich: Bei der geschlossenen Verlegung werden die Leitungen von einem Anfangs- bis zum Endpunkt per Spülbohrung unterirdisch verlegt. Bei der offenen Verlegung wird eine Grube ausgehoben, die Leitungen verlegt und Boden wieder darübergelegt.

Beide Verfahren sind im fraglichen Bereich aufgrund des Torfboden nicht möglich.

Für die geschlossene Verlegung lassen sich im weichen Torf die erforderlichen Bohrlängen nicht realisieren. Außerdem würde die Erwärmung der zwölf benötigten Erdkabel unter dem Torf im Betrieb über den technisch zulässigen Grenzwerten liegen. Dieses Problem ergäbe sich auch bei der offenen Bauweise.

Deshalb hat Tennet noch die dritte Variante untersucht: Erdverkabelung in offener Bauweise mit komplettem Austausch des Bodens (Torf gegen Sand). Dies würde einen Bodenaustausch von rund einer Million Kubikmeter bedeuten. Das entspräche rund 50.000 LKW-Ladungen. Dabei würden unter anderem große Mengen CO2 freigesetzt. Zudem bestände das Risiko, dass der verbleibende Torfbereich über den Kabelkanal entwässern würde.

Mit Informationsangeboten will Tennet nun die Planung für alle Betroffenen transparent machen und die Bürgerinnen und Bürger einbeziehen. Alle Grundstückseigentümer, auf deren Flächen ein Strommast gebaut werden könnte, sowie die Eigentümer und Bewohner von Häusern, die sich im unmittelbaren Umfeld der möglichen Freileitung befinden, werden zu Gesprächen eingeladen. „Kleinräumige Verschiebungswünsche werden nach Möglichkeit berücksichtigt“, so Janina Schultze.

Grund für neue Trasse

Mit einer Spannung von 380 000 Volt (380kV) soll künftig Strom aus Windenergieanlagen von Conneforde über Cloppenburg bis in den Landkreis Osnabrück geleitet werden. Die Trasse führt vom Ammerland über den Küstenkanal auch durch die Gemeinde Wardenburg.

Anke Brockmeyer Wardenburg / Redaktion Wardenburg
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